Deutschland liegt bei Industrie 4.0 vorn Kopf-an-Kopf-Rennen um die digitale Vorherrschaft

Jede fünfte Firma hat schon erste Maßnahmen ergriffen. Als Automatisierungs-Weltmeister kennen und bauen sie die Maschinen, die in den Fabriken der Welt stehen. Die US-Konkurrenz hängt noch zurück.
Alles, was analog war, wird jetzt digital und vernetzt - und der Computer übernimmt immer häufiger die Kontrolle. Quelle: Getty Images

Alles, was analog war, wird jetzt digital und vernetzt - und der Computer übernimmt immer häufiger die Kontrolle.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDeutsche und amerikanische Firmen liefern sich seit Jahren schon ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Vorherrschaft bei der Digitalisierung der industriellen Produktion. Beide Länder nähern sich dem Thema dabei von unterschiedlichen Seiten: Deutschland als Automatisierungs-Weltmeister kennt und baut die Maschinen, die in den Fabriken der Welt stehen.

Die Amerikaner wuchten mit dem Pfund ihrer IT- und Softwarekompetenz und beweisen schon bei sozialen Netzwerken und im E-Commerce, wie gut sie mit der Analyse riesiger Datenmengen umzugehen wissen. Doch allen Unkenrufen über manche Zögerlichkeit deutscher Firmenchefs gerade in Sachen Digitalisierung zum Trotz: Derzeit haben deutsche Unternehmen in diesem Rennen (noch) die Nase vorn.

Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft BCG, die am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt wurde. Demnach haben 19 Prozent der deutschen Firmen bereits erste Maßnahmen in Richtung Digitalisierung ergriffen, die amerikanische Konkurrenz kommt auf 16 Prozent. Einen Vorsprung haben sich die Deutschen vor allem bei den Themen Werkslogistik, vorausschauender Service und vernetzte robotergestützte Produktion erarbeitet. So hat fast die Hälfte der deutschen Unternehmen inzwischen erste Konzepte entwickelt, aber nur 29 Prozent der amerikanischen.

So viel Mehrwert kann das Internet der Dinge schaffen
Die Studie
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Das Internet der Dinge, das geht aus einer aktuellen Studie des McKinsey Global Institute (MGI) mit dem Titel „The Internet of Things: Mapping the value beyond the hype“ hervor, kann einen weltweiten wirtschaftlichen Mehrwert von bis zu 11 Billionen Dollar im Jahr 2025 schaffen. Um diese gigantische Summe etwas anschaulicher zu formulieren: Das entspräche dann rund 11 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

Das Potential ist groß
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„Derzeit stehen beim Internet der Dinge noch überwiegend konsumentennahe Produkte wie Smartwatches oder selbstfahrende Autos im Vordergrund. Langfristig bieten jedoch Business-to-Business-Anwendungen wie beispielsweise in der 'Industrie 4.0' oder in der digitalisierten Logistik noch größeres Potenzial“, sagt Harald Bauer, Direktor im Frankfurter Büro der Unternehmensberatung. „Im Maschinenbau sind beispielsweise datenbasierte Geschäftsmodelle möglich, in der die Nutzung von Anlagen je nach Verfügbarkeit abgerechnet wird.“ Derzeit werde nur ein Bruchteil der Daten, die in der Produktion anfallen, überhaupt genutzt.

Fabriken
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In der Produktion hat das Internet der Dinge der Studie zufolge das größte wirtschaftliche Potenzial - die Autoren sprechen von 3,7 Billionen Dollar; vor allem durch höhere Produktivität, mehr Energieeffizienz und sicherere Arbeitsplätze.

Gerade der letzte Punkt scheint jedoch in der Gesellschaft nicht unumstritten zu sein. Der Bereich ist schließlich das Herz der deutschen Wirtschaft und daher besonders sensibel, wenn es um die Frage geht, ob die Digitalisierung nicht auch Millionen Arbeitsplätze kosten könnte. „Es kann sein, das die Hälfte aller Arbeitsplätze wegfällt“, sagte EU-Internetkommissar Günther Oettinger im Januar in einem Beitrag der FAZ. „Aber auf der anderen Seite werden genau so viele neue Stellen entstehen.“ Das gilt wohl auch für alle nachfolgenden Branchen...

Städte
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Städte mache die Vernetzung zu „Smart Cities“ - und zwar mit einem entsprechendem Mehrwert von 1,7 Billionen Dollar. Denn ein besserer öffentlicher Nahverkehr mit optimierten Fahrplänen und Verkehrsleitsystemen könnte laut der Studie unnütze Pendel- und Wartezeit einsparen. Verbesserungen der Luft- und Wasserqualität durch kontinuierliches Monitoring von Umweltdaten sind demnach ebenfalls denkbar.

Gesundheit
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Die Überwachung von Gesundheitsdaten wie Herzschlag und Blutzucker kann den Experten zufolge helfen, die Lebensqualität chronisch kranker Menschen zu verbessern und beispielsweise bei einer Verschlechterung des Zustandes frühzeitig Alarm schlagen (1,6 Billionen Dollar).

Auf der anderen Seite, so die Wirtschaftswoche in ihrem Beitrag „iPhone auf Rezept“ müssten sich Pharmabranche, Medizintechnikkonzerne und nicht zuletzt auch die Ärzte „auf die Zerstörung ihrer traditionellen Geschäftsmodelle einstellen.“ NIcht grunsätzlich jedoch nur mit negativen Folgen: So könne dieser „High-Tech-Angriff von Apple, Gopogle und Co.“ auf den Gesundheitsmarkt nämlich auch eine heilsame Nebenwirkung haben, indem er die verkrusteten und hochregulierten Strukturen der Branche sprengt. Mit denen nicht nur viele Patienten, sondern auch viele der Ärzte höchst unzufrieden seien.

Fahrzeuge und Navigation
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Durch bessere Überwachung von Verkehrsdaten, Logistikketten und dem Zustand von Verkehrsmitteln wie Autos, Zügen oder Flugzeugen könne ein wirtschaftlicher Mehrwert von 1,5 Billionen Dollar geschaffen werden.

Handel
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Automatische Kassensysteme, bessere Ladengestaltung sowie die Nutzung des Smartphones für Kundenbindungs- und Rabattaktionen sollen höhere Verkäufe und geringere Wartezeiten ermöglichen - und stehen laut McKinsey für ein Potenzial von 1,2 Billionen Dollar.

Das ergab eine Umfrage unter 315 amerikanischen und 312 deutschen Firmen ab einem Umsatz von 50 Millionen Dollar aufwärts. „Der Ehrgeiz der Ingenieure, aber auch die hohen Arbeitskosten und die Knappheit an qualifizierten Mitarbeitern geben gerade deutschen Mittelständlern einen großen Anreiz, in 4.0-Lösungen zu investieren“, sagt Markus Lorenz, Maschinenbauexperte bei BCG und einer der Autoren der Studie zur Begründung.

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