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Industrie 4.0 – Schritt halten mit der Zukunft

Fensterhersteller Drutex Guter Ausblick auf Deutschland

Der Fensterhersteller Drutex ist eines der wenigen polnischen Unternehmen, die in ihrer Branche dominieren. Deutsche Wettbewerber werfen den Polen Dumping vor, doch solche Angriffe wehrt der selbstbewusste Chef ab.
„Wir denken über Übernahmen nach, etwa einer anderen guten Marke - für einen guten Preis.“
Leszek Gierszewski, Drutex-Chef

„Wir denken über Übernahmen nach, etwa einer anderen guten Marke - für einen guten Preis.“

Berlin„Ihr seid zwei große Fußballstars. Aber wer von euch ist der Beste?“, fragt ein Junge die beiden Kicker-Ikonen Philipp Lahm und Andrea Pirlo. Und die zeigen dann gleich im Hörsaal ihre Tricks am Ball. „Große Champions haben eines gemeinsam - Fenster von Europas Marktführer Drutex“, sagt schließlich eine Stimme aus dem Off.

Der Vergleich mit den früheren Champions-League-Siegern Pirlo und Lahm gefällt Leszek Gierszewski, auch er sieht sich in Europas Königsklasse. Als eines der wenigen Unternehmen des Landes reicht die Bekanntheit des von ihm gegründeten Fensterherstellers Drutex weit über die Grenzen Polens hinaus, das Gastland auf der Hannover Messe in der vergangenen Woche war.

Dabei ist Gierszewski nur durch Zufall zum Fensterbauer geworden: In den 1980er-Jahren - den vom Kriegsrecht überschatteten, schwärzesten Zeiten der kommunistischen Volksrepublik - begann der damalige Dozent an der Militärakademie mit der Produktion von Blumentöpfen. 1985 gründete er im heimischen Slupsk bei Danzig seine Firma Drutex, die Maschendrahtzäune und Fuchskäfige produzierte. „Mein Onkel hatte eine Landmaschinen-Firma in Bytow, und es gab dort viele Maschendrahtfirmen. Aber einen noch größeren Bedarf. Und da habe ich dann auch mit angefangen, das war mit einfachen Maschinen möglich und der Absatz sicher“, erinnert sich Gierszewski heute. Aber er habe dann „auf zwei Beinen stehen wollen“ und sich ein neues Geschäftsfeld gesucht.

Vom Robo-Tentakel bis zur Mini-Kanzlerin
Eröffnung mit Amtskollegin aus Polen
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Mit dem traditionellen Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag die Hannover Messe für Besucher begonnen. Die CDU-Politikerin hatte die als weltgrößte Industrieschau geltende Messe am Vorabend zusammen mit Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo aus dem diesjährigen Partnerland offiziell eröffnet.

(Foto: dpa)
Am Siemens-Stand
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Konzernchef Joe Kaeser zeigt den beiden Regierungschefinnen einen 3D-Drucker. Die fünftägige Hannover Messe ist im 70. Jahr ihres Bestehens erneut dem Leitthema der vernetzten Industrie gewidmet

(Foto: Reuters)
Mini-Kanzlerin
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Der Siemens-Chef schenkte Merkel eine Miniaturversion der Kanzlerin aus dem 3D-Drucker. Bei der Eröffnungsfeier am Sonntag hatte die Bundeskanzlerin eindringlich für offene Märkte plädiert. Abschottung und Protektionismus führten auf Dauer immer wieder zu Verlusten, warnte sie.

(Foto: AFP)
Miniatur-Motor am Stand von Faulhaber
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Die Hannover Messe gilt als weltgrößte Leistungsschau für industrielle Neuerungen. Erwartet werden rund 200.000 Besucher und 6500 Aussteller – 60 Prozent davon aus dem Ausland.

(Foto: dpa)
Merkel und Szydlo betrachten eine Modellbahn
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Mit Blick auf Polen sagte die Kanzlerin: „Unsere beiden Länder verbindet heute ja weit mehr als nur eine gemeinsame Grenze.“ Polen hätte letztlich auch dazu beigetragen, dass die deutsche Trennung der Geschichte angehöre. „Das werden wir nicht vergessen“, erklärte sie. Die bilateralen Beziehungen seien ein Beispiel für den Offenheitsgrad der deutschen Wirtschaft.

(Foto: AFP)
Roboter-Tentakel am Stand von Festo
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Roboter sind das Trendthema der Messe. Vor allem die Industriehelfer ermöglichen, in immer neue Dimensionen vorzustoßen. Ob in der Fertigung, der Logistik oder im privaten Haushalt: die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter wird ausgefeilter.

(Foto: Reuters)
Leichtbauroboter „Bionic Cobot“
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Der Hersteller Festo präsentiert einen pneumatischen Leichtroboter, der dem menschlichen Arm nachempfunden ist und feinfühlige Bewegungen ausführt.

(Foto: dpa)

„Die Idee zur Fensterproduktion kam mir, als ich beim Bau meines eigenen Wohnhauses versucht habe, gute Fenster in Polen zu bekommen. Beim Umschauen sah ich, dass es einfacher ist, an Maschinen zu kommen, und es leicht mit ihnen ist, Fenster selbst herzustellen“, erzählt Gierszewski. Dabei sei alles sehr schnell gegangen: An einem Donnerstag im Jahr 1994 habe er die Maschinen gesehen und am folgenden Montag schon gekauft. Die ersten Fenster habe er dann in sein Haus eingebaut, „und sie halten noch immer“. Den Namen Drutex - Drut heißt auf Polnisch Draht - behielt sein Unternehmen aber auch nach der Umorientierung der Produktion.

Und obwohl Drutex seit 2003 eine Aktiengesellschaft ist, ist es ein klassisches Familienunternehmen geblieben: Gründer Leszek Gierszewski besitzt nahezu 100 Prozent der Aktien und ist Vorstandsvorsitzender, seine Frau Grazyna Gierszewska ist Aufsichtsratschefin. Tochter Karolina Dobranowska ist stellvertretende Vorstandschefin, die Neffen Bogdan und Rafan Gierszewski sind als General Director beziehungsweise Vertriebsdirektor im Unternehmen. Nur Sohn Jakub ist nicht bei Drutex.

„Entscheidungen treffen wir oftmals innerhalb weniger Minuten, wir brauchen keine stundenlangen Diskussionen. Alles basiert auf Vertrauen, da mache ich mir auch für die Zukunft keine Sorge“, umschreibt Gierszewski senior das Betriebsklima. Und was die Nachfolge des 66-Jährigen angeht? Er lacht breit: „Ich fühle mich sehr gut und denke noch nicht darüber nach. Ich werde ja 120 Jahre alt.“ Er mache sich, „ganz ehrlich“, über seine Nachfolge keine Sorgen: „Denn alle, die dafür infrage kommen, arbeiten ja schon bei mir in der Firma, meine Tochter oder Bogdan, mein Neffe hier“, zeigt er auf den 43-Jährigen, den der Senior als seine rechte Hand auf alle Reisen mitnehme, „ist seit 18 Jahren im Betrieb“. Mit ihm zusammen entwickle er die Drutex-Strategie.

Für deutsche Wettbewerber ein Ärgernis
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