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Test der Apple Watch mit Watch OS 2 Jetzt tickt Apple richtig

Schick, aber wenig mehr: Die Apple Watch kam mit diversen Schwächen auf den Markt. Nun bessert der Konzern mit einem Update nach. Watch OS 2 zeigt, welches Potenzial die Uhr hat – aber auch, dass noch einiges zu tun ist.
Nur rund fünf Monate nach der Einführung der Apple Watch hat der Konzern ein größeres Update veröffentlicht. Es ist ein Eingeständnis, dass die erste Version noch einige Schwächen hatte. Quelle: Reuters
Projekt Update

Nur rund fünf Monate nach der Einführung der Apple Watch hat der Konzern ein größeres Update veröffentlicht. Es ist ein Eingeständnis, dass die erste Version noch einige Schwächen hatte.

(Foto: Reuters)

Der Spott ließ nicht lange auf sich warten. Die Apple Watch, lästerte das amerikanische Satiremagazin The Onion nach der Präsentation vor rund einem Jahr, bietet all den Komfort einer traditionellen Uhr – nur dass sie eben alle zwölf Stunden geladen werden müsse. Auch wenn die Ausdauer besser ist: Selten ist ein neues Produkt von Apple mit so viel Skepsis betrachtet worden.

Dabei geht es nicht nur um die Akkulaufzeit. Die Apps auf dem Gerät laufen langsam, und wegen der Einschränkungen für Entwickler fehlt es an überzeugenden Anwendungen jenseits von Zeitanzeige und Schrittzähler. Bislang ist die Apple Watch vornehmlich ein Außenposten des Smartphones, der eingehende Nachrichten und Anrufe vermeldet.

Apple sind diese Schwächen offenbar bewusst. Nur fünf Monate nach der Markteinführung bringt der iKonzern mit Watch OS 2 ein umfangreiches Update heraus, das einige Schwächen beheben soll (wenn auch nicht die geringe Akkulaufzeit). Der Hersteller hofft, so auch jenen Nutzern einen Kaufgrund zu bieten, die nicht ohnehin alle Produkte mit dem Apfellogo anschaffen. Was bringt das Update, das seit gut einer Woche zur Verfügung steht – vor allem für die Apps? Und liefert es neue Gründe, sich das Gerät anzuschaffen? Ein Überblick.

Ein bisschen mehr Tempo

Ein Manko der Apple Watch ist bislang die Geschwindigkeit. Die Uhrzeit ist zwar jederzeit zu sehen und auch Mitteilungen kommen ohne Verzögerung an. Doch Apps brauchen jedoch mehrere Sekunden, bis sie startbereit sind. Da hat man schneller das iPhone aus der Tasche gezogen und entsperrt. Der Konzern verspricht nun mehr Tempo: Watch OS 2 erlaubt native Apps, die also direkt auf der Uhr laufen, nicht auf dem Smartphone.

Das bringt spürbare Verbesserungen mit sich, wie einige Anwendungen zeigen, die bereits für das neue System optimiert sind. So startet der Übersetzer iTranslate so schnell, dass man nicht vor Ungeduld gleich in die Tasche greift. Die App demonstriert allerdings eine Schwäche, an der auch das Update nichts ändert: Für die Übersetzung der eingesprochenen Vokabel werden die Daten per Smartphone auf die Server der Firma übertragen – und das dauert eben doch etliche Sekunden.

Frische Funktionen für die Apple Watch
Projekt Update
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Nur rund fünf Monate nach der Einführung der Apple Watch hat der Konzern ein größeres Update veröffentlicht. Es ist ein Eingeständnis, dass die erste Version noch einige Schwächen hatte.

(Foto: Reuters)
Update erfordert Geduld
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Das Update auf Watch OS 2 erfordert Geduld – bis es installiert ist, kann bis zu einer Stunde vergehen. Die Uhr muss dabei in der Ladeschale liegen und per Bluetooth mit dem iPhone verbunden sein.

Apple Watch in der Hand
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Großen Wert legt Apple auf das Design. Die Apple Watch ist in zwei Größen verfügbar (hier die kleinere Variante mit 38 Millimeter Größe), zudem bietet der Hersteller unterschiedliche Materialien und Farben.

(Foto: Christof Kerkmann / handelsblatt.com)
Unterschiedliche Versionen und Preise
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Die Sport-Edition mit Aluminiumgehäuse kostet rund 400 Euro aufwärts, für die Variante mit Edelstahlgehäuse werden mindestens 650 Euro fällig. Wer das nötige Kleingeld hat, ein Modell mit Gold ab 11.000 Euro.

(Foto: dpa)
Ziffernblatt ändern
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In erster Linie ist die Apple Watch natürlich eine Uhr. Allerdings lassen sich die Ziffernblätter anpassen...

(Foto: Christof Kerkmann / handelsblatt.com)
Micky Maus als Ziffernblatt
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Wer mag, kann auch Micky Maus auf dem Display anzeigen. Vielleicht finden es ja die eigenen Kinder gut.

(Foto: Christof Kerkmann / handelsblatt.com)
Herzschlag-Messung
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Fitness spielt bei der Apple Watch eine große Rolle. Das Gerät misst beispielsweise die Herzfrequenz. Zudem ermahnt eine Fitness-App dazu, sich ausreichend zu bewegen und nicht permanent zu sitzen.

