Garmin Vivomove HR im Test Ein lieb gemeinter Murks-Hybrid

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Manöver-Kritik
Ansonsten hat sich nicht so viel getan, schließlich greift der Tracker ja auf dieselbe Plattform zu wie alle anderen Garmin-Produkte auch. Dafür wird die Uhr via Connect App auf dem Handy synchronisiert, damit User ihre Statistiken genauer analysieren können. Über die Online-Trainingsplattform, bei der man sich zunächst ein kostenloses Benutzerkonto erstellt, erhält man motivierende Tipps. Und wer will, kann seine täglichen Erfolge mit einer Community teilen. Quelle: Carina Kontio
Garmin Connect

Ansonsten hat sich nicht so viel getan, schließlich greift der Tracker ja auf dieselbe Plattform zu wie alle anderen Garmin-Produkte auch. Dafür wird die Uhr via Connect App auf dem Handy synchronisiert, damit User ihre Statistiken genauer analysieren können. Über die Online-Trainingsplattform, bei der man sich zunächst ein kostenloses Benutzerkonto erstellt, erhält man motivierende Tipps. Und wer will, kann seine täglichen Erfolge mit einer Community teilen.

(Foto: Carina Kontio)

Kommen wir zur Manöver-Kritik der Herzfrequenz-Messung. Die Sache hat einen Haken. Die Technologie der Messung am Handgelenk hat in den letzten Jahren zwar große Fortschritte erzielt, kann jedoch noch nicht den Genauigkeitsstatus der Herzfrequenzmessung über einen Brustgurt erreichen. Es gibt also immer Abweichungen, die in der Regel bei mindestens fünf Prozent liegen von der am Brustkorb gemessenen Herzfrequenz. Und das betrifft Garmin gleichermaßen wie Polar oder Suunto oder TomTom und sämtliche andere Hersteller, die auf diese Technologie setzen.

Außerdem reagiert die optische Herzfrequenzmessung sensibel auf Bewegungen der Uhr. Deshalb ist es wichtig, dass die Uhr gut am Handgelenk anliegt und etwas höher am Arm getragen wird, als eine normale Uhr (was ich immer blöd fand und irgendwie nicht richtig). Die Messwerte variieren auch aufgrund der Durchblutung der Hautoberfläche des Trägers.

Am besten ist die Herzfrequenzmessung am Handgelenk deswegen für Aktivitäten geeignet, in denen die Uhr die Herzfrequenz konstant am Arm des Trägers ablesen kann, d. h. wenn der Blutfluss konstant ist und die Uhr kontinuierlich in Hautkontakt bleibt. Dazu gehören Laufen, Radfahren und Aktivitäten des täglichen Lebens (einschließlich des Messens der Herzfrequenz im Ruhezustand).

Trotzdem trainiere ich persönlich viel lieber mit einem Brustgurt, denn als Leistungssportlerin will ich immer möglichst genaue Messwerte haben und hier kommt die optische Messung bislang einfach nicht ran.

Fazit: Ein lieb gemeinter Murks-Hybrid

Garmins Vivomove HR ist ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn Produktmanager sich bemühen, es sowohl den Minimalästheten als auch den Wearble-Nerds Recht zu machen: ein lieb gemeinter Murks-Hybrid. Am Ende bleibt das Gefühl, dass sich die Schweizer bei der Überarbeitung selbst die Daseinsberechtigung für dieses Produkt genommen haben. Ich seziere das gerne kurz.

Punkt 1: Ein Tracker im Design einer Analoguhr? Was früher vielleicht noch als Abgrenzungsmerkmal galt (Withings - heute Nokia - hatte hier mal ganz früh die Nase vorne mit der Activité), hat inzwischen jeder Wearable-Hersteller im Programm, der etwas auf sich hält, denn auch die zahlungskräftige Premium-Klientel will mit edlem Schnickschnack umgarnt sein, der auch zum Business-Outfit passt. Hier liefert Garmin also leider nur nochmal mehr vom selben.

Punkt 2: Von allem zu viel! Beim Vorgänger Vivomove war für mich entscheidend, dass das Produkt auf die nötigsten Funktionen reduziert war: Schritte, Kalorien, Schlaf. Ende. Keine Beleuchtung, kein Datum, kein Wecker oder Wetter, keine Herzfrequenzmessung, kein GPS, keine eingehenden Anrufe oder SMS, die angezeigt werden und das Gerät brummen, vibrieren und blinken lassen und auch kein gestengesteuertes High-Tech-Touch-Display.

Ich bin davon überzeugt, dass der Vivomove HR durch das Digital-Tuning an einem Teil seiner Zielgruppe vorbeirauscht. An denjenigen Kunden nämlich, die schon ein bisschen in die Jahre gekommen sind und sich schwer tun mit der Steuerung über ein 2-Euro-kleines Uhrendisplay. Auch, weil die Augen vielleicht nicht mehr so richtig wollen. Meine Mutter ist so ein Fall. Die ist jetzt 62 Jahre alt und würde dieses Gerät nicht zum Laufen bringen (umgekehrt dann also leider auch nicht), während sie sich den schlichten Vorgänger, der 30 Euro günstiger ist, noch zu Weihnachten gewünscht hat.

Nun ist also auch Garmin der Versuchung erlegen, in einen einfachen Tracker für die breite Masse so viele Funktionen rein zu stecken, dass man am Ende einen zu hohen Preis für das zahlt, was man unterm Strich eigentlich haben wollte: einen schönen und unkomplizierten Schrittzähler und Fitness-Tracker, der im Alltag ein bisschen motiviert und zu mehr Bewegung anschubst.

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1 Kommentar zu "Garmin Vivomove HR im Test: Ein lieb gemeinter Murks-Hybrid"

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  • Also ich finde den Testbericht übertrieben negativ. Ich besitze die Garmin Vivomove HR und bin sehr zufrieden. Davor hatte ich einen Garmin Fitnesstracker (Vivofit 2) und war eigentlich auch mit dieser zufrieden. Allerdings hatte mich gerade das Design gestört. So musste ich mich immer entscheiden, ziehe ich jetzt den Fitnesstracker oder eine normale Uhr zur Arbeit an. Dies hat sich mit der Vivomove HR erledigt. Sehr schöne Uhr, vor allem die Premiumversion mit Lederarmband. Wer nicht alle Funktionen nutzen möchte, soll sie halt nicht nutzen. Darum muss man die Uhr doch nicht als Murks bezeichnen.

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