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Weltraumbahnhof Wostotschny Russlands neues Tor ins All ist startklar

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Geld versickerte in dunklen Kanälen
Russlands Stolz – das Kosmodrom in Wostotschny
Weltraumbahnhof Wostotschny
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Der Stolz der russischen Ingenieure ist 52 Meter hoch: ein mobiler Versorgungsturm auf Schienen für den Abschuss der ersten Rakete von Russlands neuem Kosmodrom Wostotschny. Wie ein gewaltiger Schrank soll der Gerüstturm künftig vor Starts um die Raketen geschoben werden. Bei Temperaturen zwischen minus 50 Grad Celsius und 40 Grad plus im Osten Sibiriens könnten die Spezialisten so geschützt arbeiten.

(Foto: dpa)
Rakete Sojus-2.1a
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Die Bewährungsprobe für den neuen Weltraumbahnhof stand im April 2016 an. Präsident Wladimir Putin war selbst anwesend, als eine Rakete vom Typ Sojus-2.1a mit drei Satelliten an Bord vom neuen Kosmodrom abhob.

(Foto: dpa)
Modell des neuen Weltraumbahnhofs
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Wostotschny im Gebiet Amur – rund 8000 Kilometer östlich des Machtzentrums Moskau – wird Russlands neues Fenster zu den Sternen. Hier will die stolze Raumfahrtnation bis 2030 ihren ersten Kosmonauten zum Mond schicken, ein Flug zum Mars soll folgen. (Foto: Wikipedia/Vitaly Kuzmin/CC BY-SA 3.0)

April 2013: Präsident Putin besucht die Baustelle
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Für den Ausbau eines früheren Militärgeländes haben Tausende Arbeiter eine 700 Quadratkilometer große Schneise - eine Fläche etwa so groß wie Hamburg - in die Taiga geschlagen. Schnellstraßen, Eisenbahn und Seehäfen in der Nähe machen den Standort attraktiv. Und die russische Führung erhofft sich vom neuen Kosmodrom weitere Impulse für die Entwicklung der Region sowie neue Arbeitsplätze.

Baupfusch, Korruption und nicht gezahlte Löhne
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Ganz ungetrübt ist das Bild des Prestigeprojekts allerdings nicht. Baupfusch und Streit über nicht gezahlte Löhne haben den ursprünglich für Dezember 2015 geplanten Start verzögert. Millionen Euro versickerten, mehrere Funktionäre kamen wegen Korruptionsverdacht ins Gefängnis, Arbeiter vor Ort klagten über ausstehende Gehälter.

(Foto: dpa)
Kritik vom Präsidenten
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Die Zustände auf der Baustelle sorgten auch bei Wladimir Putin für Ärger. „So mit staatlichem Geld umzugehen, ist absolut unzulässig“, sagte der Präsident, als die Verantwortlichen vor Ort die Verschiebung des ersten Starts verkünden mussten.

(Foto: dpa)
Roskosmos-Direktor Igor Komarow
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Allen Problemen zum Trotz ist Russlands Raumfahrtelite aber vom Erfolg des Milliardenprojekts Weltraumbahnhof überzeugt. „Wostotschny ist eindeutig das beste (Kosmodrom)“, sagte Roskosmos-Direktor Komarow. In vielen Punkten setze die hochmoderne Raketenbasis weltweit Maßstäbe, sei es bei der Automatisierung oder in Technologiefragen.

(Foto: dpa)

160 Milliarden Rubel (seinerzeit immerhin gut vier Milliarden Euro) wurden seit Baubeginn 2012 allein in das Kosmodrom investiert, damit ist es das teuerste weltweit. Als „Jahrhundertbaustelle“ bezeichneten russische Medien den künftigen Weltraumhafen, obwohl er immer wieder mit anderen Großprojekten (Olympische Winterspiele in Sotschi, Fußball-WM 2018, russische Landverbindung zur Krim über die Meerenge von Kertsch) um die Gunst und das Geld aus dem Kreml kämpfen musste.

