Hannover Messe Die Google-Suche

Egal ob Siemens, Volkswagen oder Microsoft – große Konzerne setzen bei der weltgrößten Industriemesse auf bombastische Shows. Google, ein weiterer Riese, tritt dagegen bewusst als Zwerg auf. Eine Erfolgsstrategie.
Auf der Hannover Messe muss man schon suchen, um den Internetriesen Google zu finden. Quelle: dpa
Wo ist Google?

Auf der Hannover Messe muss man schon suchen, um den Internetriesen Google zu finden.

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HannoverWer die Dependance des Suchmaschinengiganten Google auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover finden möchte, braucht schon ziemlich gute Augen. Während deutsche Paradekonzerne wie Siemens oder amerikanische Milliardenunternehmen wie Microsoft mit pompösen Ständen in Niedersachsens Landeshauptstadt aufwarten, gibt sich Google ganz bescheiden. Lediglich mit zwei kleinen, unscheinbaren Messeständen – flächenmäßig jeweils nur etwa so groß wie eineinhalb Pkw-Parkplätze – präsentiert sich der kalifornische Konzern in Halle 3.

Google hat sich im Umfeld von Dutzenden Startups und dem Stand des US-Handelsministeriums positioniert. Ein paar handverlesenen Jungunternehmen bietet der Konzern kostenfrei eine Plattform, um sich zu präsentieren. Junge, freundliche Gesichter laden zum gemütlichen Kennenlernen. Kredenzt wird die Szenebrause Fritz-Kola. Jeder duzt sich. Wer Interesse hat, kann gleich an einer „Wissensreise“ teilnehmen. Halbstündlich bis stündlich hält Google im kleinen Kreis Workshops für Mittelständler und Gründer ab, bei denen Alt wie Jung die Internetwelt nähergebracht wird. Ganz altruistisch geht es dem Konzern dabei darum kostenfrei „geballtes Wissen“ vermitteln.

Auf der Hannover Messe präsentiert sich Google zurückhaltend.
Riesenfirma mit Zwergenstand

Auf der Hannover Messe präsentiert sich Google zurückhaltend.

Geld ist nicht alles, erfahren die Zuhörer. Zumindest nicht, wenn Unternehmen bei Google werben möchten. Denn wer am meisten zahlt, bekommt nicht automatisch die beste Anzeigenposition auf den Suchergebnisseiten des Konzerns. Es komme auch auf die Qualität der Werbebotschaft an. Firmen, die sich Zeit nehmen und echte Gedanken machen, wie sie ihre Zielgruppe am besten ansprechen, werden dafür belohnt. Nicht derjenige, der am lautesten SCHREIT, steht also in der Liste ganz oben. Das Verb „schreit“, betont der Google-Instrukteur eindringlich – wohl um auf eine besonders plump werbende Firma hinzuweisen. Den Namen des Unternehmens muss er nicht nennen. Allen Anwesenden ist ohnehin klar, dass es um den Internet-Modehändler Zalando geht. 

Die Stimmung ist herzlich familiär. Fragen werden schnell und der Mimik der Zuhörer zufolge verständlich beantwortet. Es folgt eine Einladung nach dem  Kurzworkshop doch auch mal in einem der Trainingszentren von Google vorbeizukommen. Binnen eines Tages weiteren Trainings, so wird es versprochen, hätte man genügend Know-how, um das Online-Marketing etwa eines kleinen Mittelständlers gut managen zu können. Bis Ende 2016 will Google in seinen Trainingszentren rund eine Million Europäer „digital weiterbilden“ – zum Nulltarif. Doch was bringt dem Tech-Giganten all das eigentlich?

Was Roboter schon heute alles können
Pepper
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Im Geschäft persönlich vom Roboter begrüßt zu werden - auch das kann bald für mehr Menschen Realität sein. „Pepper“ hat Knopfaugen, und er ist in astreinem Deutsch recht schonungslos: „Meiner bescheidenen Meinung nach ist dieses Modell nicht besonders schmeichelhaft für Ihre Figur. Dürfte ich Ihnen ein paar neu eingetroffene Modelle zeigen, die mir für Sie besonders gut gefallen?“ Eigene Infos werden per QR-Code auf dem Smartphone gespeichert, den der Roboter im Geschäft dann scannt. In Japan ist Pepper (von SoftBank) bereits aktiv.

Relay
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Wer auf Reisen die Zahnbürste vergessen hat, kann sie bald von einer freundlichen Maschine aufs Zimmer gebracht bekommen. „Relay“, der Service-Roboter, wird in einigen US-Hotels im Silicon Valley getestet. Die Rezeptionistin legt Zahnbürste, Cola oder Sandwich in eine Box im Roboter, dann gibt sie die Zimmernummer des Gastes ein. „Relay“ kann sich selbst den Fahrstuhl rufen – auch wenn er noch ziemlich lange braucht, um wirklich einzusteigen. Er scannt vorher sehr ausgiebig seine gesamte Umgebung, um ja niemanden umzufahren. Vor der Zimmertür angekommen, ruft der Roboter auf dem Zimmertelefon an.

