Industrieland Polen Im Schatten des großen Nachbarn

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Umschwung mit Industrie 4.0
Wo intelligente Haushaltshelfer angreifbar sind
Sprachassistenten
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Sicherheitsexperten ist es ein Dorn im Auge, dass der intelligente Lautsprecher Echo von Amazons smarter Assistentin Alexa jedes gesprochene Wort auf die Firmenserver speichert. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis Hacker das Gerät als Wanze missbrauchen?

Lichtsysteme
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Die Lampen von Philips Hue lassen sich aus der Ferne steuern. Wenn auch noch der aktuelle Zustand ausgelesen werden kann, wäre es für Einbrecher möglich, zu erkennen, ob jemand zu Hause ist.

Bluetooth-Türschlösser
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Für die beiden IT-Experten Anthony Rose und Ben Ramsey gibt es keinen Zweifel: Jeder smarte Türöffner ist knackbar. Von 16 getesteten Schlössern, das berichtet das Magazin Chip (04/2017), hatten 75 Prozent eine unsichere Bluetooth-Implementierung. So konnten die Hacker etwa im Fall von August Smartlock auf das Steuersystem zugreifen und damit sehen, wer wann die Tür öffnete.

Intelligente Steckdosen
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Eine Lücke, die Hacker manipulieren können, haben Sicherheitsexperten auch bei der smarten Steckdose Edimax SP-1101W gefunden, so Chip. Die Angreifer können sich darüber Zugriff aufs Heimnetz verschaffen und andere Netzgeräte attackieren. Auch das An- und Abschalten der Steckdosen aus der Ferne ist ohne Probleme möglich.

Heizungssteuerung
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Beim Max-Thermostat soll es im Test möglich gewesen sein, die Steuerung der Thermostate zu übernehmen und auch den eingestellten Zeitplan der Temperatureinstellungen auszulesen. Man muss wohl nicht lange analysieren, um zu wissen, wann die Bewohner zu Hause sind und wann nicht.

Smart-TVs
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Der Experte Benjamin Michéle kann die Samsung Smart-TVs aus der Ferne so manipulieren, dass Mikrofone und Webcams zu Spionen werden - mit Standleitung zum Hacker. Wenn Sie sich schützen möchten, kleben Sie Mikrofon und Kamera am besten zu.

Neue geschäftsträchtige Ideen haben es schwer, in diesem Umfeld zu gedeihen. Ein polnisches Siemens ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht – kein Wunder, dass sich die bekannten Namen der europäischen Industrie in Polen ein Stelldichein geben. Sie füllen das Vakuum, das die staatlichen Betriebe nach ihrem Zusammenbruch kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hinterlassen haben.

Ähnlich wie die Kombinate in der ehemaligen DDR waren sie nicht wettbewerbsfähig. Das Nachbarland ist ein attraktiver Absatzmarkt mit seinen 38 Millionen Einwohnern und ein interessanter Fertigungsstandort. Die Menschen hier sind gut ausgebildet, das Lohnniveau liegt bei einem Viertel dessen, was in deutschen Fabriken bezahlt wird. Zudem pumpt die EU über ihre verschiedenen Fördertöpfe massiv Geld in das Land: Über 80 Milliarden Euro werden es in den kommenden Jahren sein, die vor allem die Infrastruktur rund um Autobahnen, Bahnnetze oder auch Klärwerke verbessern sollen.

Um mehr Investoren zu locken, aber auch um die eigene Industrie zu stärken, hat sich die Regierung in Warschau ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Da das Land quasi die zweite und dritte Stufe der Industrialisierung verpasst hat und Roboter immer noch Exoten in vielen polnischen Fertigungshallen sind, soll jetzt die Digitalisierung im Zuge der Vierten Industriellen Revolution den Umschwung bringen.

„Wir wollen die Zusammenarbeit zwischen Firmen und Universitäten verbessern, Start-ups finanziell fördern und so an der digitalen Revolution 4.0 teilnehmen“, sagt Vize-Minister Koscinski. Ein Schritt dorthin soll die Teilnahme vieler polnischer Firmen an der Hannover Messe sein: Polen ist in diesem Jahr Partnerland der weltgrößten Industrieschau, die sich seit geraumer Zeit der Digitalisierung industrieller Produktion verschrieben hat.

Die Elektrotechnikfirma Medcom am Rande von Warschau ist eine dieser Erfolgsgeschichten, von denen sich Polens Regierung mehr wünschen würde. In der Wendezeit 1988 von vier Ingenieuren gegründet, erzielt der Energietechnik-Spezialist für Züge, Straßenbahnen und Industrieinstallationen inzwischen mit seinen 250 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro. Die Firma wächst schnell, liefert Umrichter und Transformatoren.

Rund sechs Prozent ihres Umsatzes steckt Medcom in die Forschung – das ist viel für eine polnische Industriefirma. Nur jede achte investiert ähnlich viel in neue Produkte, in Deutschland sind es im Maschinenbau ein Drittel aller Unternehmen. „Wir konzentrieren uns auf Nischenprodukte für Bus und Bahn“, sagt Piotr Wronski, Vizepräsident der Firma.

Medcom hat es so auf die Zuliefererliste des polnischen Nahverkehrszug- und Straßenbahnherstellers Newag geschafft, der sich ansonsten gern von deutschen Firmen beliefern lässt: So sorgt Knorr-Bremse für den rechtzeitigen Halt der Schienenfahrzeuge, die beiden Steckverbindungsspezialisten Harting und Weidmüller liefern Produkte für die sichere Elektrik und Signalübertragung. Newag – schon vor 141 Jahren gegründet und 2003 privatisiert – tritt erst seit neun Jahren als Zughersteller in Erscheinung und feiert dafür bemerkenswerte Erfolge: Vor vier Jahren wurden die ersten Waggons für die Metro in Warschau ausgeliefert, Kooperationspartner war der deutsche Industriekonzern Siemens.

Lieferanten spüren den Kostendruck
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