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Computerspiele Gaming ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen – doch Fördermittel fehlen

Die staatliche Förderung für die Computerspiele-Branche steht auf der Kippe. Das Geschäft wächst zwar stark, aber deutsche Firmen fallen zurück.
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Auf der weltgrößten Computerspiele-Messe Gamescom in Köln stellt die Branche ihre neuesten Produkte vor. Quelle: German Select/Getty Images
Spiele-Fans unter sich

Auf der weltgrößten Computerspiele-Messe Gamescom in Köln stellt die Branche ihre neuesten Produkte vor.

(Foto: German Select/Getty Images)

Düsseldorf, Berlin Die Signale aus der Politik seien zuletzt „irritierend“ gewesen, sagt Felix Falk, Chef des Branchenverbands Game. Im Entwurf für den Haushalt 2020 fehlen die Fördermittel für Spieleentwickler. Die Nachricht hatte die Branche in den Vorbereitungen der weltweit größten Spielemesse Gamescom überrascht, die am Mittwoch in Köln eröffnet wird.

Für die Betroffenen ist klar, dass das Geld gebraucht wird. Die Branche boomt, entwickelt Technologien für die Zukunft, aber deutsche Unternehmen werden im internationalen Wettbewerb abgehängt. Doch offenbar standen die Gamer auf der Prioritätenliste des verantwortlichen Bundesverkehrsministeriums zu weit unten. Weil gespart werden soll, gehen die Gamer möglicherweise leer aus.

Die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), will sich damit genauso wenig abfinden wie die Betroffenen: „Die Branche fordert zu Recht ein, dass die Mittel für die Gamesförderung auch im Haushalt 2020 bereitgestellt werden müssen“, sagt sie dem Handelsblatt.

2019 gab es erstmals 50 Millionen Euro Unterstützung vom Bund, auf den Fördertopf hatten sich Union und SPD im Koalitionsvertrag geeinigt. „Dass die Haushaltsmittel momentan insgesamt knapper werden ist kein Grund, die Gamesförderung zu vernachlässigen“, sagt Bär. „Denn gerade für digitale Gegenwarts- und Zukunftstechnologien müssen investive Maßnahmen im Vordergrund stehen gegenüber rein konsumtiven Maßnahmen.“

Es sei deshalb „ganz klar, dass wir auch den Raum schaffen müssen, dass längerfristige Investitionen in der Games-Branche angestoßen werden“. Sie – wie auch der Bundesverkehrsminister – würde sich im weiteren parlamentarischen Haushaltsverfahren „mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Gamesförderung auch 2020 Eingang in den Haushalt findet“. Entscheiden müsse in letzter Instanz aber das Parlament.

Die Reichweite der Spieleindustrie lässt sich an jeder Bushaltestelle beobachten: 43 Prozent der Bundesbürger spielen einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom zufolge zumindest gelegentlich Computer- oder Videospiele, zu Hause mit der Konsole oder unterwegs auf dem Smartphone. Darunter sind fast so viele Frauen wie Männer.

Knapp zwei Drittel der Befragten sagen, sie hätten in den vergangenen zwölf Monaten für Spiele bezahlt. Immer mehr Geld wird für In-Game-Käufe ausgegeben, mit denen Spieler in kostenlosen Spielen weitere Funktionen erwerben können.

Die Erlöse des deutschen Gamesmarkts lagen 2018 bei 4,74 Milliarden Euro und sind damit um fünf Prozent gewachsen. Nach dem zweistelligen Wachstum vorvergangener Jahre soll es nun solide weitergehen.

Das hat PwC in einer Analyse berechnet, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt: Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft prognostiziert für die nächsten fünf Jahre ein jährliches Wachstum von 5,2 Prozent und für 2023 einen Gesamtumsatz in Höhe von 6,1 Milliarden Euro.

