Unsere Vorfahren Wichtige Funde zur Entstehung des Menschen

Die menschliche Abstammungsgeschichte zu erforschen, gleicht dem Spiel mit einem Puzzle, bei dem viele Teile fehlen. Doch manche Entdeckungen haben tatsächlich das Zeug zu einem Jahrhundertfund, wie unsere Auswahl zeigt.
Ein rekonstruiertes Skelett eines Neandertalers (r.) steht neben dem Skelett eines modernen Menschen im Naturkundemuseum in New York. Quelle: ap
Neandertaler

Ein rekonstruiertes Skelett eines Neandertalers (r.) steht neben dem Skelett eines modernen Menschen im Naturkundemuseum in New York.

(Foto: ap)

HeidelbergDie Erforschung der menschlichen Abstammungsgeschichte gleicht einem Puzzle, und wie bei einem Puzzle ist kein Teilchen so unwichtig, als dass man darauf verzichten könnte. Doch manche Entdeckungen stechen dennoch hervor: Sie geben einen entscheidenden Hinweis auf das Gesamtbild oder zeigen, dass altbewährte Überzeugungen auf einem Irrtum beruhen. Hier eine Auswahl von bedeutenden Entdeckungen zur Evolution des Menschen.

Neandertal 1, der Anfang von allem

Fund: Im August 1856 stießen Steinbrucharbeiter im niederbergischen Land nahe Düsseldorf auf Teile eines Schädels, den der Besitzer ihres Betriebs zunächst für Überreste eines Höhlenbären hielt. Erst der Lehrer und Fossiliensammler Johann Carl Fuhlrott sah in dem Fundstück (und schließlich weiteren Skelettteilen) die Knochen eines zwar offenkundig menschlichen, aber dennoch recht fremdartigen Geschöpfs.

Keinen anderen als den ersten als solchen erkannten Neandertaler hielt Fuhlrott in den Händen. Inzwischen sind die im namensgebenden Neandertal gefundenen Skeletteile auf ein Alter von rund 40.000 Jahren datiert worden.

Bedeutung: Zwar wurden schon vor dem Glücksfall im Neandertaler Steinbruch sporadisch Überreste früher Menschen entdeckt, doch nie zuvor wurden sie als solche erkannt. Dieser neue Fund scheint hingegen genau in dem Moment gekommen zu sein, als sich die Gelehrtenwelt von der biblischen Schöpfungsgeschichte abzuwenden begann und sich dem Gedanken an einen langen und langsamen Prozess der natürlichen Entwicklung zu öffnen begann. Drei Jahre nach dem Neandertalerfund sollte ihnen Charles Darwins „Über die Entstehung der Arten“ das theoretische Rüstzeug dafür liefern.

Neuer Vorfahr des Menschen entdeckt
Homo naledi
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Wissenschaftler haben zum ersten Mal Fossilien einer frühen Menschenart entdeckt, die wie der moderne Mensch einen Bestattungsritus pflegte. Forscher entdeckten die Überreste in der Höhle Rising Star (Aufgehender Stern) in Südafrika. Nach dem Fundort benannten sie die Art „Homo naledi“ – in der südafrikanischen Sprache Sesotho ist „naledi“ das Wort für Stern.

Frühe Bestattung
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Homo naledi legte die Körper seiner Verstorbenen offenbar bewusst in einem abgelegenen Raum der Höhle ab. Dies sei bemerkenswert, da eine Bestattung von Toten bisher nur dem modernen Menschen zugeschrieben wurde, schreiben die Forscher, zu denen auch zwei Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig gehören.

Rund 1500 Fundstücke
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Bei dem bereits 2013 gemachten Fund handelt es sich um den bisher größten zusammengehörigen Fund fossiler menschlicher Überreste auf dem afrikanischen Kontinent. Die rund 1500 entdeckten Fossilien wurden in einem tief im Fels gelegenen Raum gefunden, der von den übrigen Kammern der Höhle getrennt war.

Keine Spuren von Raubtieren
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Die Knochen weisen keinerlei Spuren von Aasfressern und Raubtieren auf. Nichts deutet darauf hin, dass Tiere oder vom Menschen unabhängige natürliche Prozesse die Toten in die Kammer transportiert haben könnten.

