Weltraum Dieser Planet ist schwärzer als die Nacht

Kein anderer Planet im Universum ist so extravagant wie WASP-104b. Er schluckt fast das gesamte Licht, mit dem ihn seine Sonne bestrahlt.
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Bis zu 99 Prozent des einfallenden Sonnenlichts schluckt der Planet WASP-104b. (Illustration:  NASA, ESA, STScI/G. Bacon)
Ungewöhnlicher Exoplanet

Bis zu 99 Prozent des einfallenden Sonnenlichts schluckt der Planet WASP-104b. (Illustration: NASA, ESA, STScI/G. Bacon)

HeidelbergSeit 2014 kennen Astronomen den Exoplaneten WASP-104b: ein Gasriese vergleichbar dem Jupiter, aber viel näher an seinem Zentralgestirn als der größte Planet unseres Sonnensystems. Nur zwei Tage benötigt WASP-104b für einen Umlauf um seine Sonne. Die große Sonnennähe sorgt für extreme Temperatur, weshalb Wissenschaftler solche Planeten auch als „heiße Jupiter“ bezeichnen.

Doch die Hitze ist nicht die einzige Besonderheit von WASP-104b. Schon bei seiner Entdeckung war Astronomen aufgefallen, dass der Planet sehr dunkel sein muss: Etwa zwei Drittel des auf ihn einfallenden Lichts werden von ihm geschluckt, so die Schätzungen damals. Tatsächlich liegt der Wert sogar noch deutlich höher, wie Teo Močnik von der Keele University und seine Kollegen in einer aktuellen Veröffentlichung beschreiben.

Nach ihren Berechnungen ist WASP-104b dunkler als Holzkohle, und er könnte sogar der dunkelste Exoplanet sein, den Astronomen jemals beobachtet haben. Er absorbiert zwischen 97 und 99 Prozent der Lichtstrahlen, die auf ihn treffen. Zum Vergleich: Unsere Erde wirft rund 40 Prozent des auf sie treffenden Sonnenlichts zurück ins All.

Neu entdeckte Planeten sind Kandidaten für Leben im All
Sieben erdähnliche Planeten entdeckt
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Astronomen haben sieben erdähnliche Planeten bei einem Roten Zwergstern in unserer kosmischen Nachbarschaft aufgespürt. Sechs dieser Exoplaneten liegen in einer Temperaturzone, in der Wasser flüssig sein kann – eine Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen.

Planetensystem Trappist-1
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Drei der Planeten könnten sogar Ozeane auf ihrer Oberfläche besitzen, sofern sie erdähnliche Atmosphären haben, schreiben die Forscher um Michaël Gillon von der Universität Liège (Lüttich) im britischen Fachblatt „Nature“. Damit gehört das Sonnensystem des Roten Zwergs namens Trappist-1 zu den aussichtsreichsten Orten für die Suche nach außerirdischem Leben. Hinweise darauf haben die Forscher aber nicht.

40 Lichtjahre entfernt
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Das Zwergsternsystem liegt knapp 40 Lichtjahre entfernt und damit nach kosmischen Maßstäben praktisch vor unserer Haustür. Trotzdem würden irdische Raumsonden für eine Reise dorthin Jahrtausende benötigen.

Umlaufbahnen der Planeten von Trappist-1
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Drei der Exoplaneten hatte dasselbe Team bereits 2016 beschrieben. Es war der erste Fund von Exoplaneten bei einem Roten Zwergstern, einem der häufigsten Sterntypen in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Weitere vier Planeten dieses Sterns haben die Forscher nun durch sorgfältige Nachbeobachtung entdeckt. Alle sieben sind ungefähr so groß wie die Erde und wahrscheinlich Gesteinsplaneten. (Foto: IoA/Amanda Smith)

Vergleich Trappist-1 mit den Gesteinsplaneten des Sonnensystems
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Der Zwergstern, den diese Planeten umkreisen, hat lediglich acht Prozent der Masse unserer Sonne. Er ist nicht einmal halb so heiß, wodurch auf seinen Planeten trotz ihrer engen Umlaufbahnen gemäßigte Temperaturen herrschen. Die inneren sechs Trabanten umrunden ihren Stern in 1,5 bis 12 Tagen, die Umlaufzeit des äußersten Planeten ließ sich noch nicht genau bestimmen. (Foto: NASA/JPL-Caltech)

Exoplanet Kepler-1647b
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Bislang haben Astronomen über 3500 Exoplaneten - also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems - registriert. Einer der interessantesten ist Kepler-1647b (als schwarzer Punkt im Zentrum des Bildes vor seinen beiden Sternen dargestellt), der bislang größte Exoplanet, der gleich zwei Sterne umkreist. Ihn entdeckten Wissenschaftler vor einiger Zeit mit Hilfe des Weltraumteleskops Kepler. Kepler-1647b hat ungefähr die Größe von Jupiter, einer seiner beiden Sterne ist etwas größer, der andere etwas kleiner als unsere Sonne.

Exoplanet Kepler-1647b (künstlerische Darstellung)
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Planeten, die ein Doppelsternsystem umkreisen, werden auch als „Tatooine“ bezeichnet, in Anlehnung an den Namen des fiktiven Heimatplaneten von Luke Skywalker aus der Star-Wars-Saga, der ebenfalls um ein Sonnenpaar kreist. Kepler-1647b ist rund 3700 Lichtjahre von der Erde entfernt. Für einen kompletten Umlauf um seine beiden Sterne benötigt er 1107 Erdentagen.

In jedem Fall reiche es damit für die Top 3 der schwärzesten Exoplaneten, so Močnik gegenüber dem Magazin New Scientist. Verursacht wird die Schwärze durch die besondere Atmosphäre des Exoplaneten. Er umkreist sein Muttergestirn in einem Abstand von nur 4,3 Millionen Kilometern – Merkur, der sonnennächste Planet unseres Sonnensystems befindet sich mehr als 20-mal so weit entfernt von der Sonne.

Die große Nähe zum Zentralgestirn sorgte dafür, dass viele gasförmige Bestandteile der Planetenhülle von WASP-104b verdampft sind und ins All geblasen wurden. Damit fehlt dem Planeten eine Wolkendecke, die Licht reflektieren könnte. Stattdessen blieben große Mengen an elementarem Natrium und Kalium in der Atmosphäre, die Lichtstrahlen praktisch vollständig absorbieren.

Wer allerdings die mehr als 400 Lichtjahre weite Reise auf sich nähme, um WASP-104b einmal aus der Nähe zu sehen, der würde eine Überraschung erleben. Die extreme Hitze des Planeten sorgt nämlich dafür, dass er bei direkter Beobachtung glühend purpur aussähe: Aufgrund der hohen Temperaturen strahlt er Licht im roten Bereich des Lichtspektrums ab.

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