Und natürlich war der Bau nicht frei von Skandalen und Verzögerungen. Immerhin: Im Gegensatz zum Flughafen Berlin musste der Start nur um ein Jahr verschoben werden. Doch die Staatsanwaltschaft wurde gleich in 20 Fällen wegen Korruption aktiv. Es geht um die Veruntreuung von rund 70 Millionen Euro.

Wo Russlands Raumfahrtstolz verrottet
Raumfähre Buran
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Sie war die sowjetische Antwort auf die Spaceshuttles der Nasa. Doch anders als ihr US-Gegenstück kam die russische Raumfähre Buran bis auf einen einzigen Testflug nie zum Einsatz. 1993 wurde das Raumfährenprogramm offiziell eingestellt. Seither verrottet der einstige Stolz der russischen Raumfahrt in  einer riesigen Halle auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan.

(Foto: Ralph Mirebs)
Vom Himmel abgeschnitten
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Vor mehr als zwei Jahrzehnten schlossen sich die schweren Schiebetüren der Halle das letzte Mal hinter zwei der Raumfahrzeuge.

(Foto: Ralph Mirebs)
Zwei Modelle
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Bei den beiden Raumfähren handelt es sich um ein flugfähiges Modell sowie eine Attrappe für Startsimulationen.

(Foto: Ralph Mirebs)
Letzte Ruhestätte
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Der Ort, von dem aus die Raumfähren ihren Weg ins All antreten sollten, ist jetzt ihr Sarg geworden. Die Anlage gehört zu den größten Gebäuden in Baikonur. 132 Meter  lang und 62 Meter hoch. Die Tore sind 42 mal 36 Meter groß, damit die Raumfähren auf ihrem Transportträger passieren konnten.

(Foto: Ralph Mirebs)
Anlage aus Spezialstahl
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Unterstützende Strukturen der Anlage sind  aus Spezialstahl und mussten dem Druck der Stoßwelle widerstehen, falls eine der schweren Trägerraketen am nahegelegenen Startplatz explodieren sollte.

(Foto: Ralph Mirebs)
Kräne unter der Decke
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Unter der Decke bewegten sich an Querträgern Kräne mit  einer Tragkraft von 400 Tonnen.

(Foto: Ralph Mirebs)
Schlechter Zustand
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Die Jahre sind an den Raumschiffen nicht spurlos vorübergegangen, ihr aktueller Zustand ist bedauernswert. Ein Teil der Wärmeschutzplatten ist abgefallen, Kabinenfenster sind zerbrochen

(Foto: Ralph Mirebs)

Geld versickerte in dunklen Kanälen, obwohl der Bau unter strenger staatlicher Aufsicht stand. Dann klagten auch noch Bauarbeiter während einer TV-Lifesendung mit Putin, dass ihnen seit Monaten Gehälter nicht ausbezahlt worden seien. Selbst der Kremlchef räumte massive Probleme ein und beklagte „halbkriminelle Schemata“ bei der Finanzierung.

Anfang Mai ist der erste Gerichtstermin gegen einen früheren Top-Manager des staatlichen Bauherrn Dalspezstroi anberaumt. Doch wenn die Sojus-2 am Mittwoch ihre drei Satelliten erfolgreich ins All bringt, wird der Ärger in den Hintergrund rücken und Wostotschny als russische Erfolgsgeschichte gefeiert.

Fertig ist das Kosmodrom damit noch lange nicht. Noch kann der Weltraumbahnhof nur unbemannte Raketen ins All bringen. Der Ausbau für die bemannte Raumfahrt wird noch einmal mindestens genauso viel Geld kosten. Er soll Wostotschny zum Sprungbrett für die weitere Expansion im Kosmos machen.

Denn russische Weltraumprogramm ist nach wie vor ambitiös: „Vor Roskosmos stehen neue herausfordernde Aufgaben – die Eroberung von Mond und Mars“, sagte der Kosmonaut und Duma-Abgeordnete Roman Romanenko vor wenigen Tagen, am 12. April. Das Datum war kein Zufall: Auf den Tag genau 55 Jahr zuvor war mit Juri Gagarin ein Russe als erster Mensch ins All geflogen.

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