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Weltraumschrott und Asteroiden Esa-Experten beraten über Bedrohung aus dem All

Weltraumschrott stellt für Objekte im All eine große Gefahr dar. Noch verheerender können Einschläge auf der Erde sein. In Darmstadt suchen Experten nach Wegen zur Gefahrenabwehr.
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Asteroid auf Kollisionskurs: In Darmstadt suchen Experten nach Möglichkeiten zur Abwehr von Gefahren aus dem All. Quelle: dpa
Bedrohung aus dem All

Asteroid auf Kollisionskurs: In Darmstadt suchen Experten nach Möglichkeiten zur Abwehr von Gefahren aus dem All.

(Foto: dpa)

BerlinWeltraumschrott oder umherfliegende Gesteinsbrocken gefährden nicht nur Satelliten im All. Im schlimmsten Fall können erdnahe Objekte auf Kollisionskurs mit der Erde geraten und das Leben auf dem Planeten bedrohen Wie man diesen Risiken am besten begegnet, diskutieren Experten auf einer Konferenz der Europäischen Weltraumorganisation Esa, die am Dienstag im Raumflugkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt beginnt.

„Die Weltraumumgebung weist zahlreiche natürliche und menschengemachte Bedrohungen auf, die ein Risiko für Leben und Eigentum darstellen und Infrastrukturen in der Umlaufbahn und auf der Erde beeinträchtigen können“, heißt es dazu bei der Esa.

Erst vor wenigen Tagen hatte Esoc-Leiter Rolf Densing angekündigt, das Programm zur Abwehr gefährlicher Objekte aus dem All ausbauen zu wollen. 200 Millionen Euro sollen dazu jährlich zusätzlich beantragt werden. Gefahren frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren sei maßgeblich, um die Risiken zu minimieren.

Esa-Mitarbeiter Rüdiger Jehn ist für die Abwehr von Gefahren aus dem All zuständig und hat die Konferenz in Darmstadt mitorganisiert. Für ihn spielt unter anderem die Überwachung von Weltraumtrümmern eine entscheidende Rolle. Das Problem müsse dringend angegangen werden, sagt er.

Wenn Weltraumschrott die Erde trifft
Raumstation Tiangong 1
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Irgendwann zwischen Karfreitag und Ostermontag dürften Teile der ausgedienten chinesischen Raumstation auf der Erde niedergehen. Experten schätzen die Gefahr eines Absturzes über bewohntem Gebiet als sehr gering ein. Allerdings hat es in der Vergangenheit bereits Fälle gegeben, in denen Weltraummüll auf der Erde Schaden anrichtete.

(Foto: dpa)
Rakete beschädigt Häuser
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Im September 2016 trafen Trümmerteile von einer Rakete Gebäude auf zwei kleinen indonesischen Inseln. Verletzt wurde dabei niemand. Die indonesische Raumfahrtbehörde ging davon aus, dass es sich um Teile des Tanks einer amerikanischen Falcon-9-Rakete handelte, die einige Wochen zuvor einen Satelliten ins All gebracht hatte.

(Foto: dpa)
Weltraummüll in der Erdumlaufbahn
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Der Vorfall unterstreicht die Gefahren, die von im All fliegenden Teilen ausgedienter Raketen und Satelliten ausgehen. Diese Computersimulation der Europäischen Weltraumorganisation ESA zeigt auffindbare Objekte in der Erdumlaufbahn. Mehrere tausend Tonnen Weltraummüll kreisen heute auf erdnahen Bahnen um unseren Planeten - und jedes Jahr kommen einige Dutzend Tonnen dazu.

