Fraunhofer-Präsident Neugebauer „Maschinen dürfen nicht die Führung übernehmen“

Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer spricht im Interview über menschliche und künstliche Intelligenz sowie Roboter im Feuerwehreinsatz – und gibt den Eliten einen Rat.
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Der Fraunhofer-Präsident ist überzeugt, dass nicht alles, was die Hersteller auf der Cebit als Neuheit verkünden, wirklich neu ist. Quelle: dpa - picture-alliance
Reimund Neugebauer

Der Fraunhofer-Präsident ist überzeugt, dass nicht alles, was die Hersteller auf der Cebit als Neuheit verkünden, wirklich neu ist.

(Foto: dpa - picture-alliance)

MünchenIn seinem Büro über den Dächern Münchens hat Reimund Neugebauer eine große Weltkarte hängen. Die Erfindungen aus der Forschungseinrichtung haben sich ja auch rund um den Globus verbreitet. Das MP3-Format für digitale Sprach- und Musikaufzeichnungen ist nur ein Beispiel. Nun geht es darum, dass Deutschland auch bei Themen wie maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz ganz vorn mit dabei ist. Als Vorsitzender des Hightech-Forums berät Neugebauer in diesen Fragen die Bundesregierung.
Herr Professor Neugebauer, autonome Systeme und künstliche Intelligenz sind nicht nur bei der Cebit und der Hannover Messe das große Thema. Übernehmen jetzt die Maschinen das Kommando?
Das glaube ich nicht. Dazu wird es auch nie kommen. Sie werden unseren Wirkungsbereich erweitern. Aber dass sie einmal Strategien und Schlussfolgerungen entwickeln, glaube ich nicht.

Aber Computer können doch inzwischen sogar Poker spielen.
Das sind immer nur eingegrenzte Fähigkeiten.

Das Hightech-Forum fordert doch, dass sich die autonomen Systeme dem Menschen unterordnen müssen – und nicht umgekehrt.
Das Besondere an dem Forum ist, dass diesmal auch Vertreter der Zivilgesellschaft dabei sind, zum Beispiel von Verbraucherschutz- und Umweltverbänden. Das hat zu einer Bereicherung der Diskussion beigetragen. Denn die Akzeptanz bei den Akteuren und die Partizipation der Menschen sind ganz wichtig. Die Maschinen müssen die Möglichkeiten erweitern – aber sie dürfen nicht die Führung übernehmen.

Braucht es dafür Gesetze?
Es gibt ja schon heute Fälle, wo wir die Technik einschränken. In der Medizin muss am Ende ein Mensch entscheiden.

Kanzlerin in der Cebit-Realität
Eröffnungsfeier
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Mit dem traditionellen Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag die Technologiemesse Cebit für Besucher begonnen. Bereits am Sonntagabend hatte die Kanzlerin eindringlich appelliert, vom digitalen Wandel verunsicherte Menschen nicht zu ignorieren. Es gehe um „Millionen von Menschen, die zum Teil noch nicht wissen, was sie erwartet“, sagt sie.

Partnerland Japan
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Zu der fünftägigen Veranstaltung mit über 3000 Ausstellern aus 70 Ländern werden rund 200.000 Besucher erwartet. Aus dem diesjährigen Partnerland Japan ist Ministerpräsident Shinzo Abe dabei.

Sushi-Roboter
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Europa sei oft langsam bei der Digitalisierung, räumt Merkel ein. „28 Mitgliedstaaten müssen sich natürlich einbringen“, erklärt sie. „Aber wir spüren, dass auf der Welt das Tempo hoch ist, und mit Japan haben wir einen Freund, der sich dieses hohe Tempo zunutze macht.“ Beim Rundgang mit Abe schaut sich die Kanzlerin auch einen Sushi-Roboter an.

Künstliche Intelligenz
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Premierminister Abe (r.) betont, Japan fürchte sich nicht vor Technologien wie der künstlichen Intelligenz: „Dass die Maschinen die Menschen ersetzen könnten, eine derartige Angst gibt es in Japan nicht.“

Roboterbeine
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Neben Drohnen gibt es auf der Cebit auch Roboter zu sehen. Hier begutachtet die Kanzlerin ein Gestell mit Roboter-Beinen, welches einmal Prothesen ersetzen könnte.

Blumen für den Ehrengast
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Telekom-Chef Tim Höttges, Angela Merkel, Shinzo Abe und Bildungsministerin Johanna Wanka am Telekom-Stand. Die IT-Leistungsschau will in diesem Jahr besonders den digitalen Wandel mit konkreten Beispielen anfassbar und erlebbar machen.

