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Fotografie Nikon fordert mit seiner spiegellosen Kamera Fotogiganten Sony heraus

Hochwertige Digitalkameras werden bislang mit Spiegel gebaut. Neue Systemkameras sollen das ändern. Nikon und Sony liefern sich einen Wettstreit.
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Der Blick ins Innere der neuen spiegellosen Nikon Z7.
Nikon ohne Spiegel

Der Blick ins Innere der neuen spiegellosen Nikon Z7.

Tokio Seit Wochen schürt der Kamerahersteller Nikon die Erwartungshaltung seiner internationalen Kundschaft. Im Netz lancierte das japanische Unternehmen immer neue Schattenrisse einer Kamera, die den technologischen Umbruch einleiten will – die Welt der Fotografie steht demnach vor einer Zeitenwende. Auf einer Homepage zählte das Traditionsunternehmen die Tage, Stunden und Minuten zum Produktstart herunter. Am Donnerstag um 13 Uhr, natürlich japanischer Zeit, war es so weit.

In Tokio stellten die Japaner ihre ersten zwei digitalen Vollformatkameras vor, die keine Spiegelreflexkameras sind. Weltweit wurde die Präsentation im Netz übertragen. Das Modell Z7 wird Bilder mit 45,7 Millionen Pixeln schießen und gehört damit zu den Kameras mit der höchsten Auflösung. Die billigere Z6 ordnet sich 24,5 Millionen Pixeln in der Einsteigerklasse ein.

Für Nikon-Chef Kazuo Ushida sind die neuen Kameras nicht weniger als eine „Brücke in die Zukunft“. Denn bisher baute die Traditionsmarke nicht auf die neue Technologie. Die Fachwelt rechnet mit massiven Auswirkungen auf die gesamte Fotobranche, die wegen des Smartphonebooms gegen den Niedergang kämpft. Kevin Raber, Chef der renommierten Foto-Seite Luminous-landscape.com, sieht mit Nikons Neuling sogar einen „Krieg der Spiegellosen“ heraufziehen, den einige Kamerahersteller nicht überleben könnten.

Bisher wird der Kameramarkt – mit Ausnahme von Leica – von japanischen Herstellern dominiert. Der Wettbewerb ist hart. Denn der Digitalkameramarkt ist von 2010 bis 2017 von 125 Millionen auf 25 Millionen Kameras zusammengeschrumpft, weil Smartphones die Kompaktkamera größtenteils ersetzt haben. Auch der Riesenkonzern Samsung beendete nach wenigen Jahren einen kostspieligen Versuch, Kamerahersteller zu werden. Denn das Management sah weder Aussicht auf Gewinn noch auf einen Wachstumsmarkt.

Für Nikon sind die neuen Kameras auch eine Kampfansage an die Herausforderer Sony, Fujifilm, Panasonic und Olympus. Auch Canon will zur Kölner Photokina im September eigene Spiegellose ankündigen, heißt es in der Branche.

Jahrelang sahen die klassischen Hersteller zu, wie neue Marken ihnen mit einem neuen Kameratyp, den spiegellosen Systemkameras („Mirrorless“), im einstigen Spiegelreflexparadies Marktanteile raubten. Bei diesen Kameras wird das analoge Spiegelsystem mitsamt dem schweren Glasprisma, die das Licht in den optischen Sucher umlenken, weggelassen. Die Rolle übernimmt in der Regel ein elektronischer Sucher, der direkt vom Bildsensor mit Daten versorgt wird. Durch diesen Trick lassen sich kleinere Kameras und Objektive bauen.

Das kam gut an. Der Absatz von digitalen Spiegelreflexkameras hat sich seit dem Absatzrekord im Jahr 2012 bis 2017 auf 7,6 Millionen Stück mehr als halbiert, zeigt die Statistik der japanischen Vereinigung der Kamerahersteller Cipa. Die Spiegellosen verloren dagegen kaum. Im Jahr 2017 sprang der Absatz sogar um fast ein Viertel auf 4,1 Millionen Kameras in die Höhe.

Doch Nikon und Canon bearbeiteten dieses Feld bislang nur halbherzig. Nikon führte zwar schon 2011 ein spiegelloses System ein, die Nikon 1. Aber der Sensor war so klein, dass die Bildqualität nicht mit den Produkten der Rivalen mithalten konnte. Dieses Jahr wurde das System offiziell beerdigt.

