Hannover Messe Die Show der Superlative

Rund 5000 Aussteller kommen zur weltgrößten Industrieschau nach Niedersachsen, über 400 allein aus dem Partnerland USA. Ein Kräftemessen zwischen Deutschland und den amerikanischen Firmen steht an.
Diese Hürden muss Deutschland bei der Digitalisierung überwinden
Hürde 1: Baustelle Breitband
1 von 7

Industrial Internet, Big Data, Internet der Dinge – ohne Datenaustausch funktioniert nichts mehr. Je mehr die Vernetzung fortschreitet, umso größer werden die Datenmengen und deren Übertragung verlangt eine gute Infrastruktur. Doch da hat Deutschland noch Aufholbedarf. Ihrer Zielmarke, das 2014 drei Viertel der deutschen Haushalte schnelles Internet haben sollen, hinkt die Regierung hinterher: Es waren gerade mal rund 65 Prozent. Immerhin gibt es Zeichen für ein Umdenken: Aus dem Investitionspaket des Bundestages von 2016 bis 2018 erhält Digitalminister Alexander Dobrindt 4,35 Milliarden extra; mit 1,1 Milliarden davon kann er den Breitbandausbau fördern.

Hürde 2: Vorwärts im Schneckentempo
2 von 7

Eine der Hürden, die die Digitalisierung für die deutschen Unternehmen bereithält, ist die Geschwindigkeit. Die IT-Branche legt ein Innovationstempo vor, mit dem andere Industrien kaum Schritt halten können: Während Software-Firmen wie SAP ihre neusten Programmversionen vorstellen, kämpfen deren Kunden noch mit der Einführung der Vorgängerversion. Je mehr Vernetzung und IT in der traditionellen Produktion Einzug halten, umso größer der Druck einen Schritt zuzulegen.

Hürde 3: Deutsche Leuchttürme gesucht
3 von 7

Den US-Riesen der digitalen Wirtschaft kann Deutschland wenig entgegenhalten. SAP ist der einzige deutsche IT-Anbieter von Weltrang. Allerdings ist SAP nur im Geschäfts- und nicht im Konsumentenbereich aktiv – anders als Apple, IBM, Microsoft, Amazon oder Google. Der deutschen Wirtschaft fehlen die Leuchttürme in der IT- und Internet-Branche und das aus vielfältigen Gründen.

Hürde 4: Start-ups fehlt Kapital
4 von 7

Das Silicon Valley gilt weltweit als Synonym für innovative Start-ups. Auch in Deutschland wagen sich immer mehr Neugründer an den Markt, doch im Vergleich zu den US-amerikanischen Vorreitern fehlt ihnen ganz entscheidend eines: Kapital. In den USA investierten Risikokalitalgeber 2014 über 48 Milliarden Dollar, davon allein 11,9 Milliarden in Internetfirmen. In letzterer Summe standen in Deutschland laut BVK gut 2,2 Milliarden gegenüber. Das war zwar doppelt so viel wie im Vorjahr, doch einige große Deals wie die Übernahme von Scout 24 verzerren das Bild.

Hürde 5: Politisches Gerangel
5 von 7

Digitalpolitik ist ein Modethema, bei dem viele das Sagen haben wollen. Im Ring um die Vorherrschaft bei dem Thema stehen etwa Digitalminister Alexander Dobrindt (CSU, von links), Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) – und bremsen die „digitale Agenda“ letztlich eher aus. Neun Monate hatten die Minister beispielsweise gerungen, um im Sommer 2014 ein 30-seitiges Konzept vorzulegen. Es sei eher ein „Hausaufgabenheft“ stapelte de Maizière zurecht tief. Während die Industrie die Digitalisierung vorantreibt, kommen von der Regierung bisher vor allem Wortblasen.

Hürde 6: Der Mittelstand zögert
6 von 7

Der Mittelstand gilt als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, doch bei der Industrie 4.0 scheint er einzuknicken. Laut ZVEI-Umfrage meinen gut 40 Prozent der Unternehmen, die Digitalisierung sei gar nicht ihr Thema. Diese Einschätzung kann fatal sein – für die Firmen wie den Wirtschaftsstandort Deutschland. Kritiker predigen, man verpasse bei einem Zukunftsthema den Anschluss.

Hürde 7: Die Angst der Deutschen
7 von 7

Die „German Angst“ beschränkt sich nicht allein auf den Mittelstand; allgemein gilt, dass die Datensicherheit mit der zunehmenden Vernetzung mehr und mehr in Gefahr gerät. Mit immer höheren Schäden durch Cyberkriminalität und Spionage, wird der Schutz von Geschäftsgeheimnissen umso wichtiger.

DüsseldorfDie Hannover Messe sprengt in diesem Jahr alle bislang gekannten Dimensionen öffentlicher Aufmerksamkeit. Das hat viel mit dem Partnerland USA zu tun und dem Besuch des US-Präsidenten Barack Obama am kommenden Sonntag und Montag, wenn er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die größte Industrieschau der Welt eröffnen wird.

Es liegt aber auch am Leitthema der diesjährigen Messe: „Integrated Industries – Discover Solutions“. Denn über die Digitalisierung der industriellen Produktion wird schon seit Jahren diskutiert und in vielen Modellprojekten wird geprobt, was möglich ist. Doch erstmals sollen in Hannover über 100 digitale Lösungen rund um das Thema digitale Vernetzung und deren praktische Einsatzmöglichkeiten in den Fabrikhallen der Welt gezeigt werden. „Damit treffen wir den Nerv der Aussteller und der Besucher“, sagte am Mittwoch der für die Hannover Messe verantwortliche Vorstand Jochen Köckler. „Denn die Zukunft der Industrie liegt in der Vernetzung.“

Rund 5.200 Aussteller aus 75 Ländern haben ihr Kommen bislang zugesagt, das sind 400 mehr als bei der vergleichbaren Veranstaltung von zwei Jahren. Dabei steigt die Internationalisierung der Messe: 58 Prozent der ausstellenden Firmen kommen aus dem Ausland. Die meisten schickt mit 600 Unternehmen China, die USA nehmen mit 465 Ausstellern Platz zwei ein, danach folgen Italien und die Türkei. Deutschland stellt traditionell das Gros der nach Hannover kommenden Firmen – zwei Drittel der Ausstellungsfläche nehmen Siemens & Co. ein. Der Zuspruch der US-Firmen ist ein Erfolg für die Messemacher, denn in normalen Zeiten interessieren sich allenfalls zwischen 80 und 100 Unternehmen aus den Vereinigten Staaten für einen Auftritt in Hannover.

Doch die Zusage von Barack Obama, selbst nach Niedersachsen zu reisen, stellt alles auf den Kopf. So bringt der US-Präsident mit Anthony Foxx (Verkehr), Ernest Moniz (Energie) und Penny Pritzker (Handel) drei Minister zur Weltleitmesse (25.-29. April) mit. Köckler: „Das „Who is Who“ der amerikanischen Industrie ist hier als Aussteller und mit ihren Top-Managern vertreten.“ Darunter finden sich ein Großteil der amerikanischen Industrie- und IT-Schwergewichte: GE ist da, aber auch Intel und Microsoft, Cisco und Honeywell, um nur einige zu nennen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
"Das Kräftemessen wird hier stattfinden"
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Hannover Messe - Die Show der Superlative

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%