„Umbruch aller Lebensbereiche“
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Die CDU-Politikerin hat bei dem Rundgang den Umbruch aller möglichen Lebensbereiche durch die Digitalisierung betont. Diese sei eine Tür in eine andere Welt des Wirtschaftens, Arbeitens und Konsumierens.

Obwohl die Maschine es eventuell besser kann?
Da geht es um rechtliche und ethische Fragen. Nur der Mensch kann hinterher Verantwortung für sein Handeln übernehmen.
Irgendwer muss entscheiden, ob ein Auto gegen die Mauer oder gegen einen Fußgänger fährt.
Das ist der Punkt. Technisch könnte man heute schon vieles lösen. Wir arbeiten gerade daran, Autos zu entwickeln, die nicht crashen können, weil sie sich wie ein Magnet gegenseitig abstoßen. Aber es wird immer auch Mischverkehr geben und dann wird es schwierig. Prototypisch werden wir ab 2017 eingegrenzte Einsätze sehen, zum Beispiel auf dem Firmengelände oder später auf den Autobahnen. Doch im Berufsverkehr von Berlin? Das kann ich mir aus heutiger Sicht erst 2030 vorstellen.

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2 Kommentare zu "Fraunhofer-Präsident Neugebauer: „Maschinen dürfen nicht die Führung übernehmen“"

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  • Da folgen die Marketingabteilungen der Autohersteller dem Medienhype zum Automomen Fahren auf Hochtouren - wohl auch, um von den nicht beherrschten Klima-und Umwelt-Problemen der schmutzigen, veralteten Otto-bzw. Diesel-Motor-Technologien abzulenken (Nicht umsonst lassen, anders als in den USA, die entsprechenden, von der Automobilindustrie "gelenkten" Vorschriften auf EU-Ebene "Abgasschummelei" mit Abschaltvorrichtungen zu! Nicht umsonst genießt Tesla als US-Hersteller eine derartige Aufmerksamkeit!). Da wird dann aber auch schon über die ersten schweren Unfälle beim Autonomen Fahren berichtet. Dumm gelaufen! Man erkennt aber mittlerweile, dass das Autonome Fahren nicht nur eine technische Herausforderung darstellt - insbesondere in Bezug auf die technische Sicherheit -, sondern mehr noch ungelöste ethische, rechtliche und Informationssicherheitstechnische Probleme mit sich bringt. Vom Stand der vergleichbaren PC- und Smartphone-Sicherheit kann jeder Nutzer ein Lied singen. Und Staaten, Behörden, Unternehmen streiten sich heute schon um die Herrschaft über die persönlichen Daten aus den Fahrzeugen! Doch die Politik (allen voran der unsägliche Mautflüsterer, Abgasturbo, Bahn-Bremsklotz, Jahrhundert-Reformer und Sammelklagen-Verhinderer Alexander Dobrindt), der mittlerweile organisiertes Staatsversagen bei der Kontrolle der Abgaswerte vorgeworfen wird, gebärdet sich weiterhin autohörig! Und jetzt hat auch noch Dobrindt einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Unfallrisiken dieser unausgereiften Technologie voll auf den Autofahrer abwälzt.

    "TaTü TaTa TaTü TaTa.
    Wer ist der Herr und wer der Sklave?
    Ist es Fortschritt oder Plage?
    Ist es Abenteuer oder Pflicht?
    Digitaler Lifestyle, Transparenz ist geil,
    Mobilität am WiFi-Seil!
    Freude am Fahren? Wenn Sensoren versagen?
    TaTü TaTa TaTü TaTa.
    Mobil am analogen Abschlepp-Haken."

    Freud und Leid des fahrerlosen Fahrens auf den Punkt gebracht:

    https://youtu.be/njj5Z7KzG60
    http://youtu.be/WzvpF6JR1cE

    Viel Spaß beim Anhören!

  • Maschinen haben doch schon die Führung in Teilbereichen übernommen.
    Diese Führung verbreitet sich wie Tinte im Wasser und kann nicht mehr entzogen werden.Was kommt denn nach dem autonomen Fahren ? .. die nächst höhere Ebene.
    Der großteil der Menschen verkommt bei fortschreitender Entwicklung zusehends zu abhängigen, unnützen und konsumierenden Laien.
    Wer aber die "Maschinen" führt, braucht die große Masse der Menschen nicht mehr, bzw. wird selbst überflüssig, wenn diese ein Bewußtsein entfachen.
    Ein Bewußtsein, das beinahe unendliche Resourcen hat und weltweit vernetzt ist.

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