Importnation für Spiele

Niklas Wilke, Partner von PwC und Games-Experte, fasst zusammen: „Die Games-Branche boomt – und was hat Deutschland davon? Außer Entertainment bislang nicht viel.“ Den Haushaltsentwurf der Regierung kritisiert er scharf. „Hier wird Geld zur Absicherung von Besitzständen investiert, das geht zulasten einer jungen Generation und Industrie.“

Nach Angaben des Verbands Game sank der Anteil, den nationale Unternehmen an dem Umsatz mit Games in Deutschland im vergangenen Jahr hatten, von 5,4 auf 4,3 Prozent. Wurden 2017 noch 144 Millionen Euro mit deutschen Spieleentwicklungen erlöst, waren es 2018 nur noch 135 Millionen Euro. Anders als andere Unterhaltungsmedien lassen sich Computerspiele leicht über Grenzen hinweg vertreiben, weil sie relativ einfach in verschiedenen Sprachen produziert werden können.

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Der sinkende Marktanteil spiegelt sich auch in einer sinkenden Zahl der Beschäftigten wider. Bei Entwicklern und Spieleverlegern arbeiten derzeit 11.000 Menschen in Deutschland – typischerweise in einem Studio mit weniger als zehn Mitarbeitern.

Die etwa 600 Games-Unternehmen sind über die ganze Republik verteilt und vor allem in den Großstädten angesiedelt. „Wenn ein kleiner Entwickler nach der Uni sein erstes Spiel macht, finanziert er das mit dem eigenen Geld oder dem der Oma“, sagt Felix Falk.

Sich am Markt zu etablieren sei schwierig. „Wenn das Spiel nicht gleich ein Erfolg wird, muss er sich einen anderen Job suchen. Ein zweites kann er dann schon nicht mehr finanzieren.“

Deutsche Firmen sind klein

Es gehöre nicht zuletzt Glück dazu, eine gewisse Größe zu erreichen, sagt Jens Begemann. Sein Spielesoftwareunternehmen Wooga zählt mit über 200 Mitarbeitern neben Firmen wie Ubisoft Blue Byte, Innogames, Gameforge, Crytek und Gamigo zu den größten Entwicklern und Studios in Deutschland. Nur weil das erste Spiel Brain Buddies sich schnell verbreitet und Millionen Menschen erreicht habe, hätte Wooga schwierige Phasen überstehen können.

Auch Begemann wurmt, dass die Gamesförderung schon nach einem Jahr wieder ausbleiben könnte, obwohl sein Unternehmen nach eigenen Angaben nicht direkt von den Mitteln profitieren würde. „In anderen Ländern ist die Spieleherstellung viel wirtschaftlicher“, sagt der Gründer.

Das sehe er etwa an den Gehaltsforderungen seiner internationalen Mitarbeiter. „Wenn es eine Absichtserklärung für eine langfristige Förderung gäbe wie etwa in Kanada, könnten sich meiner Ansicht nach auch in Deutschland größere Studios ansiedeln“, sagt er. Der Standort würde gestärkt und für Talente attraktiver.

Wie schwierig der Markt auch für Unternehmen mit dreistelliger Mitarbeiterzahl ist, lässt sich an einigen Übernahmen durch internationale Konzerne ablesen. International spielten deutsche Spieleentwickler vor allem nach der Jahrtausendwende eine Rolle, als das Modell kostenloses Spiel mit kostenpflichtigen Erweiterungen aufkam.

Damals gründeten sich vor allem in Hamburg Spielefirmen, die noch heute zu den größten deutschen Entwicklern und Studios zählen.

Zumindest für ein paar Tage wird Köln nun wieder zum Epizentrum der Spieleindustrie: 70 Prozent der Aussteller kommen aus dem Ausland, Hunderttausende Gaming-Fans werden auf der Gamescom erwartet, Millionen können die Spielemesse im Netz verfolgen. Möglicherweise sind auch ein paar Parlamentarier darunter.

Mehr: Auf der Gamescom ist es immer rappelvoll. Um trotzdem die Reichweite der Messe zu steigern, setzt der Veranstalter nun aufs Streaming.

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