Playstation 3 von Sony Nobel-Konsole fürs Lifestyle-Wohnzimmer

Seit heute ist das Objekt der Begierde auch in Europa im Handel: Die Playstation 3 von Sony. Für die einen die teuerste Spielekonsole überhaupt. Für die anderen die billigste Multimediazentrale der Neuzeit.
Die Playstation 3 wird ab dem 23. März 2007 in Europa verkauft. Foto: dpa Quelle: dpa

Die Playstation 3 wird ab dem 23. März 2007 in Europa verkauft. Foto: dpa

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Eigentlich weiß niemand, so recht, wo die von ihren Fans liebevoll "PS3" genannte und 600 Euro teure Maschine hingehört. Ein Problem, das selbst Sony-Chef Howard Stringer mittlerweile einräumt. "Wenn wir mit der PS3 scheitern sollten, dann weil wir sie wohlüberlegt als ?Mercedes der Spielekonsolen? positioniert haben", erklärte er jüngst laut Branchenmagazin Gamesdaily.biz in einem TV-Interview. Eine problematische Positionierung für den Nachfolger eines Massenprodukts, das weltweit in zehn Jahren mehr als 100 Mill. Mal verkauft wurde.

Da ist dann auch der Name "Playstation" wohl eher eine Last als ein Pluspunkt. Playstation steht heute als Synonym für Videospielen wie "Tempo" für Taschentücher, riecht aber auch fatal nach Kinderzimmer und Spielzeugladen. Dabei hat es die PS3, die mit ihrer bauchigen Form eher wie ein avantgardistischer Brotkasten für die Designerküche aussieht, faustdick unter der schwarzen Hochglanzhaube.

Was kann also das Super-Spielzeug? Mit über 200 Milliarden Rechenschritten pro Sekunde erreicht ihr Cell-Prozessor die Leistungsklasse modernster Intel - oder AMD-PC-Boliden unter dem Büroschreibtisch. Die Grafik-Engine ist vom PC-Spezialisten Nvidia und ermöglicht fotorealistische Darstellung der Spielszenen - vorausgesetzt, die Hersteller treiben einen entsprechenden Aufwand bei der Programmierung.

Und hier liegt das Problem für die PS3 und Xbox360, den Mitbewerber von Microsoft. Analysten der Gartner-Gruppe etwa schätzen die Entwicklungskosten für ein typisches "Triple-A"-Game (also für die Top-Klasse) auf 15 bis 20 Mill. Dollar - das ist glatt das Doppelte gegenüber der alten Generation. Für den Konsumenten heißt das, er muss mit höheren Software-Preisen rechnen. Und im schlimmsten Fall mit weniger Angebot, weil es sich nur wenige Firmen noch leisten können, für die neue PS-Klasse zu produzieren.

Sony setzt bei der Playstation 3 auf eine edle Optik.

Sony setzt bei der Playstation 3 auf eine edle Optik.

Edles Äußeres

Zurück zur Hardware: Das edle Äußere zielt klar auf Wohn- statt Kinderzimmer und dieser Trend setzt sich fort in den Heimkino- und Internetfähigkeiten. Die PS3 ist ein echtes Konvergenzprodukt des digitalen Internetzeitalters.

Sie verfügt über einen digitalen Audioausgang für 5.1-Dolby-Kinoton und einen Blu-Ray-Disk-Player. Der bringt über den digitalen HDMI-Ausgang hochauflösende Filme in maximaler Auflösung von 1 080 Horizontallinien im Vollbildmodus auf den Flachbild-Fernseher. Fast wie ein Treppenwitz mutet es da an, dass das dafür benötigte HDMI-Anschlusskabel nicht im Lieferumfang enthalten ist. Das Standardkabel liefert nur Pal-Auflösung wie die alte PS2. Da fragt man sich, warum (für eine begrenzte Zeit) den Käufern eine kostenlose Blu-Ray-Kopie des James-Bond-Thrillers "Casino Royale" mitgegeben wird. Um den Kabelverkauf anzuheizen?

Bleibt der Anschluss über den Multi-AV-Ausgang, mit dem sich "normale" Analog-Geräte und einfache Flachfernseher ansteuern lassen. Nur gibt es dann keine kopiergeschützten Kinofilme in Top-Qualität.

Beim Import von Fremddateien ist die PS3 (in ihrer teuersten Version mit 60 Gigabyte-Festplatte) ein Multitalent. Auf der Frontseite sind vier USB-Stecker platziert, um Spielkontroller, Kameras oder Handys anzuschließen. Unter einer Frontklappe versteckt sind Kartenleser für gängige Speicher wie SD-Card und Memory-Stick.

Außerdem gibt es WLan und Bluetooth, ein Update der Firmware auf Version 1.6 soll auch den Anschluss von Tastatur und Maus via Bluetooth ermöglichen. Dann lässt sich die PS3 vom Sofa aus als Linux-Computer betreiben. Wer es ausprobieren will, kann sich für wenig Geld die Linux-Distribution "Yellow Dog Linux 5.0" (zum Beispiel auf der CD des Playstation-Sonderheft der c?t aus dem Heise-Verlag) holen.

Von Fans wird die Playstation 3 bereits sehnsüchtig erwartet. Foto: dpa Quelle: dpa

Von Fans wird die Playstation 3 bereits sehnsüchtig erwartet. Foto: dpa

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Kein voller Speicherzugriff

Ein Nachteil: Das Linux-System darf nicht auf den schnellen Videospeicher zugreifen, sondern nur auf den "normalen" Hauptspeicher von 256 Megabyte. Das wäre schon bei Linux-PCs nicht üppig und bremst die PS3 aus. Trotzdem: Mit dieser Offenheit für andere Betriebssysteme ist die PS3 der auf den hauseigenen Online-Service "Xbox live" fixierten Microsoft-Konsole klar überlegen. Anders als bei der Xbox360 lassen sich auch Fotos auf die Festplatte kopieren. Musik saugen beide Kontrahenten problemlos von CD auf Platte.

Völlig jenseits unserer Zeit ist dagegen der Stromverbrauch der PS3 von bis zu 380 Watt und fast 200 Watt im Leerlauf. Das ist mehr als ein modernes Plasma-TV-Gerät schluckt. Die erzeugte Abwärme will beherrscht sein, was ein dauerndes dezentes Rauschen des Lüfters nach sich zieht. Das nervt im Kinobetrieb.

Damit wären wir bei der größten Herausforderung für Sony: Stromverbrauch und Kosten. Anfang März hat IBM, Mitentwickler des neuartigen Cell-Chips, verkündet, dass der Produktionsprozess der CPU im US-Werk East Fishkill von 90- auf 65-Nanometer-Technologie umgestellt wird. Das bringt eine Verringerung der Stromaufnahme und senkt laut IBM die Produktionskosten um fast ein Drittel. Die Frage, wie schnell die Massenfertigung rund läuft, kann für Sony kriegsentscheidend sein. Denn die Preise für Sonys wichtigstes Produkte müssen runter, um konkurrenzfähig zu bleiben, sagen Marktbeobachter. Goldman Sachs-Analyst Yuji Fujimori erwartet eine Preissenkung um bis zu 100 Dollar noch in diesem Jahr.

Fazit: Echte Sony-Fans werden sowieso jetzt kaufen. Da gibt es keinen Zweifel. Wer aber vor allem die Multimediafähigkeiten nutzen will, sollte warten, bis die Konsole leiser und stromsparender ist - und dann wahrscheinlich auch noch billiger.

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