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Industrie 4.0 – Schritt halten mit der Zukunft
Siemens Mindsphere

Mit seiner Cloud will der Industriekonzern Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen.

(Foto: Siemens)

Hannover Messe Vernetzte Maschinen: VW baut an neuer Produktionsallianz

Siemens treibt die Vernetzung der Industrie voran. Volkswagen zeigt nun, was im großen Maßstab möglich ist. Die Kooperation soll Milliarden einsparen.
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München, DüsseldorfMit Hilfe der Vernetzung ihrer Maschinen und Fabriken könnten die Autobauer nach Einschätzung von Experten Milliarden einsparen. Allein bei Volkswagen könne die neue Allianz mit Amazon und Siemens für das Internet der Dinge zu jährlichen Kostensenkungen im mittleren dreistelligen Millionenbereich führen, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen.

Volkswagen will seine 122 Fabriken digital vernetzen und perspektivisch auch die Zulieferer einbeziehen. VW baut eine industrielle Cloud mit der Hilfe von des US-Onlinehändlers Amazon auf, die Vernetzung von Maschinen soll über die Siemens-Plattform Mindsphere erfolgen.

Durch die Vernetzung von Maschinen könnten Autobauer Fehler schneller erkennen und früher beheben, die Kapazitäten besser auslasten und Produkte schneller auf den Markt bringen, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor an der Universität Duisburg-Essen, dem Handelsblatt. „Das wird der Branche in den nächsten Jahren erhebliche Kostenverbesserungen bringen.“

Siemens-Industriechef Klaus Helmrich sieht die Industrie am Beginn einer neuen Ära. In der Fertigung seien viele Schritte inzwischen digitalisiert. „Nun beginnt die nächste Phase nach der Industrie 4.0“, sagte Helmrich im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Es gehe vor allem darum, die Datenpools, die gewonnen werden, durch Edge Computing direkt an der Maschine und in der Cloud auszuwerten. „Datenpools sind das Gold der Zukunft, eine komplett neue Ressource in der industriellen Wertschöpfungskette.“

Bei der Hannover Messe, die am Montag ihre Tore öffnet, werden daher die Softwareplattformen, über die Maschinen an das Internet der Dinge angeschlossen sind, eine zentrale Rolle spielen. Sie bilden eine Art Betriebssystem für das Internet der Dinge. Siemens habe erst mit Mindsphere 3.0 ein wirklich marktreifes Produkt auf den Markt gebracht, sagt der Chef eines IT-Unternehmens.

Nun habe der Roll-out begonnen, der Münchener Technologiekonzern eine gute Ausgangsbasis. Siemens habe im Vergleich zum wichtigsten Wettbewerber Microsoft den Vorteil, dass das Unternehmen ein tiefes Wissen über Automatisierung und die Branchen habe. Im Gegenzug habe Microsoft viel Erfahrung mit Partnerschaften und könne auf einen großen Fundus von Entwicklern zurückgreifen.

Mit Volkswagen hat Siemens nun einen Schlüsselkunden gewonnen. „Dadurch wird der Daten-Traffic auf Mindsphere enorm erhöht“, heißt es in Industriekreisen. Die Autoindustrie ist traditionell Vorreiter bei der Automatisierung der Fertigung. Eine ähnliche Rolle könnte sie nun bei der Vernetzung über das Internet der Dinge spielen.

Mit der neuen Cloud im Produktionsbereich schafft Volkswagen nach eigenen Angaben eine Grundlage für die durchgängige Digitalisierung seiner Produktion und Logistik. Einige Tage zuvor hatte VW bereits Amazon als Partner für die industrielle Cloud vorgestellt. Auch externe Partner sollen in die Vernetzung eingebunden werden. Durch die Auswertung der Maschinendaten kann die Effizienz der Anlagen deutlich gesteigert werden.

Ein Beispiel: Die Anbindung der Maschinen an die Cloud ermöglicht eine vorausschauende Wartung. Es gibt also rechtzeitig Alarm, bevor ein Teil ausgetauscht werden muss. „Dadurch werden Ausfallzeiten vermieden“, sagt ein Siemens-Experte. Ein Konzern wie Volkswagen könnte zudem die Daten von Maschinen, die weltweit in verschiedenen Werken gleiche Produktionslinien bilden, sammeln und vergleichen. Dann kann man die Ursache finden, warum einzelne Linien produktiver sind.

„Firmen, die sich verschließen, bleiben nicht wettbewerbsfähig“

VW will sogar noch über die eigenen Werksgrenzen hinaus. Langfristig gehe es um die Integration der globalen Lieferkette von Volkswagen an mehr als 30.000 Standorten mit 1500 Zulieferern und Partnerunternehmen, heißt es dazu bei Volkswagen in Wolfsburg. Die Cloud könnte als Einkaufsplattform perspektivisch auch für andere Automobilhersteller geöffnet werden. Der VW-Konzern hat angekündigt, dass die Produktivität in allen Fabriken bis zum Jahr 2025 um insgesamt 30 Prozent steigen soll.

Die Großen machen es vor, wie die Auswertung von Maschinendaten mehr Effizienz und neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Bei Letzteren sehen die Experten von IDC bei vielen anderen Firmen noch Nachholbedarf. Laut einer neuen Studie bewegt sich derzeit nur etwa ein Drittel der Unternehmen in Richtung digitaler Geschäftsmodelle. „Firmen, die sich dieser Entwicklung verschließen, werden mittelfristig kaum wettbewerbsfähig bleiben können“, warnen die Experten.

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Laut Siemens-Vorstand Helmrich, der in der neuen Konzernstruktur die Sparte „Digital Industries“ führen wird, sind mehr als 1000 Kunden bereits an Mindsphere angeschlossen, mehr als 250 Applikationen entwickelt worden. „Das Produkt wird stark nachgefragt.“

Experten sind überzeugt davon, dass sich mehrere Plattformen behaupten können. Firmen seien nicht daran interessiert, sich von einem Ökosystem abhängig zu machen. Entscheidend für die Attraktivität von Plattformen werde sein, wie viele Apps es auf deren Basis gibt.

So kann ein Maschinenbauer zum Beispiel eine App fürs Handy entwickeln, auf der ein Montageleiter mit einem Blick sieht, ob alle Maschinen ordnungsgemäß laufen und wo bald Wartungsbedarf ist. Das Großprojekt bei VW dürfte nach Einschätzung von Branchenexperten zur Entwicklung vieler neuer Apps auf Mindsphere führen.

Um das Thema Apps voranzubringen, hatte Siemens für 600 Millionen Euro Mendix übernommen, mit dessen „Low code“-Plattformen Apps schneller und günstiger programmiert werden können. „Was früher 20 Tage brauchte, dauert jetzt nur noch 48 Stunden“, sagte Helmrich. Nutzer, wie etwa der Maschinenbauer Heller, hätten bereits eigene Apps für Kunden ihrer Maschinen entwickelt. Die Integration von Mendix komme gut voran. Siemens habe viel Erfahrung. „Die Kollegen in den USA verstehen es, intellektuell, menschlich und technologisch zu integrieren.“

Die Siemens-Digitalsparte sieht sich so für konjunkturell schwierigere Zeiten gerüstet. „Wenn unsere Maschinenbau-Kunden weniger Aufträge bekommen, werden sie bei uns weniger Ausrüstungsgegenstände bestellen“, sagt Helmrich. Die Wachstumsraten würden flacher. Doch gebe es keinen Grund, „in den Krisenmodus umzuschalten“. Es sei die Zeit, sich durch Innovationen neu zu positionieren. „Wir werden in dieser Phase auch neue Kunden gewinnen.“

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