Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Weltraumreise Deutscher Alexander Gerst übernimmt Kommando auf der ISS

Zum zweiten Mal fliegt der Geophysiker zur Raumstation ISS. Drei Monate wird er die Station leiten – als erster Deutscher überhaupt.
Kommentieren
„Wenn man zum zweiten Mal in sein Raumschiff steigt, dann fühlt es sich schon ein wenig an wie zu Hause.“ Quelle: Reuters
Astronaut Alexander Gerst

„Wenn man zum zweiten Mal in sein Raumschiff steigt, dann fühlt es sich schon ein wenig an wie zu Hause.“

(Foto: Reuters)

BerlinSeit dem Wochenende ist die Raumstation ISS bereit für Astro-Alex: Mit der Rückkehr zur Erde am Sonntag haben drei andere Raumfahrer Platz gemacht für den deutschen Astronauten Alexander Gerst und seine Kollegen Serena Aunón-Chancellor (USA) und Sergej Prokopjew (Russland). Am Mittwoch starten die drei Weltraumreisenden vom legendären Startplatz Nr. 1 des Kosmodroms in Baikonur – der Startrampe, von der bereits 1961 Juri Gagarin zum ersten bemannten Raumflug der Geschichte abhob.

Für den charismatischen Gerst, der bei Twitter unter dem Namen Astro-Alex über eine Million Follower anzieht, wird die Reise zur ISS eine Rückkehr sein. 2014 verbrachte er im Rahmen der Mission „Blue Dot“ insgesamt 165 Tage an Bord der Raumstation. „Ich weiß, was auf mich wartet“, sagt der 42-jährige Geophysiker aus Baden-Württemberg. „Wenn man zum zweiten Mal in sein Raumschiff steigt, dann fühlt es sich schon ein wenig an wie zu Hause.“

Doch anders als vor vier Jahren wartet auf den deutschen Raumfahrer neben jeder Menge wissenschaftlicher Arbeit auch deutlich mehr Verantwortung auf dem Außenposten der Menschheit im All. Ab Oktober wird er für etwa drei Monate das Kommando auf der Raumstation übernehmen. Zwar haben vor Gerst schon andere Deutsche die ISS besucht, einen deutschen Kommandanten hat es auf der Station aber noch nie gegeben. Normalerweise beanspruchen die großen Raumfahrtnationen USA und Russland dieses Privileg für sich.

Als Kommandant ist Gerst für die Sicherheit der Crew an Bord verantwortlich und zugleich wichtigster Ansprechpartner sowohl für seine Kollegen auf der ISS als auch für das Kontrollzentrum am Boden. Er hilft bei der Lösung von Konflikten an Bord und entscheidet bei Notfällen, welche Rettungsmaßnahmen zu ergreifen sind – etwa, ob die Station geräumt werden muss und die Astronauten die als „Rettungsboot“ an der ISS verankerte Sojus-Kapsel aufsuchen sollen. Bei Bedarf kann er auch den Missionsabbruch und die vorzeitige Rückkehr zur Erde anordnen.

Für Gerst stehen mögliche Gefahren seines künftigen Jobs aber nicht im Vordergrund. Stattdessen verweist er gern auf die positiven Aspekte, etwa die Kollegialität unter den Raumfahrern: „Wenn ich es hinbekomme, dass wir unser Programm durchführen und dass wir als Freunde zurückkommen, dann ist das für mich eine großartige Mission geworden.“ Oder er betont aus der Position dessen, der die Erde vor der Leere des Alls gesehen hat, wie wichtig der Schutz unseres Planeten ist: „Es geht darum, dass wir lernen, wie wir unseren Planeten erhalten. Es gibt keinen Planeten B.“

Es sind geschliffene Sätze wie diese, die den 42-Jährigen zu einem Glücksgriff für die europäische Weltraumbehörde Esa machen. Schon während und nach seiner ersten Mission im All hat sich Gerst als Medienprofi erwiesen. Im Weltraum ließ Astro-Alex die Welt über Social-Media-Botschaften und Fotos teilhaben an seinem Abenteuer.

Astro-Alex fliegt ins All – die Bilder vom Start
Raketenstart zur ISS
1 von 14

Mit einem Feuerschweif hat sich Alexander Gerst vorerst von der Erde verabschiedet. Der deutsche Esa-Astronaut...

(Foto: AP)
Sojus-Rakete
2 von 14

...hob am Mittwoch an Bord einer russischen Sojus-Rakete planmäßig vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan ab.

(Foto: AP)
Die neue ISS-Crew auf dem Weg zum Startplatz
3 von 14

Mit Gerst (r.) zusammen traten die US-Ärztin Serena Aunón-Chancellor (l.) und der russische Kampfpilot Sergej Prokopjew die Reise ins All an.

(Foto: action press)
Alexander Gerst
4 von 14

Der deutsche Astronaut beim Besteigen der Sojus-Rakete.

(Foto: dpa)
Gut gelaunt vor dem Start
5 von 14

Betont entspannt gab sich Deutschlands Raumfahrer vor dem Start zur ISS.

(Foto: action press)
Abschied durch die Fensterscheibe
6 von 14

Serena Aunón-Chancellor verabschiedet sich vor der Abfahrt zur Startrampe von Familie und Freunden.

(Foto: action press)
Volle Konzentration vor dem Start
7 von 14

Konzentriert wartet Kosmonaut Sergej Prokopjew in seinem Startsessel auf den Beginn der Mission.

(Foto: action press)

Zurück auf der Erde, absolvierte er routiniert einen Marathon an Vorträgen und Auszeichnungen. Im Mai 2016 dann die Nachricht: Astro-Alex macht’s noch einmal. „Das ist eine tolle Sache für mich“, freute sich Gerst seinerzeit – und selbst die Bundeskanzlerin gratulierte.
An Bord der Raumstation wartet viel Arbeit auf Gerst und seine Kollegen. Allein deutsche Forschungseinrichtungen haben Dutzende Experimente angemeldet. So sollen die Raumfahrer unter anderem Hightech

Funktionskleidung für besseren Wärmeaustausch testen, ein System zur Erforschung von Gewittern in hohen Bereichen der Erdatmosphäre montieren und kabellose Sensoren zur Überwachung von Körperfunktionen erforschen.

Spektakulär ist das Nasa-Experiment „Cold Atom Lab“, eine Art Weltraumkühlschrank, der die ISS zum kältesten Punkt im Universum machen soll.
Zur Unterstützung der Crew wird erstmals auch ein Roboter eingesetzt. Der Astro-Assistent namens Cimon soll den Weg bereiten für künftige maschinelle Helfer im All. Die könnten eines Tages zwar viele Arbeiten von Astronauten übernehmen, aber bestimmt nicht Gersts Rolle als gut gelauntes Raumfahrt-Testimonial.

Startseite

0 Kommentare zu "Weltraumreise: Deutscher Alexander Gerst übernimmt Kommando auf der ISS"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.