Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Industrie 4.0 – Schritt halten mit der Zukunft

Hannover Messe Digitalisierung treibt Fusionswelle in der Industrie an

Die Digitalisierung verstärkt den Trend zur Konsolidierung: Seit 2009 hat sich das Volumen der M&A-Deals auf 680 Milliarden Dollar fast verdreifacht.
Kommentieren
Experten erwarten in der Autobranche eine weitere Konsolidierung. Quelle: dpa
Ford-Produktion in Köln

Experten erwarten in der Autobranche eine weitere Konsolidierung.

(Foto: dpa)

München Die Digitalisierung verstärkt den Konsolidierungsdruck in der Industrie. Im vergangenen Jahr stieg das Volumen von größeren Übernahmen und Beteiligungen laut einer neuen Studie von A.T. Kearney, die dem Handelsblatt vorliegt, um weitere drei Prozent auf weltweit 680 Milliarden Dollar.

Damit hat sich der Wert seit 2009 fast verdreifacht. Damals gingen Transaktionen mit einem Volumen von 234 Milliarden Dollar über die Bühne. Dabei spielen auch Finanzinvestoren eine immer wichtigere Rolle.

Zur Hannover Messe, die am Montag gestartet ist, haben die Berater mehr als 76.000 Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 50 Millionen Dollar weltweit in den vergangenen Jahren untersucht.

Zu den größten Deals im vergangenen Jahr gehörten die Übernahme des Flugzeugausrüsters Rockwell Collins für mehr als 32 Milliarden Dollar durch United Technologies, die Fusion der Augenoptik-Spezialisten Essilor und Luxottica mit einem Volumen von 26 Milliarden Dollar und der Verkauf von Toshiba Memory an den Finanzinvestor Bain Capital für mehr als 20 Milliarden Dollar.

Für die Übernahmewelle gibt es verschiedene Ursachen. Fast 90 Prozent der befragten Manager gab an, dass der Zugang zu neuen Technologien wichtiges Motiv ist. „Die Geschwindigkeit des Wandels hat sich deutlich erhöht“, sagt Guido Hertel, Partner bei A.T. Kearney. Akquisitionen und Beteiligungen seien da eine von mehreren Möglichkeiten, sich technologische Expertise anzueignen. Gut 70 Prozent nannten das Motiv, die Branche zu konsolidieren.

Über allem steht aber die Digitalisierung. „Die Digitalisierung zwingt die Unternehmen, in andere Bereiche der Wertschöpfungskette hineinzugehen.“ Bei der technologischen Expansion, ergänzt Partner Taek Lim, gehe es weniger um neue Produkte, sondern darum, näher am Kunden zu sein und Dienstleistungen aufzubauen, die das eigene Produktgeschäft ergänzen.

„Die Wertschöpfungsketten verschieben sich und sie eröffnen neue Möglichkeiten – gerade für Industrieunternehmen mit einer großen installierten Basis.“ Die Kunden forderten eine Vorwärtsintegration. Wenn ein Konkurrent eine zusätzliche Dienstleistung anbiete, setze dies die Unternehmen unter Druck, schnell nachzuziehen.

Autobranche steht vor Konsolidierung

Als Beispiele für Akquisitionen, um näher an den Kunden zu kommen, nennen die Autoren der Studie die Mendix-Übernahme von Siemens. Mendix bietet eine Plattform für die leichtere Entwicklung von Apps für die Industrie 4.0 bietet. Cisco habe die Sicherheitsfirma Duo Security gekauft, um den Kunden Sicherheitslösungen für die Cloud anbieten zu können. Bei Schneider Electric passe der Kauf der Softwarefirma Aveva in dieses Muster, die den Kunden über den ganzen Lebenszyklus der Produkte Lösungen anbietet.

Als einen der Topkandidaten für eine weitere Konsolidierung sehen die Experten vor allem die Autobranche. Der disruptive Wandel hin zur Elektromobilität verändere die Wertschöpfungsketten.

Die Firmen stünden unter enormen Druck, die Profitabilität zu verbessern und müssten gleichzeitig hohe Investitionen in Elektroantriebe und Fahrzeugarchitekturen sowie ins autonome Fahren stemmen. Dies werde ebenso wie der Trend zu neuen Angeboten wie zum Beispiel Carsharing zu Kooperationen, Übernahmen und Fusionen führen.

Vergleichsweise zurückhaltend ist noch der Maschinenbau. „Im Maschinenbau sehen wir wenige große Deals, bei denen sich die Unternehmen technologische Expertise zukaufen“, sagte Lim. Dies liege an der mittelständischen Struktur der Branche. Die Firmen seien eher zu kleineren, sehr gezielten Technologiezukäufen in der Lage und setzten vor allem auf Kooperationen und die Entwicklung im eigenen Haus.

Hauptmärkte – sowohl in Sachen Käufer als auch übernommene Unternehmen – sind mit deutlichem Abstand die USA und China. „Dort spielt die Musik, und die Bereitschaft, M&A als strategisches Instrument einzusetzen, ist größer“, sagte Lim. Die deutschen Firmen seien im Vergleich deutlich zurückhaltender. Aktiv sind weiterhin insbesondere auch Finanzinvestoren. „Das Kapital ist da, es muss investiert werden“, sagte Hertel.

Grundsätzlich rechnen die Experten damit, dass die M&A-Welle weitergeht. Zwar könne vereinzelt die Politik und Regulatorik bremsen. Als Beispiel nennt A.T. Kearney die Fusion der Bahnsparte von Siemens mit Alstom, die am Widerstand der Kartellwächter scheiterte. Zudem wollten einige Länder ihre Schlüsseltechnologien schützen.

Doch erfolgten die meisten Übernahmen innerhalb von Ländern, und an den Treibern für die Übernahmewelle ändere sich nichts. „Wir erwarten, dass sich der Trend fortsetzt“, sagte Hertel. „Die Geschwindigkeit wird nicht langsamer werden.“ Die Pipeline für 2019 sei mit sich anbahnenden Deals bereits gut gefüllt.

Startseite

Mehr zu: Hannover Messe - Digitalisierung treibt Fusionswelle in der Industrie an

0 Kommentare zu "Hannover Messe: Digitalisierung treibt Fusionswelle in der Industrie an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote