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Industrie 4.0 – Schritt halten mit der Zukunft

Cloud-Kooperation Amazon beschleunigt die Produktion bei VW

Volkswagen-Chef Herbert Diess will die Effizienz in seinen Werken deutlich steigern. Dabei soll die Cloud-Kompetenz aus Seattle maßgeblich helfen.
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In den Fabriken des Konzerns gibt es noch Sparpotenzial. Quelle: Paul Langrock/Zenit/laif
Golf-Produktion bei Volkswagen

In den Fabriken des Konzerns gibt es noch Sparpotenzial.

(Foto: Paul Langrock/Zenit/laif)

Düsseldorf, FrankfurtAmazon-Gründer Jeff Bezos besitzt ein ausgeprägtes unternehmerisches Gespür und erschließt seinem Unternehmen regelmäßig neue Märkte. Gerade im Handel ist die Expertise von Bezos unbestritten. In der Automobilbranche geht schon länger die Sorge um, dass Amazon eines Tages auch in den Fahrzeughandel einsteigen könnte.

So soll Bezos im vergangenen Jahr auf der Detroit-Motorshow über den VW-Chef gesagt haben, dass er sich „im Geschäft von Herrn Diess Stück für Stück aus dem Fleisch schneiden wolle“.

Trotz dieser Gefahr lässt sich Volkswagen jetzt auf Geschäfte mit Jeff Bezos und dessen Konzern ein. Allerdings nicht im Autohandel, sondern im IT- und Cloudservice. Volkswagen und der Tech-Konzern stehen vor einer umfassenden Kooperation. Ziel ist es, gemeinsam die „Volkswagen Industrial Cloud“ aufzubauen.

Die Cloud-Kompetenz von Amazon soll dabei mithelfen, dass alle 122 rund um den Globus verteilten Werke des Autokonzerns vernetzt werden können, wie beide Unternehmen am Mittwoch mitteilten. Abläufe und Prozesse in der Fertigung ließen sich damit deutlich verbessern. Volkswagen sieht erhebliche Effizienzreserven in der Fahrzeugfertigung, bis 2025 soll die Produktivität dort um 30 Prozent gesteigert werden.

Mit dem geplanten Aufbau einer „Industrial Cloud“ schafft der VW-Konzern die Grundlage für eine durchgängige Digitalisierung der Produktion. Bisher unterscheidet sich die IT von Standort zu Standort – was für Friktionen sorgt.

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Die Bindung an Amazon ist ein zentraler Baustein für VW, die avisierte Produktivitätssteigerung zu erreichen. „Unsere Zusammenarbeit mit Amazon schafft dafür wichtige Voraussetzungen“, sagte Oliver Blume, im Konzernvorstand von VW verantwortlich für Produktion.

Kunden wie Volkswagen nutzen in einer Cloud die Infrastruktur eines spezialisierten Dienstleisters, anstatt ein eigenes Rechenzentrum aufbauen und sich um den komplexen Betrieb der IT kümmern zu müssen. Zudem ergeben sich strategische Vorteile, auch und gerade für die vernetzte Industrie.

„In der Cloud ist es einfacher möglich, neue Funktionen im laufenden Betrieb zu integrieren und somit flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren“, sagte Andreas Weiss, der beim Verband der Internetwirtschaft Eco den Bereich digitale Geschäftsmodelle leitet.

Nach Einschätzung des Analysehauses Gartner wird der Umsatz mit der Public Cloud, bei der die Daten in den Rechenzentren der Dienstleister wie Amazon liegen, in diesem Jahr um 17 Prozent auf 206 Milliarden Dollar wachsen. Die Entwicklung werde bis 2022 ähnlich dynamisch verlaufen, sind die IT-Experten überzeugt. Volkswagen lehnte eine Stellungnahme dazu ab, was der Wolfsburger Konzern künftig für die Amazon-Dienste bezahlen muss.

Zusammenarbeit ist nicht problemlos

Für Volkswagen ist die Kooperation mit Amazon die zweite große Partnerschaft in Sachen Cloudcomputing. Bereits im vergangenen Jahr hat der Autohersteller angekündigt, eine „Automotive Cloud“ auf der Grundlage von Azure aufzubauen, der Plattform von Microsoft. Ziel sei es, neue Mobilitätsdienste zu entwickeln, kündigten die Unternehmen damals an.

Mit der „Automotive Cloud“ tritt der VW-Konzern vor allem an seine autofahrenden Kunden heran. In ihr werden neue Produkte rund um das Auto angeboten, die durch die umfassende Digitalisierung der Fahrzeuge entstehen. Amazon sei die „Automotive Cloud“ am Ende nicht angeboten worden – wegen des engen Bezugs zum Handel und zu Kundendaten, hieß es bei VW.

Die Zusammenarbeit mit großen IT-Konzernen wie Microsoft und Amazon ist allerdings nicht problemlos. So vermittelt VW den Eindruck, sich stark an Microsoft und Amazon zu binden – die Rede ist von mehrjährigen strategischen Partnerschaften. Das könne zu einem Risiko werden, warnte Axel Oppermann, Gründer und Chef des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Avispador.

„Wenn sich ein Unternehmen wie Volkswagen stark an einen Cloud-Anbieter bindet, entstehen enorme Abhängigkeiten“, betonte der IT-Fachmann: „Künftig kommt ein großer Teil der Wertschöpfung aus der Cloud.“ Daher sei es ratsam, Alternativen zu haben – Experten sprechen von einer Multi-Cloud-Strategie. Im Notfall sei es möglich, zu einem anderen Unternehmen zu wechseln.

Aus VW-Kreisen verlautete dazu, dass der Konzern bei Cloud-Diensten auch mit der Deutschen Telekom kooperiere. Das Bonner Unternehmen zählt zu den Stammpartnern von VW. Das Geschäft mit Volkswagen sei kontinuierlich gestiegen, hieß es in der Branche. Die beiden Konzerne stünden vor einer Ausweitung ihrer Zusammenarbeit. Recht bald könnten entsprechende Verträge unterzeichnet werden.

VW legt seine geplante Industrial Cloud als offene Plattform an. Ziel ist es, Firmen aus der gesamten Wertschöpfungskette der Autobranche zu integrieren und ein Partnernetzwerk aufzubauen. Nach VW-Angaben geht es auch darum, 1500 Zulieferer und Partnerunternehmen in das Netzwerk aufzunehmen.

Denkbar sei auch, dass andere Autohersteller in der Cloud dazukommen. Damit werden solche Netzwerke allerdings auch anfälliger. Schon vor mehr als zehn Jahren waren gemeinsame Einkaufsplattformen von Autokonzernen wie „Covisint“ gescheitert.

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