Bewusst am Fundplatz abgelegt
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Die Forscher gingen zahlreiche Szenarien durch – beispielsweise ein Massensterben, ein unbekanntes Raubtier, den Transport von einem anderen Ort in die Kammer mithilfe von Wasser oder den Unfalltod in einer Todesfalle. Nachdem solche Möglichkeiten ausgeschlossen werden konnten, blieb als plausibelste Variante nur die bewusste Verbringung der Toten.

1,50 groß und 45 Kilo schwer
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Nach den Forschungsergebnissen hatte Homo naledi ein winziges Gehirn von der Größe einer Orange und einen grazilen Körperbau. Er wurde im Schnitt etwa 1,50 Meter groß und wog etwa 45 Kilo. Zum Alter der Art wollten die Wissenschaftler vorerst noch keine Angaben machen.

Zähne ähneln dem Homo habilis
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Der Homo naledi zeigte verschiedene Besonderheiten. So ähnelten die Zähne denen der frühesten Vertreter der menschlichen Gattung wie etwa dem Homo habilis, die Schultern denen von Menschenaffen.

Dennoch muss Neandertal 1 viele Zeitgenossen in den Grundfesten ihrer Weltsicht erschüttert haben – nicht viel anders, als wenn wir heute plötzlich den Beleg für die Existenz einer Zivilisation im All in Händen hielten. Nicht jeder kaufte darum den Wissenschaftlern die „Urmenschen“-Deutung ab: Kritiker des Evolutionsgedankens glaubten, die sterbliche Überreste eines Kosaken zu erblicken, dessen Überaugenwülste durch häufiges Stirnrunzeln entstanden seien.

Lucy, die Frontfrau

Fund: Im Jahr 1974 erspähte der Anthropologe Donald Johanson bei einer Fossiliensuche in der glühend heißen Afar-Senke in Äthiopien den Teil eines Armknochens, daneben lag ein Stückchen Schädel – und daneben zahlreiche weitere Skelettteile eines kleinen und offensichtlich menschenähnlichen Wesens.

Schnell muss den Forschern klar gewesen sein, dass sie einen ganz und gar außergewöhnlichen und kompletten Fund gemacht hatten. Auf der Feier am Abend der Entdeckung wurde der Beatlessong „Lucy in the Sky with Diamonds“ rauf- und runtergespielt. Der Fund hatte seinen Spitznamen weg.

Bedeutung: Schnell erreichte Lucy echten Prominentenstatus. Seit nunmehr vier Jahrzehnten ist es vor allem sie, die unseren frühen Vorfahren ein Gesicht verleiht.

Tatsächlich ist ihr Skelett gut genug erhalten, dass sich Forscher trotz des hohen Alters von fast 3,2 Millionen Jahren ein anschauliches Bild von ihrer Art, dem Australopithecus afarensis, und dessen Lebensumständen machen können. Angesichts ihres schlanken, aufrechten Körperbaus und vergleichsweise großen Gehirns könnten sie und ihre Artgenossen in der Tat ganz vorne im Stammbaum von Homo stehen.

Ardi und die Zweifel an der Savannenhypothese

Fund: Ab dem Jahr 1992 tauchten in der äthiopischen Region Afar immer mehr Skelettteile extrem alter Hominiden auf. Erst ein Backenzahn, dann eine Schädelpartie, schließlich stellten sich die Funde als Überbleibsel von Angehörigen einer völlig neuen Art heraus.

Ardipithecus ramidus lebte vor rund viereinhalb Millionen Jahren und steht damit an der Wurzel des Stammbaums von Mensch und Australopithecus. Wie genau er sich in diese weitläufige Verwandtschaft einfügt, ist allerdings nicht sicher, es muss sich nicht zwangsläufig um einen direkten Vorfahren des Menschen handeln.

Bedeutung: An dem außergewöhnlichen, nahezu vollständig erhaltenen Skelett von A. ramidus, Spitzname „Ardi“, lässt sich ablesen, dass diese Hominiden damals bereits aufrecht auf zwei Füßen liefen.

Das Bemerkenswerte ist, dass Ardi in einer sehr waldreichen Umgebung lebte. Dies legt nämlich nahe, dass sich der aufrechte Gang nicht, wie lange angenommen, in den Weiten der heißen afrikanischen Savanne entwickelte. Der Fund Ardis hat so maßgeblich dazu beigetragen, die „Savannenhypothese“ in Zweifel zu ziehen. Einen allgemein akzeptierten Nachfolger für diese Erklärung gibt es allerdings noch nicht. 

Ein Hobbit macht Probleme
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