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Industrie 4.0 – Schritt halten mit der Zukunft

Leistungsschau der deutschen Industrie Angst vor dem Abschwung – Die Hannover Messe startet mit düsteren Aussichten

Für 2019 rechnen viele Wirtschaftsverbände mit einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur – und einer Stagnation der Industrieproduktion.
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Tänzer mit ABB-Roboter bei der Eröffnungsfeier. Quelle: imago images / Future Image
Impressionen von der Hannover Messe

Tänzer mit ABB-Roboter bei der Eröffnungsfeier.

(Foto: imago images / Future Image)

HannoverMannshohe Roboter, die tonnenschwere Lasten heben können, autonome Produktionsfahrzeuge, die komplette Autos transportieren, und Funknetze, über die sich in Sekundenschnelle ganze Bibliotheken übertragen lassen: Wer in diesem Jahr über das Gelände der Hannover Messe streift, kommt nicht umhin, die geballte Kraft der deutschen Industrie zu bewundern. Bis Freitag präsentieren Firmen wie Siemens, Bosch und SAP ihre Konzepte für die Produktion der Zukunft.

Doch die Leistungsschau hat mit schlechten Nachrichten begonnen: Anlässlich der Messe veröffentlichten die wichtigsten Industrieverbände ihre Prognosen für 2019 – und gehen unisono von einem deutlichen Dämpfer für die Produktion aus. „Wir können froh sein, wenn sich das aktuelle Niveau der Industrieproduktion in Deutschland aufrechterhalten lässt“, sagte Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). „Für das laufende Jahr erwarten wir deshalb eine schwarze Null.“

Die Stagnation kündet womöglich schon vom Ende eines Booms, der fast zehn Jahre andauerte. Seit dem Ende der Finanzkrise kannte die exportlastige deutsche Wirtschaft nur eine Richtung: nach oben. Doch zahlreiche Unwägbarkeiten belasten derzeit das wirtschaftliche Klima.

Sei es der bevorstehende EU-Austritt Großbritanniens oder die Handelskonflikte zwischen den USA, China und Europa: „Die Unsicherheiten nehmen zu, der konjunkturelle Auftrieb lässt nach“, klagte auch Carl Martin Welcker, Präsident des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA).

Am Montag musste der VDMA angesichts der nachlassenden Stimmung seine Jahresprognose vom vergangenen September revidieren. Ursprünglich hatte der Verband mit einem Produktionsplus von zwei Prozent gerechnet. Nun gehen die Ökonomen noch von einem Prozent aus. „Die Unternehmen treten spürbar auf die Bremse“, sagte Welcker bei der Vorlage der Zahlen.

Mit rund 3200 Mitgliedsunternehmen, die zusammen rund 1,3 Millionen Beschäftigte auf sich vereinen, gilt der VDMA als größter Industrieverband Europas. Dabei sind die deutschen Maschinenbauer von globalen Verwerfungen besonders stark betroffen: Rund 80 Prozent ihrer Umsätze erwirtschaftet die Branche im Ausland. Zu den größten Abnehmern zählen Kunden in den USA und China. Ausgerechnet hier liegen auch derzeit die größten Risiken für deutsche Exporteure.

Zwar deute sich im Handelsstreit der beiden Großmächte im Moment ein Entgegenkommen an, so Welckers Einschätzung. „Doch wir reden hier über einen Wettstreit der Systeme, einen Wettstreit um die Weltmacht.“ Deshalb könne die Branche nicht davon ausgehen, dass sich das Thema mit dem Verhindern von Autozöllen erledigt habe.

Angesichts der zunehmenden Handelskonflikte blickt auch die deutsche Elektroindustrie sorgenvoll in die Zukunft. So seien Auftragseingang und Produktion im Januar zurückgegangen. „Obwohl die Produkte weltweit gefragt und wettbewerbsfähig sind, nehmen die Hemmnisse auf der Nachfrageseite wieder zu“, resümierte Michael Ziesemer, Präsident des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) am Montag.

