Seite an Seite mit dem Menschen Die Roboter kommen

Die technischen Gehilfen werden immer kleiner, sensibler und günstiger. Ihr Einsatzgebiet befindet sich Seite an Seite mit dem Menschen. Dadurch winken den Herstellern ganz neue Möglichkeiten, ihre Roboter zu verkaufen.
Roboter sind kleiner und sensibler geworden und können Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten. Quelle: Getty Images

Roboter sind kleiner und sensibler geworden und können Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten.

(Foto: Getty Images)

HannoverDie schöne neue Welt der Roboter konnte man in dieser Woche auch auf der Hannover Messe bestaunen. Dort übten sich die technischen Gehilfen allerdings mehr in der Bewirtung denn in der Montage. Am Stand von Kuka schenkte ein Roboter Weißbier ein, ein anderer reichte Kaffee.

Doch es geht nicht um Bier, Kaffee oder den Service. Was die Hersteller mit diesem Einsatz im Alltag zeigen wollen: Die Roboter sind kleiner und sensibler geworden und können Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten. Den Unternehmen winken dadurch ganz neue Möglichkeiten, ihre Roboter zu verkaufen. "Vor uns liegt eine gewaltige Welle", prophezeit etwa Helmut Schmid, der Westeuropa-Chef von Universal Robots.

Große, schwere Roboter sind schon lange im Einsatz; zum Beispiel in den Werkshallen der Autobauer, wo sie beim Schweißen und Lackieren helfen oder schwere Teile einsetzen. Auch diese Kolosse werden immer beweglicher. So zeigte Kawasaki auf der Hannover Messe, wie ein großer Roboter ein Quad hochhebt und es in verschiedenen Positionen elegant durch die Luft schweben lässt.

Da die Roboter immer besser und günstiger werden, steigen die Verkäufe seit Jahren. Auch der vielerorts hohe Nachholbedarf bei der Automatisierung, beispielsweise in China, treibt die Verkäufe. Der Absatz von Industrierobotern legte laut Branchenverband IFR 2015 um acht Prozent auf erstmals 239.000 verkaufte Einheiten zu. "Der weltweite Robotermarkt entwickelt sich mit großem Tempo", sagt Olaf Gehrels, Europa-Chef von Weltmarktführer Fanuc. Auch er betont: Der Trend gehe hin zu kollaborativen Robotern, die oft auf Standardmodellen basierten, aber mit ausgereiften Steuersystemen bestückt würden.

Was Roboter schon heute alles können
Pepper
1 von 16

Im Geschäft persönlich vom Roboter begrüßt zu werden - auch das kann bald für mehr Menschen Realität sein. „Pepper“ hat Knopfaugen, und er ist in astreinem Deutsch recht schonungslos: „Meiner bescheidenen Meinung nach ist dieses Modell nicht besonders schmeichelhaft für Ihre Figur. Dürfte ich Ihnen ein paar neu eingetroffene Modelle zeigen, die mir für Sie besonders gut gefallen?“ Eigene Infos werden per QR-Code auf dem Smartphone gespeichert, den der Roboter im Geschäft dann scannt. In Japan ist Pepper (von SoftBank) bereits aktiv.

Relay
2 von 16

Wer auf Reisen die Zahnbürste vergessen hat, kann sie bald von einer freundlichen Maschine aufs Zimmer gebracht bekommen. „Relay“, der Service-Roboter, wird in einigen US-Hotels im Silicon Valley getestet. Die Rezeptionistin legt Zahnbürste, Cola oder Sandwich in eine Box im Roboter, dann gibt sie die Zimmernummer des Gastes ein. „Relay“ kann sich selbst den Fahrstuhl rufen – auch wenn er noch ziemlich lange braucht, um wirklich einzusteigen. Er scannt vorher sehr ausgiebig seine gesamte Umgebung, um ja niemanden umzufahren. Vor der Zimmertür angekommen, ruft der Roboter auf dem Zimmertelefon an.