Canon wagte sich schon etwas mutiger mit der in Japan durchaus populären M-Serie in das Feld der Kameras mit sogenannten Crop-Sensoren vor. Doch in der Premiumklasse der Vollformatkameras setzte das ehemalige Duopol weiterhin auf digitale Spiegelreflexkameras.

Fotograf und Kommentator Raber kann nachvollziehen, dass die Kamerariesen zunächst zögerten: „Sie wollten die Verkäufe ihrer Kameras und Objektive nicht gefährden.“ Außerdem war die Lage komfortabel. Sie dominierten den Spiegelreflexmarkt nach Belieben. Doch seit der Markt schrumpft, müssen sich die Marktführer bewegen.

Nikons Kamerasparte, die mit knapp unter drei Milliarden Euro fast die Hälfte des Konzernumsatzes ausmacht, konnte im vergangenen Quartal zwar die Gewinnspanne auf 16 Prozent erhöhen. Aber der Umsatz fiel im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf 79,1 Milliarden Yen.

Bei Marktführer Canon sank der Umsatz der Bildsparte in jenem Quartal um 7,8 Prozent auf 260,5 Milliarden Yen. Dies entsprach gut einem Viertel des Konzernumsatzes. Der Gewinn sackte sogar um 28 Prozent auf 34,8 Milliarden Yen ab.

Sony mischt den Kameramarkt auf

Der Hauptgrund für den kontinuierlichen Schwund – und wahrscheinlich der Auslöser für den Kurswechsel – war der Unterhaltungs- und Elektronikkonzern Sony. Sony ist zwar ebenfalls kein Neuling in der Digitalfotografie. Immerhin hatte das Unternehmen schon lange Kompaktkameras im Programm und ist Weltmarktführer bei Bildsensoren. Aber in den Bereich der Systemkameras mit Wechselobjektiven stieß Sony erst durch den Kauf des Kameraherstellers Konica-Minolta ernsthaft vor.

Sonys ehemaliger Chef Kazuo Hirai machte es nach seinem Amtsantritt im Jahr 2012 sogar zu einer seiner Hauptaufgaben, Sony mit aggressiver Innovations- und Preisstrategie zum größten Kamerahersteller zu machen. Im Mai hat sein Nachfolger Kenichiro Yoshida angekündigt, Canon und Nikon bis 2021 abhängen zu wollen.

Bisher liegt Sony im Plan. 2017 griff Sony mit der hochauflösenden A7RIII und der auf Sportfotografen ausgelegten A9, die 20 Bilder pro Sekunde schießen kann, endgültig den Markt für Berufsfotografen an. Mit Erfolg: Im laufenden Jahr ist Sony in den USA Marktführer im Vollformat. Dabei sind die Hürden für einen Systemwechsel hoch, da viele Fotografen neben einer Kamera für mehrere Tausend Euro in der Regel auch neue Objektive kaufen, um die vollen Funktionen zu nutzen.

Dieses Jahr folgte die A7III, die im Markt als der große Coup angesehen wurde. Sony nannte sie „Einstiegsmodell“, spendierte der Kamera allerdings Spitzentechnik der teureren Geschwister und warf sie für unter 2000 Dollar auf den Markt. Sie kostet damit weniger als spiegellose Spitzenkameras der Rivalen Panasonic, Olympus oder Fujifilm, die kleinere und preiswertere Sensoren haben.

Die Absicht ist klar: Sony wollte den Rivalen den Einstieg in sein Jagdrevier schwermachen. Mit Erfolg, meint der Kamera-Bewerter Tony Northrup, dessen Youtube-Kanal eine Million Abonnenten hat. Nikon und Canon müssten mit ihren neuen Modellen Sony wenigstens nahekommen, noch besser schlagen, um nicht zu enttäuschen.

Wenigstens preislich nimmt Nikon Sonys Herausforderung an. Die Z6 wird ebenfalls für 1998 Dollar angeboten. Doch ein Erfolgsgarant ist dies nicht. Denn Sony wird es Canon und Nikon auch in Zukunft schwermachen. Die Experten gehen davon aus, dass Sony die Rivalen mit neuen Kameras und Sensoren technisch übertrumpfen und preislich unterbieten wird.

Zweitens hat Sony mehrere Jahre Vorsprung bei der Entwicklung von Objektiven, die für spiegellose Kameras optimiert sind. Mehr noch: Die neuen und teuren G-Master-Objektive Sonys spielen in Qualität und Preis in einer Liga mit Canons und Nikons Spitzengläsern. Und sie sind auf die Zukunft, sprich Sensoren mit der Auflösung von 100 Megapixeln ausgelegt, meint Experte Raber.

