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Vor dem Start zur ISS Astro-Alex experimentiert im All auch mit „Weltraum-Kühlschrank“

Für Alexander Gerst fühlt sich die ISS ein wenig an wie ein Zuhause. Bei seinem zweiten Einsatz an Bord der Raumstation hat er mehr Verantwortung.
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Astro-Alex fliegt ins All – die Bilder vom Start
Raketenstart zur ISS
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Mit einem Feuerschweif hat sich Alexander Gerst vorerst von der Erde verabschiedet. Der deutsche Esa-Astronaut...

(Foto: AP)
Sojus-Rakete
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...hob am Mittwoch an Bord einer russischen Sojus-Rakete planmäßig vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan ab.

(Foto: AP)
Die neue ISS-Crew auf dem Weg zum Startplatz
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Mit Gerst (r.) zusammen traten die US-Ärztin Serena Aunón-Chancellor (l.) und der russische Kampfpilot Sergej Prokopjew die Reise ins All an.

(Foto: action press)
Alexander Gerst
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Der deutsche Astronaut beim Besteigen der Sojus-Rakete.

(Foto: dpa)
Gut gelaunt vor dem Start
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Betont entspannt gab sich Deutschlands Raumfahrer vor dem Start zur ISS.

(Foto: action press)
Abschied durch die Fensterscheibe
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Serena Aunón-Chancellor verabschiedet sich vor der Abfahrt zur Startrampe von Familie und Freunden.

(Foto: action press)
Volle Konzentration vor dem Start
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Konzentriert wartet Kosmonaut Sergej Prokopjew in seinem Startsessel auf den Beginn der Mission.

(Foto: action press)

BerlinSpätestens seit dem Wochenende ist die Raumstation ISS bereit für Astro-Alex: Mit der Rückkehr zur Erde am Sonntag haben drei Raumfahrer Platz gemacht für den deutschen Astronauten Alexander Gerst und seine Kollegen Serena Auñón-Chancellor (USA) und Sergej Prokopjew (Russland). Am Mittwoch (6. Juni) starten die drei Weltraumreisenden vom legendären Startplatz Nr. 1 des Kosmodroms in Baikonur – der Startrampe, von der 1961 Juri Gagarin zum ersten bemannten Raumflug der Geschichte abhob.

Für Gerst wird die Reise zur ISS eine Rückkehr sein. 2014 verbrachte er im Rahmen der Mission „Blue Dot“ insgesamt 165 Tage an Bord der Raumstation. „Ich weiß, was auf mich wartet“, sagt der 42-jährige Geophysiker aus Baden-Württemberg. „Wenn man zum zweiten Mal in sein Raumschiff steigt, dann fühlt es sich schon ein wenig an wie zu Hause.“

Doch anders als vor vier Jahren wartet auf den deutschen Raumfahrer neben jeder Menge wissenschaftlicher Arbeit auch eine Menge Verantwortung auf dem Außenposten der Menschheit im All. Ab Oktober wird er für etwa drei Monate das Kommando auf der Raumstation übernehmen. Zwar haben vor Gerst schon andere Deutsche die ISS besucht, einen deutschen Kommandeur hat es auf der ISS aber noch nie gegeben. Normalerweise beanspruchen die großen Raumfahrtnationen USA und Russland dieses Privileg für sich.

Wie Astro-Alex den Weltraum erlebte
International Space Station crew landing in northern Kazakhstan
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Erschöpft, aber glücklich: Nach über fünf Monaten im All landete Esa-Astronaut Alexander Gerst in der früheren Sowjetrepublik Kasachstan in Zentralasien.

(Foto: dpa)
huGO-BildID: 40202504 Ground personnel help on November 10, 2014 International Space Station (ISS) crew member Alexander Gerst of Germany exit the So
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Vorsichtig hoben Helfer den nach der langen Schwerelosigkeit geschwächten Deutschen aus der Sojus-Kapsel...

(Foto: AFP)
The Soyuz TMA-13M spaceship landing in Kazakhstan
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...dann folgte die traditionelle kasachische Begrüßungszeremonie für Gerst (l.) und seine ISS-Kollegen Maxim Surajew (M.) und Reid Wiseman.

(Foto: dpa)
Alexander Gerst
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Für 165 Tage war der Weltraum sein Zuhause. Alexander Gerst -hier in der Aussichtskuppel der ISS - nutzte seine Zeit auf der Raumstation, um immer wieder spektakuläre Bilder aus dem All zur Erde zu schicken.

(Foto: dpa)
Blick des Astronauten Gerst auf die Erde
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So wie diese Aufnahme von Polarlichtern. Die prächtigen Farbenspiele entstehen, wenn geladene Teilchen des Sonnenwindes...

(Foto: dpa)
Blick des Astronauten Gerst auf die Erde
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...auf die Erdatmosphäre treffen. Gerst beobachtete das Phänomen aus rund 400 Kilometern Höhe. Bei dieser Aufnahme schob sich der Roboterarm der Station ins Bild.