Wenn der Hotelgast öffnet, signalisiert ihm „Relay“ per Touchscreen: Klappe öffnen, Zahnbürste rausnehmen, Klappe wieder schließen. „Das Hotel ist für uns erst der Anfang“, sagt Adrian Canoso vom Hersteller Savioke. „Wir wollen „Relay“ auch in Krankenhäuser, Altenheime und Restaurants bringen, einfach überall dahin, wo Menschen essen oder schlafen.“

Budgee
3 von 16

„Budgee“ trägt die Einkäufe und rollt hinterher. Per Funksender in der Hand oder am Gürtel gesteuert, kann er bis zu 22 Kilogramm schleppen, so der US-Hersteller. Er folgt Herrchen oder Frauchen mit mehr als 6 Kilometern pro Stunde. Die Batterie hält angeblich zehn Stunden. „Budgee“ lässt sich zusammenklappen und im Kofferraum verstauen. Die ersten Vorbestellungen werden ausgeliefert, Stückpreis rund 1400 US-Dollar.

PR2
4 von 16

Roboter können nicht nur Einkäufe schleppen, sondern auch für viele Menschen unliebsame Arbeiten im Haushalt abnehmen – und damit sind nicht nur die Staubsaug-Roboter gemeint. Der „PR2“ des Institute for Artificial Intelligence (IAI) der Universität Bremen kann auch in der Küche zur Hand gehen, zumindest in der Laborküche.

Handshake
5 von 16

Ja, heutige Roboter können bereits feinmotorische Aufgaben übernehmen und etwa zuprosten, ohne dass das Sektglas zu Bruch geht. Das ist aber nicht die Besonderheit an diesem Bild. Der Arm rechts gehört Jordi Artigas, Wissenschaftler am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Der Roboterarm wird von Sergei Wolkow gesteuert – und der war nicht in Oberpfaffenhofen, sondern auf der Internationalen Raumstation ISS, wie im Hintergrund auf dem Monitor schemenhaft zu erkennen ist. Der „Tele-Handshake“ war nach Angaben des DLR ein weltweit einzigartiges Experiment.

iPal
6 von 16

„iPal“ ist ein künstlicher Freund und Spielgefährte. Der Roboter ist so groß wie ein sechsjähriges Kind. Er kann singen und tanzen, Geschichten vorlesen und spielen. Durch Gesichtserkennung und automatisches Lernen wird „iPal“ mit der Zeit immer schlauer. Er erinnert sich an Vorlieben und Interessen des Kindes. „iPal“ ist keine gefühllose Maschine“, behauptet John Ostrem vom Hersteller AvatarMind. „Er kann Emotionen erspüren und fühlt, wenn das Kind traurig ist.“ Der Roboter, der in rosa oder hellblau angeboten wird, übernimmt auch gleich ein paar vielleicht leidige Erziehungspflichten: Der eingebaute Wecker holt das Kind aus dem Schlaf. Die Wetter-App sagt ihm, was es anziehen soll, und eine Gesundheits-App erinnert ans Händewaschen.

„iPal“ wurde vor allem für den chinesischen Markt entwickelt. Ostrem erläutert: „Dort gibt es in den Ein-Kind-Familien viele einsame Kinder, deren Eltern wenig Zeit haben und die einfach niemanden zum Spielen haben.“ Anfang 2016 soll es „iPal“ dort für etwa 1000 US-Dollar (knapp 900 Euro) geben.

Justin
7 von 16

Solche Aufgaben, wie etwa dieses Zahnrad zu greifen und weiterzugeben, konnte der DLR-Roboter „Justin“ schon 2012. Dass er aus dem All gesteuert wird, ist jedoch neu und bislang einzigartig.

Neue, kleine Leichtbauroboter können neben dem Menschen Teile aufpicken und platzieren, Maschinen bestücken, Sachen verpacken oder einfache Laborarbeiten übernehmen. Die Zulassung sei kein Problem mehr, Unfälle habe es bislang nicht gegeben, sagt Schmid von Universal Robots. Inzwischen würden viele Konzerne, aber auch Mittelständler die ersten Leichtbauroboter kaufen, um sie auszuprobieren. "Wenn diese Tests erfolgreich verlaufen, wird die Nachfrage sprunghaft ansteigen." Laut dem Branchendienst Markets & Markets könne der Markt von 120 Millionen Dollar im vergangenen Jahr auf 3,5 Milliarden Dollar im Jahr 2022 wachsen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Großes Potential in der Elektroindustrie
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Seite an Seite mit dem Menschen - Die Roboter kommen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%