Wearable Technologies Alien-Jagd per Datenbrille

Google Glass ist nur der Anfang: Intelligente Brillen können Monteuren und Ärzten bei der Arbeit helfen und den modernen Menschen durchs Leben navigieren. Die Chancen sind enorm – doch die Technik hat noch ihre Tücken.
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Zu klobig, um sich damit auf die Straße zu trauen: Datenbrille Moverio BT 200 von Epson. Quelle: AFP

Zu klobig, um sich damit auf die Straße zu trauen: Datenbrille Moverio BT 200 von Epson.

(Foto: AFP)

Las VegasDie Invasion kommt von oben. Die Alien-Raumschiffe schweben von der Decke der Messehalle in Richtung Boden. Mit einem beherzten Klick wehrt man die Angreifer ab – mit jedem Treffer verschwindet eine der bunten Formen lautlos.

Die Raumschiffe sind zum Glück nicht echt – zu sehen sind sie nur auf dem Display einer Datenbrille. Die hat der Elektronikhersteller Epson auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Das US-Unternehmen will zeigen, was seine Technologie kann. Dabei geht es nur am Rande um Computerspiele: „Etliche große Firmen stehen Schlange, um mit uns Pilotprojekte zu machen“, sagt Eric Mizufuka, Produktmanager bei Epson. Auch andere Hersteller wollen auf der Messe mit ihren Mini-Computern Kunden gewinnen.

Schräge Gadgets aus Las Vegas
CES-Gadgets
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Mit Flugobjekten ist Parrot bekannt geworden, doch das neueste Spielzeug der Firma hebt nur kurz ab: Jumping Sumo ist ein ferngesteuerter Roboter, der auf zwei Gummirädern durch die Gegend rollt und dabei mit der integrierten Kamera filmt oder Bilder aufs Smartphone überträgt. Ein Fuß an der Unterseite katapultiert das Gefährt einen knappen Meter in die Höhe. An Fernbedienung dient das Smartphone.

CES 2014
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Als der Franzose Denis Papin vor über 300 Jahren den Schnellkochtopf erfand, hätte er sich nicht träumen lassen, dass seine Erfindung einmal durch einen kleinen Kasten gesteuert wird, durch den man zudem noch mit weit entfernten Menschen sprechen kann. Der per Smartphone oder Tablet bedienbare "Crock-Pot Smart Slow" der Firma Belkin hätte dem Tüftler Papin aber sicher gefallen.

CES-Gadgets
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Sieht aus wie eine Spielkonsole, soll aber die Arbeit erleichtern: Die US-Firma Trewgrip hat eine Tastatur entwickelt, die das Tippen auf dem Tablet-Computer oder Smartphone beschleunigen soll. Man hält das Gerät mit beiden Händen fest und tippt mit den Fingern auf der Rückseite der Tastatur.

Nach ein bisschen Übung, so das Start-up, könne man damit ähnliche schnell tippen wie auf einer herkömmlichen Tastatur. Das Gerät soll im Herbst für rund 250 Dollar auf den Markt kommen, zunächst aber nur in den USA.

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Wer seinem Kontrollzwang einen niedlichen Anstrich geben möchte, kann dies mit "Mother" tun. Die mütterliche Basisstation sammelt Daten von sogenannten "Motion Cookies", die an beliebige Gegenstände geheftet werden können, und sendet sie ans Smartphone. So warnt das System beispielsweise, wenn der Kühlschrank offen ist, die Katze das Haus verlässt oder jemand vergisst, seine Tabletten zu nehmen. Die mütterliche Rundumüberwachung soll ab Februar für 222 US-Dollar zu haben sein.

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Noch ein ungewöhnliches Kontrollinstrument: Die Kolibree-Zahnbürste dokumentiert via Smartphone die Putzgewohnheiten ihres Nutzers. Dauer und Häufigkeit des Gebrauchs werden dokumentiert, zudem kann sich der Nutzer anzeigen lassen, ob er manche Zähne bei seiner täglichen Pflege vernachlässigt.

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Echte Modellautos, aber die Spielregeln der digitalen Welt: Das Rennspiel Ankidrive verbindet beides. Die Wagen werden mit iOS-Geräten wie dem iPhone oder iPad über den Rundkurs gejagt. Sie bleiben zwar automatisch auf der Strecke, die Fahrer können aber das Steuer selbst in die Hand nehmen.

Und sie können ähnlich wie im Computerspiel den Gegner virtuell beschießen. Kassiert ein Auto zu viele Treffer, bleibt es stehen. Das Set mit Rennstrecke und zwei Autos kostet 200 Dollar, die Erweiterung mit zwei Zusatzautos 70 Dollar.

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Auch die kleinen Kampfmaschinen der Firma BeeWi lassen sich per Smartphone steuern.

Die schlauen Brillen, die Google mit seinem Modell Glass bekannt gemacht hat, sind Teil eines Trends: Technologie wird immer kleiner, billiger und leistungsfähiger. „Ich kann inzwischen genügend Rechenleistung am Körper tragen, ohne dass sie sich wie ein Rucksack anfühlt“, sagte Matthias Ziegler von der Unternehmensberatung Accenture im Gespräch mit Handelsblatt Online.

So zeigen Smartwatches eingehende Anrufe oder E-Mails an, Fitness-Tracker in der Größe eines USB-Sticks zählen Schritte und Stockwerke, Pflaster mit Sensoren überwachen Puls und Blutdruck. Es könnte ein gewaltiges Geschäft werden: Nach einer Schätzung von Accenture wächst der Markt für Wearable Technologies – so der Fachbegriff – bis 2018 auf sechs bis acht Milliarden Dollar, wobei Medizinprodukte darin nicht enthalten sind. Der Marktforscher Juniper geht sogar von einem Umsatz von 19 Milliarden Dollar aus.

So futuristisch die Daten-Brillen noch erscheinen mögen: Gerade für sie könnte es viele Einsatzgebiete geben – „nämlich immer dann, wenn man die Hände frei haben muss“, erklärt Accenture-Experte Ziegler, der ein Team leitet, das gemeinsam mit Kunden neue Technologien einführt. Das gelte für Ärzte genauso wie für Monteure.

Epson zeigt beispielsweise eine Anwendung, welche die Reparatur einer Klimaanlage erleichtert soll. Der Handwerker sieht durch die Brillengläser die Maschine, das Gerät blendet darüber Informationen ein – etwa wo er den Schraubenschlüssel ansetzen muss. Digitale Informationen ergänzen so den menschlichen Blick.

Im Hintergrund läuft Hightech: Die Kamera der Brille sucht mit einer Bilderkennung nach Orientierungspunkten wie den Ecken des Gerätes. Lagesensoren messen die Ausrichtung des Kopfes und sorgen so dafür, dass die Reparaturtipps an der richtigen Stelle zu sehen sind. Diese Software hat das deutsche Unternehmen Metaio programmiert. „Die Epson-Brille ist optimal für professionelle Anwendungen“, sagte Firmenchef Thomas Alt im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Die Skepsis der Verbraucher ist groß
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