Spionagesoftware US-Mobilfunkskandal weitet sich aus

Eine Spionagesoftware des Start-Up-Unternehmens Carrier IQ soll angeblich die Aktivitäten von Millionen Mobilfunkkunden detailliert auswerten und übermitteln. Entdeckt wurde die heimliche Datensammlung nur durch Zufall.
Update: 01.12.2011 - 06:07 Uhr 6 Kommentare
Hersteller Carrier IQ gab an, seine Software auf über 150 Millionen Geräten weltweit installiert zu haben. Quelle: dapd

Hersteller Carrier IQ gab an, seine Software auf über 150 Millionen Geräten weltweit installiert zu haben.

(Foto: dapd)

San FranciscoEin neuer Datenschutzskandal bahnt sich an, und betroffen sind Millionen von Mobilfunkkunden. Eine Spionagesoftware steht unter dem Verdacht, detailliert über alle Aktivitäten eines Telefonnutzers an Mobilfunkunternehmen und Gerätehersteller zu berichten. Ausgewertet werden demnach sämtliche Tastatureingaben, der genaue Aufenthaltsort des Nutzers und sogar die Inhalte von SMS werden übermittelt.

Der Hersteller der Software wiegelte zunächst ab, gerät aber immer mehr in die Defensive. Betroffen sein können Smartphones, Tablets oder E-Book-Reader mit Android-, Symbian (Nokia) oder Blackberry-Betriebssystem. Das Unternehmen selbst gibt an, seine Software im Auftrag von Herstellern oder Mobilfunkunternehmen auf über 150 Millionen Geräten weltweit installiert zu haben. In den USA wird die Software unter anderem vom den Marktführern AT&T und Verizon eingesetzt.

Der Internetdienst The Verge meldete Mittwochnacht kalifornischer Zeit, dass Spuren der Software nun auch auf Smartphones und Tablets von Apple entdeckt worden seien. Was genau die Software wann mache, sei allerdings noch nicht klar.

Der 25-jährige Trevor Eckhart stieß eher durch Zufall auf eine Software, die unauffällig und unsichtbar im Hintergrund seines HTC-Smartphones mit Android-Betriebssystem läuft. Bei genauerem Studium fand er zu seinem Erstaunen heraus, dass die fest in das Telefon integrierte Software seine gesamten Aktivitäten protokollierte und an seinen Mobilfunkprovider sendete. 

Er machte seine Entdeckung öffentlich und wurde prompt vom Hersteller, dem Start-Up Carrier IQ aus Mountain View, auf Unterlassung und Schadenersatz verklagt. Der Blogger sollte alle Anschuldigungen zurücknehmen und sich entschuldigen. In einem Video stellte Carrier IQ Vice-President Andrew Coward fest, dass niemals Informationen in Real-Time versendet und nur in ganz geringem Umfang gesammelt würden.

Eckhart suchte Unterstützung bei der Datenschutzorganisation Electronic Frontier Foundation, die sich schon erfolgreich mit Web-Giganten wie Facebook und Google in Sachen Datenschutz angelegt hat. Die EFF nahm sich der Sache an. Nur Tage später, am 23. November zog Carrier IQ seine Klagedrohung mit einer ausdrücklichen Entschuldigung zurück, wiederholte allerdings seine vorherigen Aussagen, dass die Software nicht dazu geeignet sei, Inhalte zu protokollieren oder Tastaturanschläge mitzulesen und aufzuzeichnen.

Die Datensammelung diene ausschließlich der Optimierung und Fehlerbeseitigung in Mobilfunknetzen und versuche herauszufinden, welche Applikationen und Dienste die Akkus der Geräte besonders stark belasteten.

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6 Kommentare zu "Spionagesoftware: US-Mobilfunkskandal weitet sich aus"

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  • Spionagesoftware für Handys: http://handy-spionage-software.com

  • ich habe das heute frueh das sofort an meinem htc ausprobiert und es stimmt die app hat auf alles relevante zugriff und sie laesst sich weder ausschalten noch loeschen. glaubt jemand das man das smartphone deswegen wieder umtauschen kann? Es wurde bereits ein paar Monate benutzt. Schade das dieses eigentlich gelungene und nuetzliche Geraet so einen Fehler hat. Damit ist es ploetzlich fuer mich uninteressant geworden es weiter zu benutzen. Hat jemand ernsthafte Vorschlaege was man zur Loesung sonst noch tun kann?

  • nimmst du ein altes nokia 3510i, damit kann man wunderbar telefonieren und der akku hält ca. 2 wochen! und es besteht keine gefahr, daß dir jemand irgendwelche apps oder software unterjubelt, die du nicht willst und nicht brauchst.

  • Wenn diese "Nummer" stimmt, sollten sich die Benutzer dieser Geräte einfach einmal über ihre innehabende Macht im klaren sein und entsprechend agieren; tretet diesen Unternehmen dann einfach mal in den " Arxxx ". Dieses kann man übrigens auch auf andere Bereiche des Lebens anwenden !

  • Wer heute glaubt, er könne sich der totalen Überwachung in unserer gläsernen Welt entziehen - der irrt.

  • Der Witz dabei: dem Belauschten wird die unerwünschte Datenübermittlung auch noch auf seinen Traffic angerechnet.

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