Die Auslese hat begonnen

Dennoch rechnen Analysten Canon und Nikon gute Chancen ein, im Segment der Spiegellosen zu wachsen. Denn sie haben dank ihrer langen Geschichte nicht nur starke Marken, sondern auch sehr loyale Kunden, die viel Geld in Objektive investiert haben. Diese Objektive lassen sich zwar nur mit Adaptern auf den neuen Kameras verwenden. Aber die Hersteller könnten womöglich Umstiegswillige in der eigenen Marke halten.

Ein Analyst, der aus regulatorischen Gründen nicht genannt werden darf, begrüßt daher Nikons Einstieg in das Segment der spiegellosen Systemkameras. Für dieses Jahr sagt er Nikon zwar steigende Gewinne voraus, aber für 2019 einen Gewinneinbruch von über zehn Prozent.

Er geht davon aus, dass sich Nikons Kamerasparte mit den neuen Produkten besser schlagen werde als bisher. Doch diese Fortschritte würden einen Gewinneinbruch bei Nikons wichtigem Geschäft mit Lithografieanlagen für Flachbildschirme nicht wettmachen können.

Die große Frage bleibt, wie sich der stärkere Wettbewerb auf Profitabilität und das Überleben der Kameramarken auswirken wird. Herausforderer Sony sieht sicher aus. Sony ist schon jetzt in allen Marktsegmenten aktiv: Sony adressiert nicht nur Fotoenthusiasten, sondern auch professionelle Foto- und Videografen mit spezialisierten Kameras.

Canon und Nikon stehen stärker unter Druck. Die Branche blickt gespannt auf die ersten Vergleichstests der neuen Kameras. Darüber hinaus müssen sie neue Objektive auf den Markt bringen, die beide Systeme – Spiegelreflexkameras und Spiegellose – unterstützen. „Spiegelreflexkameras werden nicht verschwinden,“ stellte Nikon-Chef Ushida klar. „Wir werden die Kunden gewissenhaft bedienen.“

Spartenanbieter unter Druck

Doch bei der Größe der Marken dürfte kein Experte auf einen Exitus von einer der drei großen Marken wetten. Interessanter sieht es bei den kleineren Anbietern aus, die eher in Nischen aktiv sind. Besonders die beiden Pioniere des neuen Kameratyps stehen unter Druck.

Vor genau zehn Jahren führten Panasonic und Olympus die ersten Spiegellosen ein. Sie teilten sich sogar das Objektivbajonett und das sogenannte MicroFourThird-Sensorformat. Doch da der Sensor der kleinste im Segment ist, kommen sie nicht an den lukrativen Profimarkt heran. Dementsprechend kritisch ist die Lage ihrer Kamerasparten.

Panasonic hat sich mit seinem Spitzenmodell GH5 zwar eine treue Anhängerschaft unter Videografen erobert. Aber wie viel Geld der Konzern mit Kameras verdient oder verliert, verschweigt er inzwischen. Olympus hofft zwar, dieses Jahr den Umsatz der Sparte bei 60 Milliarden Yen stabilisieren zu können. Aber das Unternehmen erwartet, dass die Sanierung der Sparte den Verlust auf sechs Milliarden Yen erhöhen könnte.

Am stärksten steht noch der einstige Kodak-Rivale Fujifilm unter den Nischenanbietern da. Anders als Kodak schaffte der japanische Filmhersteller den Umstieg in die Digitalfotografie. Fujifilms Umsatzrendite lag im vergangenen Quartal mit 13,7 Prozent sogar auf dem Niveau der drei Kamerariesen. Außerdem hat sich der Konzern einzigartig positioniert.

Den Massenmarkt bedient das Unternehmen mit einem Crop-Sensor. Und das Vollformatsegment hat die Führung übersprungen, um nicht direkt gegen Sony, Canon und Nikon antreten zu müssen. Stattdessen setzt der Konzern mit noch größeren Mediumformat-Sensoren auf die fotografische Oberklasse, die bisher von Firmen wie Hasselblad dominiert wird.

So spannend der Krieg für die Unternehmen ist, die Fotografen reiben sich die Hände. Sie hoffen, dass der verschärfte Wettbewerb zu mehr Innovation und niedrigeren Preisen führen wird.

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