Industrie-4.0-Maturity-Index Ein Wegweiser für die Digitalisierung

Ein neuer Index soll Firmen dabei helfen, Defizite bei der Umsetzung von Industrie 4.0 aufzudecken. Vielen fehlen handfeste Leitfäden und manchmal auch das Bewusstsein für die Radikalität der digitalen Transformation.
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Defizite bei der Vernetzung von Produktionsmaschinen und dem Internet. Quelle: dpa
Tablet in der Produktionshalle

Defizite bei der Vernetzung von Produktionsmaschinen und dem Internet.

(Foto: dpa)

HannoverVielen Firmen reicht noch ihre Website. Andere haben zumindest schon mal eine grobe Idee, wie sie das Thema Digitalisierung in ihre Unternehmensstrategie einbinden wollen – immerhin. Dafür wissen sie nicht, wie sie die umsetzen sollen. Was wie ein Blick in die digitale Steinzeit aussieht, ist in vielen, vor allem mittelständischen, Firmen bittere Realität.

Henning Kagermann, Ex-Vorstandschef des Software-Konzerns SAP und heute Präsident von Acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, will das nun in einem neuen Anlauf ändern: An diesem Dienstag will Kagermann den ersten Industrie-4.0-Maturity-Index vorstellen. Mit Hilfe des Barometers sollen die Firmen abklopfen können, wo sie mit Blick auf Industrie 4.0 stehen und welchen Mehrwert sie daraus ziehen können.

Denn gerade dieser Mehrwert ist beachtlich: Diverse Studien beziffern das Wertschöpfungspotenzial allein für die deutsche Wirtschaft auf 100 bis 150 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren. Beispiel Bosch: Der Technologiekonzern erwartet bis 2020 durch die vernetzte Produktion zusammengerechnet sowohl eine Milliarde Euro an eingesparten Kosten als eine Milliarde Euro an zusätzlichem Umsatz.

Jüngsten Umfragen zufolge richten sich zwar drei Viertel aller großen Unternehmen konsequent auf die neuen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung auf allen Ebenen aus, bei den kleinen und mittleren Firmen ist es gerade mal etwas mehr als die Hälfte. „Ich will es ja nicht schlechtreden, die Situation hat sich auch leicht verbessert“, sagt Henning Kagermann. „Aber gut ist sie nach wie vor nicht, trotz aller Bemühungen. Vielen Firmen fehlen handfeste Leitfäden und manchmal auch das Bewusstsein für die Radikalität der digitalen Transformation.“ Das zu ändern, hat sich Acatech schon seit Jahren auf die Fahnen geschrieben – und unternimmt nun mit dem Index einen neuen Anlauf.

Vom Robo-Tentakel bis zur Mini-Kanzlerin
Eröffnung mit Amtskollegin aus Polen
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Mit dem traditionellen Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag die Hannover Messe für Besucher begonnen. Die CDU-Politikerin hatte die als weltgrößte Industrieschau geltende Messe am Vorabend zusammen mit Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo aus dem diesjährigen Partnerland offiziell eröffnet.

Am Siemens-Stand
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Konzernchef Joe Kaeser zeigt den beiden Regierungschefinnen einen 3D-Drucker. Die fünftägige Hannover Messe ist im 70. Jahr ihres Bestehens erneut dem Leitthema der vernetzten Industrie gewidmet

Mini-Kanzlerin
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Der Siemens-Chef schenkte Merkel eine Miniaturversion der Kanzlerin aus dem 3D-Drucker. Bei der Eröffnungsfeier am Sonntag hatte die Bundeskanzlerin eindringlich für offene Märkte plädiert. Abschottung und Protektionismus führten auf Dauer immer wieder zu Verlusten, warnte sie.

Miniatur-Motor am Stand von Faulhaber
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Die Hannover Messe gilt als weltgrößte Leistungsschau für industrielle Neuerungen. Erwartet werden rund 200.000 Besucher und 6500 Aussteller – 60 Prozent davon aus dem Ausland.

Merkel und Szydlo betrachten eine Modellbahn
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Mit Blick auf Polen sagte die Kanzlerin: „Unsere beiden Länder verbindet heute ja weit mehr als nur eine gemeinsame Grenze.“ Polen hätte letztlich auch dazu beigetragen, dass die deutsche Trennung der Geschichte angehöre. „Das werden wir nicht vergessen“, erklärte sie. Die bilateralen Beziehungen seien ein Beispiel für den Offenheitsgrad der deutschen Wirtschaft.

Roboter-Tentakel am Stand von Festo
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Roboter sind das Trendthema der Messe. Vor allem die Industriehelfer ermöglichen, in immer neue Dimensionen vorzustoßen. Ob in der Fertigung, der Logistik oder im privaten Haushalt: die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter wird ausgefeilter.

Leichtbauroboter „Bionic Cobot“
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Der Hersteller Festo präsentiert einen pneumatischen Leichtroboter, der dem menschlichen Arm nachempfunden ist und feinfühlige Bewegungen ausführt.

„Wir müssen aufpassen, dass der Vorsprung, den wir noch haben, nicht verloren geht“, sagte Kagermann dem Handelsblatt. Der Acatech-Präsident versteht daher den Maturity-Index auch als „Weckruf“ für immer noch große Teile der Industrie. So sind die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung gerade bei kleineren und mittelgroßen Unternehmen zuletzt zurückgegangen. Das verzögere den Wissenstransfer von Universitäten, aber auch von Forschungsinstitutionen wie Fraunhofer in die Firmen, fürchtet Kagermann.

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