Zukunft der ISS Warum Russland die Raumstation zerlegen will

Spektakuläre Demontage im All: Russland will die eigenen Bauteile der Raumstation ISS abkoppeln und zu einer eigenen Station verbauen. Und das ist nicht der einzige Alleingang, den die Weltraummacht plant.
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Außeneinsatz an der ISS

BerlinDer Countdown läuft. Noch neun Jahre, dann soll die Internationale Raumstation ISS in ihre Einzelteile zerlegt werden. Behutsam ziehen dann Greifarme den 450-Tonnen-Koloss auseinander – eine spektakuläre Demontage in der Schwerelosigkeit, rund 400 Kilometer über der Erde.

So hat es der Beirat der Raumfahrtbehörde Roskosmos in Moskau am Mittwoch entschieden. Die russischen Teile der ISS sollen abgekoppelt und zum Bau eines eigenen Außenpostens verwendet werden. Von 2024 an will Russland seine ehrgeizigen Weltraumpläne wieder allein durchsetzen.

Alkoholverbot und ein sündhaft teures Kosmos-Klo
Internationale Raumstation (ISS)
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Was macht die Besatzung eigentlich die ganze Zeit?

Ein normaler Tag auf der ISS beginnt mit einer Morgentoilette mit feuchten Tüchern, denn eine Dusche gibt es nicht. Nach einem meist bescheidenen Frühstück widmet sich die Crew der Forschung sowie der Pflege der Bordanlagen – mit der Faustregel, dass viele Arbeiten im All doppelt so lange dauern wie auf der Erde. Je nach Tagesprogramm stehen zwei Stunden Fitness auf dem Plan, etwa das Strampeln auf Standfahrrädern, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. Freizeit gibt es kaum während der sechs Monate im All. „Jede Sekunde ist verplant, man hechelt fast dem Plan hinterher“, sagt Kosmonaut Sergej Wolkow.

Internationale Raumstation (ISS)
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Könnten die Experimente auch ohne Crew funktionieren?

Theoretisch könnten Raumfahrer durchaus Bakterienkulturen oder Materialproben kurz zur ISS bringen und nach einigen Monaten wieder abholen. Das würde den Kritikern der Station gefallen, die die ständige Anwesenheit einer mehrköpfigen Mannschaft als überflüssig und teuer monieren. Der US-amerikanische Chef des ISS-Programms, Michael Suffredini, warnt aber vor einer längeren Abwesenheit von Raumfahrern. Immer wieder seien Probleme bei den Experimenten aufgetreten, die nur von Astronauten an Bord gelöst werden könnten. Sollte die ISS tatsächlich nach 2020 verschrottet werden, wollen die Partner aber stattdessen kleinere unbemannte Labore im All betreiben.

The Soyuz TMA-09M capsule carrying the International Space Station (ISS) crew of U.S. astronaut Karen Nyberg, Russian cosmonaut Fyodor Yurchikhin and
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Wie retten sich die Raumfahrer im absoluten Notfall?

Aus einem Brand 1997 auf der mittlerweile versenkten russischen Raumstation Mir haben die ISS-Betreiber nach eigenen Angaben viel gelernt. Die Station durchziehen mittlerweile Sprinklersysteme mit Kohlenstoffdioxid und Schaum, die notfalls Flammen löschen sollen. Zudem können Schleusen zwischen den Forschungsmodulen geschlossen werden. Als „Rettungsboote“ bei einer Evakuierung fungieren die Sojus-Kapseln, die an der Station angedockt und für die reguläre Rückkehr von Raumfahrern zur Erde gedacht sind. Der Platz ist knapp bemessen: Drei Menschen passen in eine Sojus.

Thomas Reiter in der ISS
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Alkoholverbot im All: Das ist doch nur ein Mythos, oder?

Offiziell gilt auf der ISS die Null-Promille-Grenze – zum Verdruss mancher Raumfahrer. „Zwei Gläser Wein täglich, wie bei U-Boot-Matrosen, würden das Leben an Bord komfortabler machen“, sagt etwa der Kosmonaut Salischan Scharipow. Experten warnen aber: Alkohol wirke im All viel stärker, weil der Körper in der Schwerelosigkeit Substanz abbaut. „Im Kosmos muss man alle Sinne beisammen haben“, sagt der deutsche Raumfahrer Thomas Reiter (im Bild 2006 auf der ISS). Die Alkoholregelung sei aber eher Richtlinie als Verbot. „Es gibt hin und wieder Anlässe, bei denen ein kleiner Tropfen dazu gehört...“, räumt Reiter ein.

Toilette der Internationalen Raumstation ISS
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Wie funktioniert eigentlich die Toilette an Bord der ISS?

Wegen der Schwerelosigkeit müssen Raumfahrer ihre Beine an der Toilette festklemmen. Was auf der Erde mit Wasser weggespült wird, saugt Unterdruck zunächst in einen 20-Liter-Behälter. Von dort werden die Stoffe weitergepumpt in leere Wassertanks des angedockten „Progress“-Raumtransporters, der als Müllcontainer dient. Der Frachter wird später zum Absturz gebracht und verglüht in der Atmosphäre. Das rund 14 Millionen Euro teure Kosmo-Klo der ISS kann zudem Urin zu Trinkwasser aufbereiten. Dies sei aber nur für den Notfall gedacht und bei den Raumfahrern „nicht besonders beliebt“, sagt der Ex-Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin.

Das Grundgerüst der künftigen russischen Station könnten drei ISS-Module bilden, die derzeit noch im Bau sind: das Labormodul "Nauka" (Wissenschaft), das Energiemodul NEM sowie das Verbindungsmodul UM. Diese Bauteile sind so ausgelegt, dass sie auch zu einer eigenen Station umfunktioniert werden können. Sie sollen nach derzeitigem Planungsstand ab 2017 ins All gebracht werden.

Für Russlands Partner haben die neuen Pläne zugleich eine gute und eine schlechte Seite. Der Vorteil ist, dass Moskau damit von dem zunächst genannten Datum 2020 abrückt. Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin hatte diesen früheren Zeitpunkt vor einigen Wochen genannt – wohl auch als Reaktion auf westliche Sanktionen im Ukraine-Konflikt.

Der Nachteil: Das Ende der ISS wirkt von russischer Seite als endgültig beschlossen. Aus dem Beschluss wird ganz deutlich: Ein Vierteljahrhundert nach dem kontrollierten Absturz der ausgedienten Raumstation Mir in den Ozean will Moskau bei der Erforschung des Weltalls eine neue Ära einläuten – im Alleingang. Dazu passen auch die neuen russischen Mondmissionen, die jetzt verkündet wurden: Neben mehreren unbemannten Sonden will Russland bis spätestens 2030 auch einen Kosmonauten mit eigener Technik auf den Erdtrabanten bringen.

Vom Zustand her wäre die ISS noch bis 2028 betreibbar
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