Urzeitechsen Dino-Nachwuchs blieb lange im Ei

Kleine Vogeljungen picken sich oft schon nach gut zehn Tagen aus dem Ei, kleine Krokodile meist erst nach drei Monaten. Forscher haben jetzt herausgefunden, wie es bei den urzeitlichen Vorfahren dieser Tiere aussah.
Das fossile Skelett eines frisch geschlüpften Protoceratops andrewsi aus der Wüste Gobi. ( Bildquelle: AMNH/M. Ellison) Quelle: dpa
Dinosaurier brüteten lange

Das fossile Skelett eines frisch geschlüpften Protoceratops andrewsi aus der Wüste Gobi. (Bildquelle: AMNH/M. Ellison)

(Foto: dpa)

TallahasseeDie Eier zumindest einiger Dinosaurier hatten eine deutlich längere Brutzeit als bisher angenommen. Mindestens drei bis sechs Monate dauerte es, bis die Jungen schlüpften, berichten Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA (PNAS). Damit ähnele die Brutdauer eher der von Reptilien als der von Vögeln, schreiben die Forscher.

Die lange Brutzeit könnte beim Massensterben vor 65 Millionen Jahren eine Rolle gespielt haben, vermuten die Forscher. Die langsame Entwicklung könne die Fähigkeit der Dinos beeinträchtigt haben, mit den schneller wieder anwachsenden Populationen von Vögeln und Säugetieren mitzuhalten.

Der böse Onkel des T. rex
Lythronax argestes
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Er war acht Meter lang, zweieinhalb Tonnen schwer und hatte ein riesiges Maul voller scharfer Zähne – der neu entdeckte Verwandte des berühmten Tyrannosaurus rex. Lythronax argestes, so der Name der furchterregenden Riesenechse, lebte vor etwa 80 Millionen Jahren in Laramidia, einer Landmasse an der Westküste Nordamerikas.

Lythronax argestes, Mark Loewen
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Mark Loewen vom Natural History Museum of Utah entdeckte die neue Dino-Art im Grand Staircase-Escalante National Monument. Sein Team grub im Jahr 2009 Knochen von Schädel, Hüfte, Beinen und Schwanz des Dinosauriers aus.

Lythronax Argestes
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Lythronax sei der älteste Vertreter aus der Familie der Tyrannosauridae, der bisher entdeckt wurde, schreiben die Forscher im  Fachmagazin „PLOS ONE“. T. rex zum Beispiel lebte etwa zehn bis zwölf Millionen Jahre später.

Lythronax Argestes
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Wie viele seiner Verwandten hatte Lythronax sehr kurze Arme. Auffällig sind zudem seine kurze und eher schmale Schnauze sowie der breite Hinterschädel. Die Augen von Lythronax waren nach vorne gerichtet. Er hatte dadurch ein überlappendes Sichtfeld, was für einen Räuber sehr hilfreich war, wie Loewen erläutert. Bisher hatten Experten angenommen, dass diese Kopfform erst zehn Millionen Jahre später entstanden war.

Lythronax Argestes
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Durch den Vergleich mit 54 anderen Arten von fleischfressenden Dinosauriern fanden die Forscher heraus, dass Lythronax am nächsten mit T. rex und mit Tarbosaurus bataar verwandt ist. Sie gehen davon aus, dass sich die Tyrannosauridae schon in der Zeit vor 80 Millionen Jahren in verschiedene Arten aufgespaltet hatten.

Lythronax Argestes
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Damals war der nordamerikanische Kontinent von Nord nach Süd durch ein Meer geteilt, auch Teile der dadurch entstandenen westlichen Landmasse Laramidia lagen wohl für lange Zeit unter Wasser. Einzelne Regionen waren dadurch voneinander isoliert und erlaubten eine unabhängige Entwicklung der Tyrannosauridae. Eine Folge davon war, dass im südlichen Laramidia andere Arten lebten als im Norden der Landmasse - und zwar innerhalb der gleichen Dinosaurier-Gruppen.

Lythronax argestes, Grand Staircase-Escalante National Monument
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Die Fundstelle des neu entdeckten Raubsauriers dürfte nach Einschätzung der Forscher noch zahlreiche weitere Dinosaurier-Überreste birgt. Scott Sampson, Ko-Autor der Studie, bezeichnete das Gebiet als noch „weitgehend unerforschten Dinosaurier-Friedhof“.

Bisher war die gängige Annahme, dass Dinosaurier ähnlich kurz brüteten wie ihre heute lebenden Verwandten, die Vögel. Deren Brutzeit liegt zwischen etwa 11 und 85 Tagen. Reptilieneier vergleichbarer Größe entwickeln sich dagegen oft doppelt so lange.

Die Forscher um Gregory Erickson von der Florida State University in Tallahassee hatten versteinerte Dino-Embryos zweier Arten mit modernen Methoden untersucht: CT-Scannern und hochauflösenden Mikroskopen. Dabei konzentrierten sie sich auf die sogenannten Ebner-Linien, im Zuge der Zahnentwicklung entstehender Anlagerungslinien.

„Sie sind wie eine Art Baumringe, die täglich angelegt werden. So konnten wir sie förmlich abzählen, um zu sehen, wie lange sich jeder Dinosaurier entwickelt hat“, erklärt Erickson.

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