Auch die Unternehmen des ZVEI liefern einen Großteil ihrer Produkte nach China und in die USA – und wären von einer Eskalation des Handelsstreits beider Nationen besonders betroffen. Doch auch an anderer Stelle drohe Unheil, so Ziesemer, der einen Vergleich zu früheren Krisen zog: „Während die globalen Rezessionen 2002 und 2008 mehr oder weniger durch eindeutige Ereignisse ausgelöst wurden, nämlich das Platzen der Dotcom-Blase und die Subprime-Krise in den USA, haben wir es aktuell mit einer ganzen Reihe an Herausforderungen zu tun.“

„Das sind die coolsten Roboter, die künftig die Industrie dominieren sollen“

So beschäftigten die europäische Wirtschaft derzeit neben zunehmendem Protektionismus auch das nachlassende Wachstum in China, die stärker schwankenden Ölpreise, die Schuldenkrise in Italien und auch der Brexit. „Jeweils für sich genommen mögen diese Risiken noch beherrschbar sein“, so der ZVEI-Präsident. „In ihrer Summe können sie aber eskalieren.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt

Dabei ist der Brexit kurioserweise wohl das Ereignis, dessen negative Folgen die Wirtschaft derzeit noch mit am besten abschätzen kann. Zwar ist immer noch nicht völlig klar, ob und wie Großbritannien am 12. April aus der EU ausscheiden wird. Doch sollte es zu einem sogenannten „harten“ Brexit kommen, bei dem die Briten ohne Abkommen aus der EU austreten und somit auf den Stand eines Drittlandes zurückfallen, rechnet der BDI mit einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 0,5 auf 0,7 Prozent.

„Der Brexit sorgt für mehr als nur kraftraubende Unsicherheit“, fasst BDI-Chef Kempf die Lage zusammen. Eine weitere Verlängerung der Verhandlungen zwischen London und Brüssel lehnte er indes ab: „Es besteht die Gefahr, dass sich die britische Politik so nur erneut Zeit einkauft, auf Kosten der Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals.“

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk machte Ifo-Chef Clemens Fuest allerdings deutlich, was ein ungeordneter Austritt für die europäische Industrie bedeuten könnte: „Wenn jetzt das schlechteste Szenario beim Brexit eintritt, dann könnte das der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Letztlich könne ein ungeregelter Brexit dazu führen, dass die Wirtschaft von einem schwachen Wachstum zu einer Schrumpfung der Wirtschaft übergehe. „Das würde man dann eine Rezession nennen.“

Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt freilich davon ab, wie sich die zahlreichen Unsicherheiten in den nächsten Monaten entwickeln. Für leichten Optimismus sorgte am Montag die Nachricht, dass die chinesische Wirtschaft in den vergangenen Wochen wieder leicht an Fahrt gewonnen hat. So stieg der Caixin/Markit-Index, der die Stimmung unter chinesischen Einkaufsmanagern misst, im Februar von 49,9 auf 50,8 Punkte.

Doch darauf verlassen wollen sich die Industrievertreter nicht – und richteten deshalb zahlreiche Appelle an die Politik. „An einem Handelsabkommen mit unserem wichtigsten Handelspartner China führt kein Weg vorbei“, erklärte etwa VDMA-Präsident Welcker. „Die voranschreitende Desintegration der EU muss gestoppt werden“, forderte ZVEI-Chef Ziesemer. Und Bitkom-Chef Achim Berg ergänzte: „Wir müssen über eine neue Industriepolitik reden.“

Zumindest der letzte Wunsch wurde bereits erfüllt: Bis zum Jahresende werde die EU-Kommission den Regierungen Vorschläge für eine gemeinsame Industriepolitik unterbreiten, berichtete Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede am Sonntagabend im Hannover Congress Centrum. „Es wird nicht ausreichen, dass wir so weitermachen, wie wir es immer gemacht haben.“

Ähnlich äußerte sich auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der ebenfalls am Sonntag noch einmal auf seine vor wenigen Wochen vorgelegte „Nationale Industriestrategie“ verwies. „Ich freue mich hier über jeden guten Vorschlag und jede gute Idee“, sagte Altmaier.

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