(Foto: dpa)
Weltraumschrott
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Spektakuläre Trümmerteile wie dieser Tank einer amerikanischen Delta 2-Rakete, der 1987 in Texas niederging... (Foto: Nasa)

Weltraumschrott
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...oder dieses Bruchstück einer Raketenstufe, das 2001 in Saudi Arabien einschlug, verdeutlichen einen Aspekt des Problems: Pro Jahr stürzen mehrere Tonnen Weltraumschrott zur Erde zurück. Zwar verglüht das meiste davon in der Atmosphäre, besonders große Trümmerstücke können jedoch bis zur Erdoberfläche durchkommen. (Foto: Nasa)

Einschlagspuren am Hubble-Teleskop
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Doch herabfallende Trümmer sind nur eine Seite des Problems. Ungleich größer sind die Gefahren, die von Weltraumschrott für Objekte im erdnahen Orbit ausgehen. Dieses bei Reparaturarbeiten ausgetauschte Teil des Hubble-Weltraumteleskops weist zahlreiche Einschlagspuren von kleinteiligem Weltraumschrott auf. (Foto: Nasa)

Einschlagspur
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Auch die Antennenschüssel des Weltraumteleskops wurde durch Weltraumschrott in Mitleidenschaft gezogen. (Foto: Nasa)

Schon die künstlichen Himmelskörper bereiten den Experten Sorge: Da die Kosten für Satelliten günstiger werden, kreisen immer mehr dieser Objekte um die Erde. „Wir gehen davon aus, dass 1500 bis 1600 Satelliten unterwegs sind“, sagt Jehn.

In den kommenden Jahren würden weitere Objekte in eine nahe Umlaufbahn gehievt, die dann etwa in die globale Internet-Struktur eingebunden werden sollen. „Es dürfte sich um mehrere tausend Objekte handeln“, so Jehn. Mit zunehmender Dichte steige die Gefahr von Kollisionen.

Schon jetzt kreist viel Schrott aus früheren Zusammenstößen um die Erde. Die Fragmente ziehen weiter ihre Bahnen, bedrohen Wetter- oder Navigationssatelliten. Wie sich abgewrackte Satelliten wieder eingefangen lassen, ist eines der Themen der Konferenz.

Intakte Satelliten oder Sonden können Trümmerteilen nur entkommen, wenn Techniker fortlaufend den Weg der Fragmente im Blick haben. Wie dies effizient funktionieren kann, soll ebenfalls in Darmstadt besprochen werden.

Killer aus dem All

Doch der Weltraumschrott ist nur ein Aspekt der Bedrohung aus dem All. Größere Gefahr für das Leben auf der Erde geht von Meteoriten, Kometen oder Asteroiden aus. Daher diskutieren die Experten auch, wie sich bei einer sich abzeichnenden Gefahr die Flugbahn eines solchen erdnahen Objekts ablenken lässt.

Wie auch immer dies geschehen könnte – auch in diesem Bereich ist die Erfassung und Beobachtung eines solchen Objekts die Voraussetzung für die rechtzeitige Gefahrenabwehr. Auf der Konferenz soll es vor allem darum gehen, wie sich das Umfeld der Erde möglichst kostengünstig und effektiv mit neuen Teleskopen und Sensoren überwachen lasse.

Vielversprechend sei in diesem Zusammenhang etwa ein Teleskop, das in Italien gebaut wurde und in diesem Jahr getestet werden soll, erläutert Tim Flohrer, Experte für die Beobachtung und Katalogisierung von Weltraumobjekten. „Wenn alles klappt, dann würde das Europa mit den USA auf Augenhöhe bringen“, sagt Flohrer. Aktuell sei man „zu 90 Prozent“ auf Daten der US-Amerikaner angewiesen.

Im Idealfall werde sich die Beobachtung und Entdeckung von Himmelskörpern so ähnlich wie eine Wetterwarnung gestalten lassen, so der Experte. „Wir gehen davon aus, dass wir durch eine ständige und umfassende Beobachtung gefährliche Überraschungen verhindern können.“ Zumindest wenn es um Einschläge kleinerer Objekte geht.

Größeren Brocken blieben allerdings eine kaum zu bewältigende Herausforderungen für irdische Sicherheitskonzepte. Würde etwa ein Asteroid mit einem Durchmesser von mehr als zehn Kilometern auf der Erde einschlagen, wäre das womöglich das Ende der Menschheit.

Glücklicherweise sind solche „Killer“ aus dem All selten: Im Durchschnitt etwa einmal in 100 Millionen Jahren wird die Erde von solch einem Brocken heimgesucht.

  • tt
  • dpa
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