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Erstes Modell Handy-Display zum Ausrollen

Bereits in diesem Jahr wird es die ersten Handys mit ausrollbarem Bildschirm geben. Telecom Italia will mit seiner Mobilfunktochter Tim eine Technologie vermarkten, die von der Philips-Tochter Polymer Vision in Eindhoven entwickelt worden ist.
  • Hans Schürmann und Jan Oliver Löfken
Zusammengerollt sind die Bildschirme gerade mal einen Finger dick. Foto: Polymer Vision

Zusammengerollt sind die Bildschirme gerade mal einen Finger dick. Foto: Polymer Vision

DÜSSELDORF/HAMBURG. Das so genannte Cellular Book besitzt einen Schwarz-Weiß-Bildschirm mit einer Diagonale von fünf Zoll (rund 13 Zentimeter), den der Benutzer wie eine Kunststofffolie aus dem Gehäuse ziehen kann. Das Display bietet eine Darstellung von 16 Graustufen und einen hohen Kontrast, wodurch die Anzeige ebenso gut lesbar ist wie ein bedrucktes Blatt Papier.

Großer Vorteil des Cellular Books ist, dass es kleiner ist als ein herkömmliches Mobiltelefon, dank des ausrollbaren elektronischen Papiers einen wesentlich größeren Bildschirm bietet. Die Entwickler empfehlen das neue Mobiltelefon vor allem zum Lesen von längeren Texten wie E-Mails, Nachrichten oder E-Books, bei denen der Nutzer bislang mühsam am Bildschirm scrollen muss, um alles lesen zu können. Entsprechende Download-Angebote will der italienische Telekom-Provider anbieten.

„Noch werden die Texte zwar in Schwarz-Weiß dargestellt, wir arbeiten aber daran auch Farbdisplays und Anzeigen für bewegte Bilder anbieten zu können“, sagt Thomas van der Zijden, Marketing Manager von Polymer Vision. Bis hier erste Produkte auf den Markt kommen werden, werde etwa noch fünf Jahre dauern. Dann sollen die dünnen, flexiblen Folien die derzeit in mobilen Endgeräten verwendeten Displays ablösen.

Der Schlüssel zum flexiblen Bildschirm liegt in der rollbaren Elektronik. Statt auf Silizium greifen die Philips-Entwickler um Gerwin Gelinck zu biegsamen, halbleitenden Kunststoffen. Aufgebracht auf eine Millionstel Meter dünne Schicht aus Polyimid gelingt es ihnen, Tausende der elektronischen Schalteinheiten auf einer Trägerfläche unterzubringen. War die Lebensdauer dieser Module bisher zu klein für eine Markteinführung, haben die Techniker dieses Problem nun überwunden. Mindestens drei Jahre soll das elektronische Papier halten und mehrere zehntausend Mal seine Anzeige wechseln können.

Der interne Speicher der ersten Modelle des Mobiltelefons wird mit vier Gigabyte angegeben. Zum Datenaustausch mit dem Computer wird ein Mini-USB oder WLAN-Funknetz benutzt. Das Cellular Book unterstützt die schnellen Mobilfunkverbindungen UMTS und Edge, mit denen Musik, Hörbücher und Podcasts aus dem Internet geladen werden können. Darüber hinaus ist ein Empfang von Fernsehprogrammen über DVB-H möglich.

Bemerkenswert ist der extrem geringe Stromverbrauch im Vergleich zu starren Displays. Monitore mit Flüssigkristallen benötigen noch eine Energie schluckende Hintergrundbeleuchtung, das E-Paper-Polymer stellt dagegen den jeweils letzten Text ohne weitere Stromzufuhr dar. Erst für einen Wechsel der Anzeige müssen die Transistoren unter Spannung gesetzt werden, um die einzelnen Bildpunkte neu auszurichten. Durch die geringe Stromaufnahme des Displays soll das Cellular Book mit einer Akkuladung bis zu zehn Tage einsatzbereit sein.

Den weltweiten Vertrieb des neuen Handys übernimmt Polymer Vision selbst. Die Philips-Tochter baut zurzeit zusammen mit dem britischen Unternehmen Innos in Southampton die erste Fabrik weltweit auf, in der pro Jahr 100 000 der flexiblen Display-Module hergestellt werden sollen. Potenzielle Kunden, seien neben Mobilfunkbetreibern und Handyherstellern auch Zeitungsverleger, berichtet Polymer Vision.

Nach etwa zehn Jahren Forschung und zahlreichen Prototypen erwarten die Partner einen großen Markt für ihre zusammengerollt gerade mal einen Finger dicken Bildschirme. „Rollbare Displays sind die Zukunft für mobile Geräte“, sagt Alec Reader von Innos. Die ersten Module, die ab der zweiten Jahreshälfte produziert werden sollen, werden Texte und Bilder in 16 Graustufen darstellen können. Die Auflösung erreicht dabei 320 auf 240 Bildpunkte.

Ob ein Graustufen-Display ohne Videotauglichkeit die Kunden überzeugen wird, bleibt abzuwarten. „Zu Beginn wird der Preis des E-Papers über dem eines LCD-Displays liegen“, sagt van der Zijden. Doch mit einer Massenproduktion von einer Millionen werde der Preis in der gleichen Größenordnung der etablierten Flachbildschirme liegen. Sollte die Nachfrage über 100 000 Module pro Jahr steigen, sind Innos und Polymer Vision vorbereitet. „Die Fabrik in Southampton lässt sich ausbauen“, so van der Zijden.

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