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Samsung Gear VR im Test Adrenalinschübe in der Traumwelt

Mit dem Smartphone abtauchen in eine virtuelle Realität: Das verspricht die Brille Gear VR von Samsung. Die Darstellung ist beeindruckend – doch die neue Technik offenbart noch ein paar Tücken.
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Sieht so die Zukunft aus?

Düsseldorf Auf einmal finde ich mich in einer Steinzeit-Höhle wieder, an den Wänden bewegen sich Schatten im Licht des Feuers, Wandzeichnungen von Mammuts leuchten auf. Ich fliege hinaus zum Licht, in die Gegenwart, die Realität – oder das, was ich dafür halte. „The Cave“, die Höhle, hat Samsung die Simulation genannt, in der ich mich bewege. Es ist eine Reminiszenz an Platon und sein Höhlengleichnis, und die zentrale Frage, ob das, was wir wahrnehmen, wirklich die Realität ist.

Denn alles, was ich sehe, ist tatsächlich nur eine Illusion. Es ist nur ein Film, abgespielt auf einem Smartphone, vergrößert durch zwei Linsen – und trotzdem fühle ich mich, als stünde ich im Zentrum des Geschehens. Möglich wird das durch die Virtual-Reality-Brille, die ich trage: die Samsung Gear VR. Die Technologie stammt vom US-Startup Oculus VR, das 2014 für rund zwei Milliarden Dollar von Facebook gekauft wurde und selbst so eine Brille entwickelt. Die ist aber noch nicht marktreif, bislang gibt es nur eine Entwicklerversion.

Doch das Geld hat Mark Zuckerberg nicht umsonst investiert. VR steht für Virtual Reality, virtuelle Realität. Das nächste große Ding, so sieht man es jedenfalls im Silicon Valley. Bisher ist die Brille aber eher ein Spielzeug für Nerds. Mit der Power von Samsung und der entsprechenden Software im Rücken sollen nun auch breitere Käuferschichten für die virtuelle Realität begeistert werden.

Die Brille verspricht nicht weniger als einen Menschheitstraum zu erfüllen. Was, wenn wir jeden Ort der Welt einfach besuchen könnten, von jetzt auf gleich, ohne stundenlang im Flugzeug zu sitzen? Wenn wir das Kino mitnehmen könnten in die U-Bahn? Wenn wir eine eigene, virtuelle Realität schaffen könnten? Es nicht alleine die schöne neue Welt, die einen sprachlos zurücklässt, sondern vielmehr die Möglichkeiten, die in der noch jungen Technologie stecken.

So kann man beim Coldplay-Konzert direkt vor der Bühne im Konfettiregen stehen, durch das Weltall fliegen oder in der Karibik zu schnorcheln – und muss dafür nicht das eigene Sofa verlassen. Wer es ruhiger mag, kann in einem virtuellen Kinosaal Platz nehmen und sich aktuelle Blockbuster anschauen. Nur das Popcorn fehlt, aber das kann man sich dann ja in der wirklichen Realität machen.

Das Menü ist intuitiv steuerbar, Spiele und Filme lassen sich über die eigenen Blicke und ein Touchpad an der Brille auswählen. Es gibt einen eigenen Store, wie man es vom Smartphone kennt. Der ist bisher aber noch relativ leer. Auf dem Testgerät sind leider fast nur Demo-Versionen verfügbar. Die sind zwar durchweg beeindruckend, aber auch schnell entdeckt. Nach etwa zehn Stunden hat man alle Demoversionen gesehen und es kehrt ein wenig Langeweile in der virtuellen Realität ein. Damit die Brille wirklich ein Erfolg wird, müssen Anwendungen her.

Zum Start soll die soll die „Innovators Edition“ der Samsung Gear VR etwa 200 Euro kosten. Im Vergleich zu einem modernen Fernseher ist das nicht viel. Allerdings funktioniert die Brille bisher auch nur mit dem Samsung Galaxy Note 4.  Ein Smartphone, für das man ohne Vertrag nochmal etwa 770 Euro bezahlt.

Schiffskrank durch Venedig

Die Taucherbrille fürs Virtuelle
Abtauchen ins Virtuelle
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Was geht denn hier ab? Gear VR versetzt den Nutzer in eine virtuelle Realität. Die Bilder kommen vom Samsung-Smartphone Galaxy Note 4 – das Gerät wird hinter der Verblendung befestigt.

(Foto: ap)
Touchpad
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An der Seite ist ein Touchpad angebracht, mit dessen Hilfe Nutzer durch Menüs navigieren können können – ausgewählt wird mit der Blickrichtung, bestätigt mit einer Fingergeste. Darüber ist ein Zurück-Knopf.

