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Industrie 4.0 – Schritt halten mit der Zukunft

Bauma 2019 Die Öko-Bagger kommen – So sehen die Baumaschinen der Zukunft aus

Die Bergbau- und Baumaschinenmesse zeigt: Am elektrischen Antrieb kommen auch die Hersteller von Baggern, Muldenkippern und Kränen nicht vorbei.
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Der Hersteller Liebherr ist mit seinen Baggern auf dem größten Stand des Messegeländes vertreten. Quelle: dpa
Baumaschinenmesse Bauma

Der Hersteller Liebherr ist mit seinen Baggern auf dem größten Stand des Messegeländes vertreten.

(Foto: dpa)

MünchenLangsam zählt der Sprecher von Zehn herunter, während die Menge auf dem Münchener Messegelände auf den gut drei Stockwerke hohen Minenbagger der Firma Liebherr blickt. „Drei, zwei, eins“, schallt es am Ende auch aus dem Publikum. Dann hebt das graue Ungetüm mit einer Leistung von gut 1.100 PS unter einem eher unauffälligen Surren seine Schaufel. Ansonsten ist es still. Denn das Monstrum mit der Modellnummer R 9200 E fährt elektrisch. Der Strom dafür kommt per Kabel aus der Steckdose.

Bagger, Betonmischer, Kräne: Auf der Bergbau- und Baumaschinenmesse Bauma in München zeigen noch bis Sonntag rund 3.700 Aussteller aus aller Welt, welche technologischen Neuerungen die Branche derzeit beschäftigen.

Längst sei das Thema E-Mobilität auch bei ihnen angekommen, erklärt Andreas Böhm, zuständiger Geschäftsführer für Finanzen beim mit Abstand größten Aussteller Liebherr: „Für uns sind drei Trends besonders wichtig: lokale Emissionsfreiheit, höhere Effizienz und mehr Sicherheit.“

Vor allem der Trend zu CO2-armen Antriebsarten lässt sich auf der Bauma bei vielen Herstellern beobachten. Neben Liebherr haben auch Unternehmen wie Bauer oder Wacker Neuson Fahrzeugmodelle mitgebracht, die nicht mehr mit Diesel, sondern Strom angetrieben werden.

Dabei haben es die Baumaschinen-Hersteller in der Regel leichter als etwa die Autoindustrie, die ihre Produkte für die E-Mobilität zum Teil erst völlig neu erfinden muss. Denn elektrische Antriebe wie beim Liebherr R 9200 E, der in der Regel nur in einem sehr eng umgrenzten Gebiet eingesetzt wird, kennt die Branche schon seit vielen Jahren.

Neu ist, dass die Geräte dank immer besserer Akkutechnik inzwischen auch ohne Kabel funktionieren – und somit erstmals auch für Baumaschinen, die häufig ihren Einsatzort wechseln müssen, interessant werden. So hat etwa der Münchener Hersteller Wacker Neuson gleich eine ganze Palette von Produkten mitgebracht, die mit einer Akkuladung einen ganzen Arbeitstag auf der Baustelle überstehen können: Handliche Verdichtungsmaschinen für den Straßenbau, die surren statt klappern. Kleinere Bagger und Radlader sollen so künftig emissions- und geräuschfrei auf Baustellen eingesetzt werden.

Dabei liege der Umsatzanteil der E-Geräte für Wacker Neuson insgesamt zwar nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich, verrät Vorstandschef Martin Lehner. „Doch das Segment wächst schneller als der Markt.“ Je nach Produktgruppe betrage der Anteil der E-Geräte bereits bis zu 30 Prozent, so der Manager.

Regulierung begünstigt den Einsatz der E-Bagger

Wie im Autogeschäft hat der vermehrte Einsatz von Elektrofahrzeugen auch bei den Baufirmen vor allem regulatorische Gründe. So gibt es in Europa immer häufiger Kommunen, die bei Ausschreibungen für Bauprojekte auch Vorgaben für den CO2-Verbrauch und die Lärm-Emissionen festlegen. Zum Beispiel in Norwegen: Hier hat die Hauptstadt Oslo vor einigen Wochen ein Projekt zum Bau einer Fußgängerzone ausgeschrieben, bei dem die verwendeten Maschinen mit emissionsfreien Antrieben ausgestattet sein müssen.

Auch Minenbetreiber, eine weitere große Kundengruppe der Bauma-Aussteller, sehen sich mit derartigen Auflagen konfrontiert. So hat Kanada schon vor einiger Zeit begonnen, den Einsatz von Dieselfahrzeugen in einzelnen Minen zu verbieten. Denn vor allem für die Minenarbeiter sind die Abgase ein großes Risiko: In geschlossenen Räumen potenziert sich deren Belastung.

„Aufgrund von nationalen Gesetzgebungen bekommen wir immer häufiger Anfragen nach emissionsarmen Fahrzeugen“, bestätigt auch Liebherr-Manager Böhm. „Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger.“ Die Baumaschinenhersteller haben keine Probleme bei der Transformation ihrer Produkte. Denn anders als viele andere Maschinenbauer, die derzeit Konjunktursorgen plagen, boomt das Geschäft mit den riesigen Baufahrzeugen. 2018 erzielte die Baumaschinenindustrie so einen Umsatz von 12,1 Milliarden Euro – ein Plus von zwölf Prozent.

Für 2019 rechnet die Branche weltweit zwar mit einer abnehmenden Dynamik, aber immer noch mit einem Umsatzplus von zehn Prozent. In Deutschland helfe vor allem die robuste Baukonjunktur, das Absatzniveau beizubehalten – das prognostiziert der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer.

Dass die Stimmung über das laufende Jahr hält, erwartet auch Felix Pakleppa, Geschäftsführer des Zentralverbandes der deutschen Bauwirtschaft. „Vor allem in den Bereichen öffentlicher Bau und Wohnungsbau gibt es derzeit viel Nachholbedarf“, sagt der Verbandschef.

Mit anderen Worten: Nicht nur der Bau, auch die Baumaschinenindustrie hat derzeit goldenen Boden.

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