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Industrie 4.0 – Schritt halten mit der Zukunft

Industriesoftware Schneider Electric fordert Siemens heraus

Die Franzosen wollen mit Aveva eine stärkere Rolle bei Industriesoftware spielen. Sie rechnen sich Chancen aus, den Rückstand auf Siemens aufzuholen.
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Schneider Electric will in Deutschland weitere Kunden gewinnen. Quelle: PR
Wachstum mit Industriesoftware

Schneider Electric will in Deutschland weitere Kunden gewinnen.

(Foto: PR)

Hannover Bei der Digitalisierung der Industrie wird derzeit um die Deutungshoheit gerungen. Da sind zum einen die Industriekonzerne wie Siemens, ABB und General Electric. Sie verweisen auf ihre Branchen-Expertise und haben sich Software-Wissen aufgebaut. Siemens hat allein in den USA über die Jahre rund zehn Milliarden Euro für den Kauf von Software-Firmen ausgegeben und ist so zum Weltmarktführer bei Industriesoftware aufgestiegen.

Und dann sind da auf der anderen Seite die Software-Konzerne wie SAP und Microsoft, die von der andere Seite kommen und versuchen, sich Branchenwissen aufzubauen.

Einen ganz eigenen Weg ist Schneider Electric gegangen. Pünktlich zur Hannover Messe steht das neue Bündnis mit dem britischen Software-Konzern Aveva. Im dritten Anlauf war die Übernahme gelungen. Schneider brachte die eigene Softwaresparte bei Aveva ein und übernahm die Mehrheit  bei den Briten, die eine börsennotierte Software-Firma bleiben.

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Die neue Aveva kommt auf 660 Millionen Pfund Umsatz. Vor wenigen Wochen nahm der kombinierte Konzern die operative Arbeit auf. „Sie brauchen in der Software-Branche einen starken industriellen Partner“, sagte der neue Aveva-Vorstandschef Craig Hayman dem Handelsblatt.

Aveva war 1967 aus der Universität Cambridge hervorgegangen und ist auf Software für Industriekonzerne spezialisiert, insbesondere für kapitalintensive Sparten wie die Energiebranche. Für Aveva arbeiteten bislang etwa 1700 Beschäftigte, für die Sparte von Schneider etwa 2700. Die neue Aveva hat also etwa 4400 Mitarbeiter.

Mit umgerechnet rund einer Milliarde Dollar Umsatz habe die neue Aveva genau die richtige Größe, meint Hayman. Die kritische Größe sei erreicht, um eine bedeutende Rolle in der Branche zu spielen. „Aber wir können uns schnell bewegen.“ Laut Branchenkennern spielte Aveva in wichtigen Märkten wie Deutschland bislang eine überschaubare Rolle. Mit den Kundenkontakten von Schneider und dem breiteren Portfolio könnte sich dies nun ändern.

Weltmarktführer bei Industrie-Software ist Siemens. Zuletzt kauften sie Mentor Graphics. Im vergangenen Geschäftsjahr stiegen die Siemens-Umsätze mit Software und digitalen Services um 20 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Auch für die kommenden Jahre sind zweistellige Wachstumsraten geplant. Eine zentrale Rolle spielt für Siemens MindSphere – eine Plattform der Münchener, mit der Maschinen an das Internet der Dinge angeschlossen werden.

Die Kunden können Apps nutzen oder selbst entwickeln, um zum Beispiel vorausschauende Wartung zu nutzen. Mindsphere sei jetzt reif, für die Implementierung in der Fläche, sagte Siemens-Industrievorstand Klaus Helmrich in Hannover. Den Münchenern hilft, dass sie mit ihrer Simatic, die in fast allen Fabrikhallen der Welt verbaut ist, auch Weltmarktführer in der Industrieautomatisierung sind. Zudem ist Siemens groß genug, um so eine kostspielige Plattform dauerhaft zu betreiben und zu aktualisieren.

Derzeit gibt es zwar weltweit mehr als zwei Dutzend Plattformen, doch die Münchener hoffen, dass sie einen Quasistandard schaffen können. Die neue Schneider-Tochter Aveva dagegen setzt nicht auf eine zentrale IoT-Plattform. Die Kunden hätten Angst, dass sie in einem geschlossenen System landen, sagte Hayman. „Die denken: Ich bin den Rest meines Lebens eingesperrt.“

Zudem wollten die Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten behalten. Aveva setzt daher auf individuelle Lösungen, mal mit einer öffentlichen, mal mit einer privaten Cloud-Anbindung. In der Welt sei alles divers, warum solle dies in der Software-Welt anders sein?

Aveva will sich nun erst einmal auf eine rasche Integration und organisches Wachstum konzentrieren. Doch räumt Schneider-Manager Peter Herweck ein, man habe das Modell mit der börsennotierten Softwarefirma Aveva auch gewählt, um eine Akquisitionswährung zu haben. Die Franzosen und die Briten halten die Augen nach möglichen Übernahmezielen also offen.

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