(Foto: Christof Kerkmann / handelsblatt.com)
Schärfeeinstellung
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Gut für Brillenträger: Über ein Rädchen lässt sich die Schärfe des Bildes einstellen. Vorne ist die Plastikabdeckung...

(Foto: Christof Kerkmann / handelsblatt.com)
Linsen
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... hinter der das Galaxy Note 4 angebracht wird. Zwei Linsen vergrößern das Bild des Samsung-Smartphones.

(Foto: Christof Kerkmann / handelsblatt.com)
Galaxy Gear VR auf der Ifa
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Samsung hat das Gerät im September 2014 auf der Ifa vorgestellt, inzwischen ist eine „Innovator's Edition“ im Handel – damit handelt es sich um das erste kommerzielle VR-Produkt der aktuellen Generation. Frühere Versuche waren angesichts technischer Probleme gescheitert.

(Foto: ap)
Titans of Space
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Für Gear VR stehen bislang überwiegend Demos zur Verfügung. In „Titans of Space“ etwa lernt man das Sonnensystem auf interaktive Weise kennen.

(Foto: )
Anshar Wars
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„Anshar Wars“ ist ein Weltraum-Ballerspiel, in dem man sein Raumschiff mit Kopfbewegungen steuert.

(Foto: )

Auch wenn die „Samsung Gear VR“ durch die ruckelfreien Übergänge und die einfache Bedienbarkeit ganz neue Maßstäbe setzt, sind einige Macken nicht zu übersehen. Gerade im Winter hat man auch ganz weltliche Probleme. Kommt die Brille aus der Kälte, dann beschlägt sie. Auch bei der Auflösung gibt es noch Luft nach oben. Bei schnellen Kamerafahrten verschwimmen schon mal die Ränder. Das Raster, das die Programmierer verwendet haben, um die perfekte Illusion herzustellen, ist an vielen Stellen noch sichtbar.

Für einige Spiele sollte man auch möglichst schwindelfrei sein. Nicht umsonst wird im Oculus Store darauf hingewiesen, ob die Anwendung von den meisten Nutzern als angenehm empfunden wird. Denn bei Spielen wie „Temple Run“ mit vielen rasanten Tempowechseln kommt das Gehirn nicht mehr so leicht mit. Wenn Realität und Wahrnehmung so im Widerspruch stehen, streikt der Gleichgewichtssinn – wie an Bord eines schaukelnden Schiffes wird einem schlecht. Das Gamepad zur Gear VR ist ohnehin ziemlich teuer. 80 Euro verlangt Samsung für ein Steuergerät, das mit denen der gängigen Konsolen kaum mithalten kann.

Dass man mitten im Spiel steckt, ist aber selbst für erfahrene Spieler ein ganz neues Erlebnis. Selbst das vergleichsweise harmlose Horrorspiel „Dreadhalls“, das auf einem normalen Bildschirm wohl eher für gelangweiltes Schulterzucken sorgen würde, beschert im Test mehrere Adrenalinschübe. Wenn der Geist unverhofft aus dem Hinterhalt kommt oder ein Monster mit gewetzten Zähnen direkt auf einen zustürmt, kann man die eigene Panik nur schwer kontrollieren.

Ohnehin nimmt man die vergleichsweise schwache Grafik für das völlig neue Erlebnis gerne in Kauf. Selbst 2D-Filme wie die beigelegten Naturdokumentationen sind beeindruckend. Manchmal verliert man sich ganz in der virtuellen Welt, schaut isländischen Wildpferden beim Trab zu oder lässt sich durch die Gräben von Venedig gondeln.

Wer länger als eine Stunde in der virtuellen Realität verbringt, bekommt aber die Tücken der Technik zu spüren. Die Batterie verabschiedet sich relativ schnell. Vor allem wird das Smartphone wegen der dauerhaften Höchstleistungen relativ warm. So warm, dass bei einigen Anwendungen sogar eine Warnmeldung erscheint, man möge doch bitte kurz pausieren.

Nimmt man die Brille ab, fühlt man sich zurückgeworfen in die Realität. Die Augen fühlen sich an wie nach einem Serienmarathon, denn tatsächlich hat man ja eine Stunde aus der Nähe auf ein Smartphone gestarrt. Vor den Entwicklern liegt also noch viel Arbeit. Aber gelingt das, dürfte die virtuelle Realität tatsächlich eine kleine Revolution werden. Was würde Platon wohl dazu sagen?

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