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Hochschulen Viele Ingenieurstudenten fühlen sich nicht gut auf Digitalisierung vorbereitet

Zwei von drei angehenden Ingenieuren glauben nicht, dass sie den Herausforderungen der Transformation gewachsen sind. Schuld sollen die Professoren sein.
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Viele Studenten und Berufseinsteiger kritisieren fehlende digitale Inhalte an den Hochschulen. Quelle: Moment/Getty Images
Digital Natives

Viele Studenten und Berufseinsteiger kritisieren fehlende digitale Inhalte an den Hochschulen.

(Foto: Moment/Getty Images)

BerlinEigentlich sind sie die „digital natives“ – aufgewachsen mit Handy, Tablet und Computer. Doch auf die digitale Arbeitswelt und ihre Herausforderungen bereitet sie offenbar selbst das Ingenieurstudium an deutschen Hochschulen kaum vor. Zwei Drittel der Studenten fühlen sich jedenfalls nicht gut auf die digitale Transformation vorbereitet.

Das ergab eine Umfrage unter 933 Ingenieurstudenten und 652 Berufseinsteigern für den Verband Deutscher Ingenieure (VDI), die dem Handelsblatt vorliegt. Der Verband ist alarmiert: „Wenn wir weiterhin führender Technikstandort sein wollen, muss sich die digitale Transformation in den Curricula im Pflichtbereich niederschlagen“, fordert VDI-Direktor Ralph Appel.

Konkret geben etwa im Bereich Informatik nur elf Prozent der befragten Studierenden der Ingenieurwissenschaften an, dass sie glauben, gut präpariert zu sein. 56 Prozent jedoch sagen das Gegenteil.

Bei den Berufseinsteigern sieht es noch schlechter aus: Von ihnen fühlen sich nur neun Prozent adäquat vorbereitet – 61 Prozent hingegen eher nicht bis gar nicht. Selbst im Kerngebiet der Ingenieure, der Technik, fühlt sich nur jeder fünfte Studierende gut vorbereitet, etwa auf den Einsatz von IT-Tools.

Das seien angesichts des akuten Fachkräftemangels und der zunehmenden Bedeutung von Schnittstellenkompetenzen im Bereich IT und Technik auf dem Arbeitsmarkt „prekäre Ergebnisse“, so der Ingenieurverband. Die Fachhochschulen kommen im Urteil der Ingenieurstudenten zwar etwas besser weg als die Universitäten. Doch auch dort fühlt sich die Mehrheit in digitaler Hinsicht nicht fit für die Arbeitswelt.

Grund für die mangelnde Zukunftsausrichtung sei das Desinteresse oder die Unkenntnis der Professoren – sagt gut die Hälfte der Studenten. Auch die Lehrenden selbst sehen in ihrer Zunft eine sehr geringe Bereitschaft, die Lehre den Anforderungen der digitalen Transformation anzupassen: Kein einziger der 423 befragten Professoren stimmte der Aussage zu, dass „die meisten meiner Kollegen die digitale Transformation in unserem Studiengang unterstützen“. 42 Prozent schätzten ihre Kollegen als „weniger unterstützend“ ein.

Die Hochschulen selbst klagen seit Längerem, dass sie nicht die finanziellen Mittel haben, IT-Experten einzustellen und auch zu halten. Die Konkurrenz der Wirtschaft, die händeringend solche Experten sucht, sei schlicht zu stark. Der VDI fordert daher weit mehr Mittel und entsprechende Anreizsysteme für die Hochschulen.

Als positive Treiber der Digitalisierung an der Hochschule sehen die Studenten die Unternehmen, mit denen die Ingenieurwissenschaften ohnehin traditionell sehr eng zusammenarbeiten. Die Abhängigkeit von diesen Kooperationen wächst, denn „das Tempo der digitalen Veränderungen erlaubt es den Hochschulen kaum noch, die jeweils aktuellen Technologien und Konzepte für Forschungs- und Lehrzwecke ohne Industriekooperationen bereitzustellen“, sagt der Vizepräsident der Hochschule München, Klaus Kreulich.

Verhandlungen laufen

Kreulich plädiert generell dafür, dass Hochschulen und Unternehmen „näher zusammenrücken“. Die Dynamik der Digitalisierung bedeute „auch für hochqualifizierte Ingenieure einen lebenslangen Bedarf an Weiterbildung“. Für die nötigen Mittel für das lebenslange Lernen an den Hochschulen müsse allerdings die Politik sorgen.

Aktuell laufen die Verhandlungen von Bund und Ländern für die künftige Finanzierung der Hochschulen, darunter auch der Qualitätspakt Lehre. Das sei eine herausragende Chance, auch „eine Grundfinanzierung für die permanente inhaltliche Weiterentwicklung zu verankern“, so Kreulich, „das wäre genau das, was Hochschulen im Kontext der digitalen Transformation brauchen.“

Eine Digitalisierungspauschale von rund 100 Euro pro Student und Jahr hatte unlängst die Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) der Bundesregierung gefordert. Vorbild ist der nach langem Hin und Her soeben angeschobene Digitalpakt für die Schulen, der für die nächsten fünf Jahre fünf Milliarden für die IT-Ausstattung der Schulen bereitstellt.

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  • Datenkompetenz ist eine Schlüssel-Qualifikation des 21. Jahrhunderts! Doch wie soll sich unsere Wirtschaft entwickeln, wenn selbst Digital Natives nicht mit Daten umgehen können? Wie die aktuelle Qlik Data Literacy Forschung zeigt, haben deutsche Unternehmen zwar den Vorteil von datenkompetenten Mitarbeitern erkannt. Doch nur 34 Prozent bieten Schulungen zur Verbesserung der Datenkenntnisse an. Die Lücke zwischen den Möglichkeiten der Digitalisierung und den Fähigkeiten, diese auch umzusetzen, ist also groß. Dem zu begegnen geht – wie hier ganz richtig festgestellt – nicht nur die Politik, Internet-Konzerne oder Compliance-Abteilungen etwas an. Sondern jedes Unternehmen, jedes Bildungsinstitut – kurzum die ganze Gesellschaft muss den Wert einer immer digitaleren Welt erkennen und fördern.

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