US-Raumfahrtbehörde Nasa sieht Konflikt mit Russland gelassen

Was die Aufkündigung der Zusammenarbeit bei der Raumstation ISS zwischen den USA und Russland angeht, zeigt sich die US-Raumfahrtbehörde demonstrativ gelassen. Der Nasa-Chef habe davon „offiziell keine Kenntnis“.
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Alkoholverbot und ein sündhaft teures Kosmos-Klo
Internationale Raumstation (ISS)
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Was macht die Besatzung eigentlich die ganze Zeit?

Ein normaler Tag auf der ISS beginnt mit einer Morgentoilette mit feuchten Tüchern, denn eine Dusche gibt es nicht. Nach einem meist bescheidenen Frühstück widmet sich die Crew der Forschung sowie der Pflege der Bordanlagen – mit der Faustregel, dass viele Arbeiten im All doppelt so lange dauern wie auf der Erde. Je nach Tagesprogramm stehen zwei Stunden Fitness auf dem Plan, etwa das Strampeln auf Standfahrrädern, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. Freizeit gibt es kaum während der sechs Monate im All. „Jede Sekunde ist verplant, man hechelt fast dem Plan hinterher“, sagt Kosmonaut Sergej Wolkow.

Internationale Raumstation (ISS)
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Könnten die Experimente auch ohne Crew funktionieren?

Theoretisch könnten Raumfahrer durchaus Bakterienkulturen oder Materialproben kurz zur ISS bringen und nach einigen Monaten wieder abholen. Das würde den Kritikern der Station gefallen, die die ständige Anwesenheit einer mehrköpfigen Mannschaft als überflüssig und teuer monieren. Der US-amerikanische Chef des ISS-Programms, Michael Suffredini, warnt aber vor einer längeren Abwesenheit von Raumfahrern. Immer wieder seien Probleme bei den Experimenten aufgetreten, die nur von Astronauten an Bord gelöst werden könnten. Sollte die ISS tatsächlich nach 2020 verschrottet werden, wollen die Partner aber stattdessen kleinere unbemannte Labore im All betreiben.

The Soyuz TMA-09M capsule carrying the International Space Station (ISS) crew of U.S. astronaut Karen Nyberg, Russian cosmonaut Fyodor Yurchikhin and
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Wie retten sich die Raumfahrer im absoluten Notfall?

Aus einem Brand 1997 auf der mittlerweile versenkten russischen Raumstation Mir haben die ISS-Betreiber nach eigenen Angaben viel gelernt. Die Station durchziehen mittlerweile Sprinklersysteme mit Kohlenstoffdioxid und Schaum, die notfalls Flammen löschen sollen. Zudem können Schleusen zwischen den Forschungsmodulen geschlossen werden. Als „Rettungsboote“ bei einer Evakuierung fungieren die Sojus-Kapseln, die an der Station angedockt und für die reguläre Rückkehr von Raumfahrern zur Erde gedacht sind. Der Platz ist knapp bemessen: Drei Menschen passen in eine Sojus.

Thomas Reiter in der ISS
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Alkoholverbot im All: Das ist doch nur ein Mythos, oder?

Offiziell gilt auf der ISS die Null-Promille-Grenze – zum Verdruss mancher Raumfahrer. „Zwei Gläser Wein täglich, wie bei U-Boot-Matrosen, würden das Leben an Bord komfortabler machen“, sagt etwa der Kosmonaut Salischan Scharipow. Experten warnen aber: Alkohol wirke im All viel stärker, weil der Körper in der Schwerelosigkeit Substanz abbaut. „Im Kosmos muss man alle Sinne beisammen haben“, sagt der deutsche Raumfahrer Thomas Reiter (im Bild 2006 auf der ISS). Die Alkoholregelung sei aber eher Richtlinie als Verbot. „Es gibt hin und wieder Anlässe, bei denen ein kleiner Tropfen dazu gehört...“, räumt Reiter ein.

Toilette der Internationalen Raumstation ISS
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Wie funktioniert eigentlich die Toilette an Bord der ISS?

Wegen der Schwerelosigkeit müssen Raumfahrer ihre Beine an der Toilette festklemmen. Was auf der Erde mit Wasser weggespült wird, saugt Unterdruck zunächst in einen 20-Liter-Behälter. Von dort werden die Stoffe weitergepumpt in leere Wassertanks des angedockten „Progress“-Raumtransporters, der als Müllcontainer dient. Der Frachter wird später zum Absturz gebracht und verglüht in der Atmosphäre. Das rund 14 Millionen Euro teure Kosmo-Klo der ISS kann zudem Urin zu Trinkwasser aufbereiten. Dies sei aber nur für den Notfall gedacht und bei den Raumfahrern „nicht besonders beliebt“, sagt der Ex-Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin.

BerlinIn der Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland ist die US-Raumfahrtbehörde Nasa um demonstrative Gelassenheit bemüht. Nasa-Chef Charles Bolden sagte am Montag in Berlin, bis zu ihm sei die Aufkündigung der Zusammenarbeit bei der Internationalen Raumstation ISS durch die Russen zum Jahr 2020 noch nicht gedrungen. „Ich habe davon offiziell keine Kenntnis“, sagte Bolden, der zur Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin angereist ist (20. bis 25. Mai). Russlands Vizeregierungschef Dmitri Rogosin hatte Mitte Mai in Moskau erklärt, in sechs Jahren aus dem ISS-Projekt auszusteigen und den 2020 auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern.

Kommende Woche wird Deutschlands nächster Astronaut Alexander Gerst (38) vom russischen Raumfahrt-Bahnhof Baikonur ins Weltall starten. Ab dem 29. Mai soll der Geophysiker aus Künzelsau dann der nächste Deutsche auf der Internationalen Raumstation ISS sein - möglicherweise könnte er der letzte sein.

Auch der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner bemühte sich, Wogen zu glätten. Bis 2020 sei noch einige Zeit hin, dann laufe der Vertrag über den Betrieb der wesentlich von Deutschland mitfinanzierten Forschungsstation ISS aus. Zuletzt waren sich alle Beteiligten weitgehend sogar einig über eine Verlängerung des Projekts, das von Russland, den USA, der europäischen Weltraumagentur Esa sowie von Kanada und Japan geleitet wird. Im Januar hatten die USA die nötigen Finanzmittel für einen Betrieb bis 2024 freigegeben. Vom technischen Zustand her könne die ISS sogar mindestens bis 2028 unterhalten werden, hieß es stets.

Bolden hob hervor, seine langjährigen Kontakte zur obersten Raumfahrtbehörde Russlands seien weiter gut und dies solle auch so bleiben. Anders sei es auf der politischen und diplomatischen Ebene. Er betonte, die ISS von mehreren Partnern getragen und wenn einer ausschere, stünden auch noch die anderen bereit. Wörner erklärte, ihn beunruhige mehr, dass es weiter keine feste Zusagen aus Europa für eine Beteiligung an der ISS bis 2020 gebe. Bislang gebe es nur eine Zusage bis 2018. Branchenkenner verweisen auf viele Reibungspunkte innerhalb der ESA, vor allem auch zwischen Deutschland und Frankreich bei der Wahl der künftigen Trägerrakete Ariane.

  • dpa
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