(Foto: dpa)
ISS view Hurricane Gonzalo
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Wetterphänomene gehörten zu den häufigsten Bildmotiven des deutschen Astronauten. Hier fing er den Hurrikan Gonzalo ein, der im Oktober unter anderem die Bermuda-Inseln heimsuchte.

(Foto: dpa)

Als Kommandant ist Gerst für die Sicherheit der Crew an Bord verantwortlich und zugleich wichtigster Ansprechpartner sowohl für seine Kollegen auf der ISS als auch für das Kontrollzentrum am Boden. Er hilft bei der Lösung von Konflikten an Bord und entscheidet bei Notfällen, welche Rettungsmaßnahmen zu ergreifen sind – etwa, ob die Station geräumt werden muss und Astronauten die als „Rettungsboot“ an der ISS verankerte Sojus-Kapsel aufsuchen sollen. Bei Bedarf kann er auch den Missionsabbruch und die vorzeitige Rückkehr zur Erde anordnen.

Für Gerst, der sich schon während und nach seiner ersten Mission im All als veritabler Medien-Profi gezeigt hatte, stehen solch dramatische Aspekte seines künftigen Jobs aber nicht unbedingt im Vordergrund. Lieber betont er die Kollegialität unter den Raumfahrern: „Wenn ich es hinbekomme, dass wir unser Programm durchführen und dass wir als Freunde zurückkommen, dann ist das für mich eine großartige Mission geworden.“

ISS wird 20 Jahre alt

Unter Gersts Kommando erlebt die Raumstation zudem ihren 20. „Geburtstag“: Als erstes Bauteil der Station wurde am 20. November 1998 das russische Modul „Sarja“ (Morgenröte) in den Orbit geschickt. Seither ist die Weltraum-WG auf mehr als ein Dutzend Module gewachsen, in denen bis zu sechs Raumfahrer leben und arbeiten. Derzeit halten in der Station 400 Kilometer über der Erde noch Nasa-Kommandant Drew Feustel sowie die Astronauten Ricky Arnold und Oleg Artjomow Wacht.

Ihre künftigen Kollegen wurden derweil in den letzten Tagen vor dem Start noch einmal körperlich gefordert, um sie an die bevorstehende Schwerelosigkeit zu gewöhnen: Schlafen mit hochgelegten Füßen, dazu tägliche Runden im Drehstuhl, mal aufrecht sitzend, dann wieder leicht nach vorn gebeugt bis kurz vor der Übelkeit. Zudem wurden Gerst und seine Kollegen 30 Minuten am Tag auf eine Liege geschnallt, auf der sie im steilen Winkel mit Kopf nach unten ausharren mussten. „Komme mir vor wie eine Fledermaus“, ließ der Deutsche die Welt wissen.

Wenn am Mittwoch kurz nach 13 Uhr die Sojus mit den drei ISS-Besuchern abhebt, wird das erst einmal vergessen sein. Das Gefühl beim Start beschreibt Gerst als „absolut großartig“. Doch man könne es nicht komplett genießen. „Es ist ja nicht so, dass wir in einem gemütlichen Sessel sitzen und uns fliegen lassen“, erklärte er bei einem Training im Frühjahr in Moskau. Beim Start müssten laufend Systeme überprüft werden. „Man verwendet 90 Prozent seiner geistigen Kapazitäten auf die Operationen, und die restlichen 10 gönnt man sich, um aus dem Fenster zu schauen.“

Dutzende Experimente deutscher Institute

Auch an Bord der Raumstation steht jede Menge Arbeit auf dem Programm. Allein deutsche Forschungseinrichtungen haben Dutzende Experimente angemeldet. So sollen die Raumfahrer unter anderem Hightech-Funktionskleidung für besseren Wärmeaustausch testen. Vorgänger der Spacetex-2 genannten Textilien waren bereits bei Gersts erstem Raumflug zum Einsatz gekommen, die neue Kleidung wurde aufgrund der damaligen Ergebnisse verbessert und muss nun einem neuen Test unter Weltraumbedingungen standhalten.

Spektakulär ist das Nasa-Experiment „Cold Atom Lab“, eine Art Weltraum-Kühlschrank, der die ISS zum kältesten Punkt im Universum machen soll. Auch der Roboter Cimon zählt zu den interessanten Neuerungen im All, auch wenn der künstliche Astronauten-Assistent noch über eher eingeschränkte Funktionen verfügt. Ebenfalls zur Mission gehört eine „Zeitkapsel“, die von Auszubildenden des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gefertigt wurde. Sie enthält Wünsche und Zukunftsvorstellungen von Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland, die im Vorfeld der Mission eingereicht werden konnten.

Gute Wünsche begleiten Gerst auch von prominenter Seite. Er sei ein „guter Mann“, bescheinigte ihm Sigmund Jähn, der vor 40 Jahren als erster Deutscher überhaupt ins All flog. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel meldete sich per Videopodcast bei dem künftigen ISS-Kommandanten: „Wir wünschen Ihnen und Ihren Kollegen alles erdenklich Gute beim Start und dann beim Flug im Weltall, spannende Experimente, eine gute Zeit und dann auch wieder eine gute Rückkehr zu uns auf der Erde.“

Mit Agenturmaterial.

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