Cloud-Computing Werkstück in der Wolke

Das Internet der Dinge wird „ein bedeutender Treiber für Cloud-Computing sein“, heißt es in einer aktuellen Studie. Tatsächlich birgt das Thema enormes Potenzial für europäische Firmen, trotzdem ist die Skepsis groß.
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Standortvorteil: 89 Prozent der deutschen Unternehmen bevorzugen einen deutschen Cloud-Provider für ihre Daten. Quelle: dpa
Im Rechenzentrum

Standortvorteil: 89 Prozent der deutschen Unternehmen bevorzugen einen deutschen Cloud-Provider für ihre Daten.

(Foto: dpa)

KölnDer Trend zum sogenannten digitalen Zwilling in der Produktion eröffnet IT-Dienstleistern einen Wachstumsmarkt: Wenn Industrieunternehmen eine Kopie ihrer Werkstücke virtuell ablegen und zum Abgleich mit dem real existierenden Produkt nutzen, geschieht das vornehmlich über Cloud-Lösungen. Leistungsfähige Datenbanken und Vernetzungstechnik sind nötig, wenn das Internet der Dinge Gestalt annimmt - also das Prinzip von voll vernetzten und kommunizierenden Werkstücken.

So bietet Oracle gleich eine Reihe von Plattformen und Verzeichnissen, auf denen virtuelle Modelle gestaltet und hinterlegt werden können. Auch SAP wirbt mit seinem „Asset Intelligence Network“. Dort haben Anwender Zugriff auf Dokumentationen, Handbücher, Zertifikate sowie auf Messdaten von angeschlossenen Anlagen. Und IBM hat vor zwei Monaten neue Module auf seiner Industrie-Plattform freigeschaltet, in denen Nutzer zahlreiche Datenströme zu Produkten zusammenbringen können.

Das Internet der Dinge werde „ein bedeutender Treiber für Cloud-Computing sein“, heißt es in einer von der EU-Kommission beauftragten Studie. Das Thema berge enormes Geschäftspotenzial für europäische Firmen.

Flexible Nutzung Cloud-Computing ermöglicht meist günstige Startbedingungen, weil Rechen- und Speicherkapazitäten flexibel auf- und abschaltbar sind. Zudem bildet eine verteilte Server-Landschaft die Basis, um Daten von verschiedenen Abteilungen und Unternehmen zu sammeln und zu teilen.

Zwei von drei Unternehmen tasten sich laut einer T-Systems-Umfrage mit Projekten in das Internet der Dinge vor. Häufig mangelt es aus Expertensicht aber noch an ausreichender Vernetzung. „Die aktuelle Installation reicht nicht aus für eine durchgehende Internet-der-Dinge-Funktionalität“, sagt Joachim Hackmann, Principal Consultant beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen PAC. Bedenken um die Sicherheit der Daten lassen viele Firmen weiterhin zögern.

Wo intelligente Haushaltshelfer angreifbar sind
Sprachassistenten
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Sicherheitsexperten ist es ein Dorn im Auge, dass der intelligente Lautsprecher Echo von Amazons smarter Assistentin Alexa jedes gesprochene Wort auf die Firmenserver speichert. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis Hacker das Gerät als Wanze missbrauchen?

Lichtsysteme
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Die Lampen von Philips Hue lassen sich aus der Ferne steuern. Wenn auch noch der aktuelle Zustand ausgelesen werden kann, wäre es für Einbrecher möglich, zu erkennen, ob jemand zu Hause ist.

Bluetooth-Türschlösser
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Für die beiden IT-Experten Anthony Rose und Ben Ramsey gibt es keinen Zweifel: Jeder smarte Türöffner ist knackbar. Von 16 getesteten Schlössern, das berichtet das Magazin Chip (04/2017), hatten 75 Prozent eine unsichere Bluetooth-Implementierung. So konnten die Hacker etwa im Fall von August Smartlock auf das Steuersystem zugreifen und damit sehen, wer wann die Tür öffnete.

Intelligente Steckdosen
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Eine Lücke, die Hacker manipulieren können, haben Sicherheitsexperten auch bei der smarten Steckdose Edimax SP-1101W gefunden, so Chip. Die Angreifer können sich darüber Zugriff aufs Heimnetz verschaffen und andere Netzgeräte attackieren. Auch das An- und Abschalten der Steckdosen aus der Ferne ist ohne Probleme möglich.

Heizungssteuerung
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Beim Max-Thermostat soll es im Test möglich gewesen sein, die Steuerung der Thermostate zu übernehmen und auch den eingestellten Zeitplan der Temperatureinstellungen auszulesen. Man muss wohl nicht lange analysieren, um zu wissen, wann die Bewohner zu Hause sind und wann nicht.

Smart-TVs
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Der Experte Benjamin Michéle kann die Samsung Smart-TVs aus der Ferne so manipulieren, dass Mikrofone und Webcams zu Spionen werden - mit Standleitung zum Hacker. Wenn Sie sich schützen möchten, kleben Sie Mikrofon und Kamera am besten zu.

In einer Umfrage im Auftrag des IT-Security-Software-Herstellers Bitdefender gaben 89 Prozent der hier ansässigen Firmen an, einen lokalen Cloud-Provider zu bevorzugen. Wenn es um die Cloud geht, finden deutsche Unternehmen die passende Mischung aktuell anscheinend am ehesten im Heimatland.

Dennoch: Die Skepsis bleibt hoch. Kaum eine Firma würde bedenkenlos Daten in die Wolke spielen. Das kann gerade ein Vorhaben wie die digitale Abbildung von Produkten auf lange Sicht ausbremsen. Solche Projekte setzen darauf, dass Daten aus dem gesamten Produktlebenszyklus zusammengetragen werden. Informationen aus der Forschung und Entwicklung würden 46 Prozent der befragten Firmen nie in die Cloud geben - in keiner Kategorie herrscht mehr Vorsicht.

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