Vertreter der am Forschungsprojekt beteiligten Länder unterschreiben Vertrag in Moskau Start frei für größten Fusionsreaktor

Eines der teuersten und größten Forschungsprojekte der Welt entsteht in Frankreich. Nach monatelangem Tauziehen steht nun fest, dass der internationale Kernfusionsreaktor Iter im südfranzösischen Cadarache gebaut wird. Ein Projekt, das ohne Einstein Thesen nicht möglich gewesen wäre.
Fusionsreaktor soll Energiegewinnung nach dem Vorbild der Sonne ermöglichen. Grafik: Handelsblatt

Fusionsreaktor soll Energiegewinnung nach dem Vorbild der Sonne ermöglichen. Grafik: Handelsblatt

hsn DÜSSELDORF. Vertreter der an dem Forschungsprojekt beteiligten Länder unterzeichneten gestern in Moskau eine entsprechende Vereinbarung, wie eine Sprecherin der Europäischen Union (EU) mitteilte. Die Entscheidung beendete einen Streit mit Japan, das sich ebenfalls um den Standort des rund zehn Milliarden Euro teuren Forschungsreaktors bemüht hatte.

„Jetzt kann endlich im nächsten Jahr mit dem Bau des Reaktors begonnen wird“, freut sich Ralph P. Schorn, Fusionsforscher am Kernforschungszentrum Jülich, das an den europäischen Experimenten für Iter beteiligt ist. Am Bau des Forschungsreaktors sind neben der EU und Japan auch die USA, China, Russland und Südkorea beteiligt. Bis zum Schluss gab es Uneinigkeit über die Finanzierung des Projekts und den Standort von Iter. Im Standortstreit mit Japan hatte die EU Frankreich unterstützt. Angesichts der weltweit drohenden Energieverknappung kommt der Erforschung neuer Energiequellen eine besondere Bedeutung zu. Der Internationale Thermonukleare Experimentalreaktor (Iter) soll zeigen, dass es gelingt, mittels Kernfusion Energie zu gewinnen. Diese Fusion von Atomkernen ist das Gegenteil der Kernspaltung, deren Energie die Stromgeneratoren von Atomkraftwerken antreibt.

In der Fusionskammer des Reaktors wird nach dem Vorbild der Sonne Wasserstoff zu Helium verschmolzen. Der Brennstoff – ein Plasma aus den Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium – wird in starken Magnetfeldern eingeschlossen und auf 100 Millionen bis 200 Millionen Grad Celsius aufgeheizt. Bei diesen Temperaturen verschmelzen die beiden leichten Kerne Deuterium und Tritium zu einem schwereren Heliumkern. Dabei wird aus einem Gramm Wasserstoff so viel Energie frei wie bei der Verbrennung von acht Tonnen Erdöl. Damit ist die Ausbeute rund vier mal so hoch wie bei der Spaltung von Urankernen in herkömmlichen Kernkraftwerken.

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