(Foto: Christof Kerkmann / handelsblatt.com)

Bislang sind nur einige wenige Apps auf Tempo getrimmt, in den nächsten Wochen und Monaten dürften aber viele weitere folgen: Apple hat eine loyale Entwicklergemeinde. Einige Geschwindigkeitsbegrenzungen werden allerdings weiterhin gelten: Zum einen brauchen aufwendige Programme ihre Zeit, zum anderen bremst die Datenübertragung spürbar. Die Kartenanwendung von Apple etwa, mit der man sich lotsen lassen kann, braucht lange Ladezeiten.

Zugriff haben Entwickler jetzt auch auf die Hardware. So können sie das Bedienrädchen – von Apple Krone genannt – nutzen, ebenso den Herzfrequenzsensor, das Mikrofon und das Vibrationssystem Taptic Engine. In der App des Weather Channel sieht man beispielsweise nach einer Drehbewegung, wie sich das Wetter im Laufe des Tages oder der Woche entwickeln soll.

Der Fitness-Trainer Runtastic wiederum greift auf den Herzfrequenzsensor zu und zeigt beim Laufen den Pulsschlag an. Allerdings gilt auch hier eine Einschränkung: Ohne ein Smartphone in Reichweite funktioniert die Runtastic-App nicht, anders als das Apple-eigene Fitness-Programm.

Siri nervt mit bekannten Schwächen

Die Bedienung über das kleine Display ist trotz Krone und Force Touch etwas umständlich. Abhilfe soll die digitale Assistentin Siri schaffen, die Sprachbefehle entgegennimmt. Mit dem neuen iPhone-Betriebssystem ist sie schlauer geworden. Sie versteht beispielsweise direkte Kommandos. Mit dem Satz „Starte einen Lauf“ öffnet sich beispielsweise die Trainings-App. Auch E-Mails lassen sich mit einem kurzen Diktat beantworten, wenn die vorgegebenen Antworten und Emojis nicht ausreichen.

Eine bekannte Schwäche von Siri stört allerdings sehr: Die digitale Assistentin versteht den Nutzer häufig falsch, gerade wenn es um Begriffe geht, die nicht im Wörterbuch stehen – ob Straßen oder nicht ganz alltägliche Namen. Bei der Apple Watch sind die Auswirkungen allerdings nerviger als auf dem iPhone, da sich Eingaben nicht einfach über die Tastatur korrigieren lassen. Die Spracherkennung von Google, die auf Android-Geräten oder den Apps des Internetkonzerns zum Einsatz kommt, ist deutlich präziser.

Das Update bringt auch einige Verbesserungen im Kleinen mit sich. So gibt es jetzt mehr Ziffernblätter, darunter einige hübsche Zeitraffervideos, ob von der New Yorker Skyline oder dem Pariser Eiffelturm. Wer will, kann auch ein selbst gemachtes Foto von seinen Liebsten als Hintergrund nutzen – eine Funktion, die Android-Uhren schon länger bieten. Zudem lassen sich Apps ins Ziffernblatt integrieren – in Form sogenannter Komplikationen, die die man bei klassischen Uhren von der Datumsanzeige kennt. Mit einem Klick öffnet sich etwa die Wettervorhersage oder ein Spiel, wenn die Entwickler die entsprechende Funktion nutzen.

Angesichts der begrenzten Akkulaufzeit sollte die Uhr abends an die Steckdose. Dabei lässt sie sich jetzt als Wecker nutzen: Wenn sie in der Ladeschale liegt und auf die Seite gedreht ist, wechselt sie automatisch in den Weckermodus und zeigt mit einer Berührung des Bildschirms oder der Krone Uhr- und Weckzeit an. Einige Zubehörhersteller haben bereits Ständer entwickelt, auf denen sich das Gerät über Nacht ganz dekorativ ablegen lässt.

Praktisch ist auch die Aktivierungssperre, die man schon von iPhone und iPad kennt. Diebe werden davon abgehalten, gestohlene Gerät zurückzusetzen – wenn sich das rumspricht, ist das ein tauglicher Diebstahlschutz, den klassische Uhren nicht haben.

Fazit: Eine Verbesserung, aber kein Verkaufsargument

Auch wenn noch nicht alles rund läuft: Das Update auf Watch OS 2 lohnt sich für alle, die die Apple Watch bereits haben. Die neue Software sorgt für mehr Geschwindigkeit und ermöglicht neue Funktionen, wie die Apps von Entwicklern wie Runtastic und Weather Channel zeigen. Viele neue Gründe, sich das mindestens 400 Euro teure Gerät zu kaufen, liefert es bislang aber nicht.

Ein Tag mit der Apple Watch, wie ihn der iKonzern in seinem App Store darstellt, ist jedenfalls kein besonders überzeugendes Szenario: Viele der aufgezählten Apps lassen sich zwar auf dem kleinen Bildschirm der Uhr öffnen, bequemer sind sie aber auf dem größeren Display des Smartphones – ob Nachrichten von Spiegel Online, das Quiz Trivia Crack oder die Rezepte von Kitchen Stories. Solange die Killeranwendungen fehlen, ist die Apple Watch vor allem eines: ein modisches Statement.

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