Wenn der Hotelgast öffnet, signalisiert ihm „Relay“ per Touchscreen: Klappe öffnen, Zahnbürste rausnehmen, Klappe wieder schließen. „Das Hotel ist für uns erst der Anfang“, sagt Adrian Canoso vom Hersteller Savioke. „Wir wollen „Relay“ auch in Krankenhäuser, Altenheime und Restaurants bringen, einfach überall dahin, wo Menschen essen oder schlafen.“

Budgee
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„Budgee“ trägt die Einkäufe und rollt hinterher. Per Funksender in der Hand oder am Gürtel gesteuert, kann er bis zu 22 Kilogramm schleppen, so der US-Hersteller. Er folgt Herrchen oder Frauchen mit mehr als 6 Kilometern pro Stunde. Die Batterie hält angeblich zehn Stunden. „Budgee“ lässt sich zusammenklappen und im Kofferraum verstauen. Die ersten Vorbestellungen werden ausgeliefert, Stückpreis rund 1400 US-Dollar.

PR2
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Roboter können nicht nur Einkäufe schleppen, sondern auch für viele Menschen unliebsame Arbeiten im Haushalt abnehmen – und damit sind nicht nur die Staubsaug-Roboter gemeint. Der „PR2“ des Institute for Artificial Intelligence (IAI) der Universität Bremen kann auch in der Küche zur Hand gehen, zumindest in der Laborküche.

Handshake
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Ja, heutige Roboter können bereits feinmotorische Aufgaben übernehmen und etwa zuprosten, ohne dass das Sektglas zu Bruch geht. Das ist aber nicht die Besonderheit an diesem Bild. Der Arm rechts gehört Jordi Artigas, Wissenschaftler am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Der Roboterarm wird von Sergei Wolkow gesteuert – und der war nicht in Oberpfaffenhofen, sondern auf der Internationalen Raumstation ISS, wie im Hintergrund auf dem Monitor schemenhaft zu erkennen ist. Der „Tele-Handshake“ war nach Angaben des DLR ein weltweit einzigartiges Experiment.

iPal
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„iPal“ ist ein künstlicher Freund und Spielgefährte. Der Roboter ist so groß wie ein sechsjähriges Kind. Er kann singen und tanzen, Geschichten vorlesen und spielen. Durch Gesichtserkennung und automatisches Lernen wird „iPal“ mit der Zeit immer schlauer. Er erinnert sich an Vorlieben und Interessen des Kindes. „iPal“ ist keine gefühllose Maschine“, behauptet John Ostrem vom Hersteller AvatarMind. „Er kann Emotionen erspüren und fühlt, wenn das Kind traurig ist.“ Der Roboter, der in rosa oder hellblau angeboten wird, übernimmt auch gleich ein paar vielleicht leidige Erziehungspflichten: Der eingebaute Wecker holt das Kind aus dem Schlaf. Die Wetter-App sagt ihm, was es anziehen soll, und eine Gesundheits-App erinnert ans Händewaschen.

„iPal“ wurde vor allem für den chinesischen Markt entwickelt. Ostrem erläutert: „Dort gibt es in den Ein-Kind-Familien viele einsame Kinder, deren Eltern wenig Zeit haben und die einfach niemanden zum Spielen haben.“ Anfang 2016 soll es „iPal“ dort für etwa 1000 US-Dollar (knapp 900 Euro) geben.

Justin
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Solche Aufgaben, wie etwa dieses Zahnrad zu greifen und weiterzugeben, konnte der DLR-Roboter „Justin“ schon 2012. Dass er aus dem All gesteuert wird, ist jedoch neu und bislang einzigartig.

Präsenz, heißt es lapidar. Denn obwohl jeder Google kennt, wissen nur die wenigsten über alle Produkte des Konzerns wirklich Bescheid. Im beschaulichen Zwiegespräch kommen Themen wie Online-Marketing und Suchmaschinenoptimierung besser an als in den öden Massenvorträgen, die sonst überall auf der Messe stattfinden. Der Riese Google, Börsenwert eine halbe Billion Dollar, tritt in Hannover bewusst als Zwerg auf.

„Traditionskonzerne denken immer: Je größer desto besser“, sagt Daniel O. Schindler. Der Schweizer Markenexperte ist überzeugt: „Den ganzen Klimbim braucht man nicht“. Es gebe weltweit das Bedürfnis zum direkten Dialog. Persönlich statt anonym. Google habe diesen Trend erkannt. „Das Weiterbildungskonzept von Google ist viel effizienter als die großkotzigen Messeshows von anderen riesigen Konzern“, erklärt Schindler. Es gehe um einen zielgruppenorientierten Austausch, bei dem etwas hängenbleibt. Bei Nachfragen im Nachgang der Messe gebe es direkte Ansprechpartner. „Wenn ich bei anderen Konzernen hinterher Fragen habe, muss ich mich von einer Callcenter-Schleife zur nächsten hanteln.“

Google habe einen derart hohen Bekanntheitsgrad, da bringe es dem Unternehmen nichts, sich selbst riesig darzustellen. Ein kleiner Messestand erziele, so Schindler, vielfach eine bessere Wirkung als so manch große Show.

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