Smarte Dienstleistungen Lukrative Partnerschaften

Es ist eine Wette auf die Zukunft: Smarte Dienstleistungen sollen das Servicegeschäft von Maschinen- und Anlagenbauern langfristig stützen. Doch erst durch Fortschritte bei der Vernetzung sind sie möglich.
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„Als reine Hardwarelieferanten können nur Nischenhersteller überleben“, sagt Volker Bellersheim von Dr.  Wieselhuber & Partner. Quelle: Handelsblatt
Dürr-Roboter im Einsatz

„Als reine Hardwarelieferanten können nur Nischenhersteller überleben“, sagt Volker Bellersheim von Dr. Wieselhuber & Partner.

(Foto: Handelsblatt)

KölnWenn die Lackieranlage von Dürr einmal nicht rund läuft, hilft der Griff zum Tablet. Per Videochat können Maschinenführer den Experten des Herstellers zeigen, wo es hakt - und bekommen Tipps, wie sich das Problem beheben lässt. Ist eine Komponente verschlissen, kann durch Scannen eines QR-Codes am Bauteil ein passender Ersatz bestellt werden. Auf Wunsch schalten sich Dürr-Mitarbeiter auch über eine gesicherte Datenverbindung auf die Maschine auf und gehen aus der Ferne auf Fehlersuche.

Schnellere Hilfe, genauere Analysen: Schritt für Schritt hat Dürr seinen Kundenservice erweitert - als Teil einer großen Digitalisierungsoffensive. Dazu zählt auch, dass die Anlagen selbst cleverer werden: Ein Wartungsassistent in Form eines Minicomputers wertet permanent Zustände der Roboterarme und anderer Komponenten aus - und meldet sich frühzeitig, wenn Probleme drohen. „Unser Ziel ist es, die Verfügbarkeit der Anlagen stetig zu steigern“, sagt Hans Schumacher, Vorstandssprecher von Dürr Systems. „Dabei helfen digitale Tools enorm.“

Smarte Services gehören bei Dürr seit fünf Jahren zur Geschäftsstrategie. Seither wurde viel in Software und neue Prozesse investiert. „Das ist ein enormer Kraftakt“, sagt Schumacher. Eine Wette auf die Zukunft ist es auch: Viele der neuen Dienstleistungen sollen das Servicegeschäft langfristig stützen. Darauf entfallen heute schon etwa 30 Prozent des Konzernumsatzes.

Dürr steht exemplarisch für die ganze Branche: Reihenweise präsentieren Maschinen- und Anlagenbauer auf der Hannover Messe neue Servicekonzepte, die erst durch die Fortschritte bei der Vernetzung und der Datenauswertung möglich sind. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Industriekunden. „Als reine Hardwarelieferanten werden nur Nischenhersteller überleben können“, sagt Volker Bellersheim, Industrieexperte der Münchener Beratung Dr. Wieselhuber & Partner.

Vom Robo-Tentakel bis zur Mini-Kanzlerin
Eröffnung mit Amtskollegin aus Polen
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Mit dem traditionellen Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag die Hannover Messe für Besucher begonnen. Die CDU-Politikerin hatte die als weltgrößte Industrieschau geltende Messe am Vorabend zusammen mit Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo aus dem diesjährigen Partnerland offiziell eröffnet.

Am Siemens-Stand
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Konzernchef Joe Kaeser zeigt den beiden Regierungschefinnen einen 3D-Drucker. Die fünftägige Hannover Messe ist im 70. Jahr ihres Bestehens erneut dem Leitthema der vernetzten Industrie gewidmet

Mini-Kanzlerin
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Der Siemens-Chef schenkte Merkel eine Miniaturversion der Kanzlerin aus dem 3D-Drucker. Bei der Eröffnungsfeier am Sonntag hatte die Bundeskanzlerin eindringlich für offene Märkte plädiert. Abschottung und Protektionismus führten auf Dauer immer wieder zu Verlusten, warnte sie.

Miniatur-Motor am Stand von Faulhaber
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Die Hannover Messe gilt als weltgrößte Leistungsschau für industrielle Neuerungen. Erwartet werden rund 200.000 Besucher und 6500 Aussteller – 60 Prozent davon aus dem Ausland.

Merkel und Szydlo betrachten eine Modellbahn
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Mit Blick auf Polen sagte die Kanzlerin: „Unsere beiden Länder verbindet heute ja weit mehr als nur eine gemeinsame Grenze.“ Polen hätte letztlich auch dazu beigetragen, dass die deutsche Trennung der Geschichte angehöre. „Das werden wir nicht vergessen“, erklärte sie. Die bilateralen Beziehungen seien ein Beispiel für den Offenheitsgrad der deutschen Wirtschaft.

Roboter-Tentakel am Stand von Festo
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Roboter sind das Trendthema der Messe. Vor allem die Industriehelfer ermöglichen, in immer neue Dimensionen vorzustoßen. Ob in der Fertigung, der Logistik oder im privaten Haushalt: die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter wird ausgefeilter.

Leichtbauroboter „Bionic Cobot“
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Der Hersteller Festo präsentiert einen pneumatischen Leichtroboter, der dem menschlichen Arm nachempfunden ist und feinfühlige Bewegungen ausführt.

Weit verbreitet sind heute datengetriebene Wartungskonzepte, während man früher auf Erfahrungswerte angewiesen war. Wann eine Komponente ersetzt werden muss, verraten immer öfter selbstlernende Algorithmen. Sie gleichen Zustandsdaten mit einem stetig wachsenden Datenpool ab. So versucht der Hersteller vorherzusagen, wann ein Austausch tatsächlich notwendig ist. Fachleute sprechen von Predictive Maintenance.

Eine Voraussetzung für die vorausschauende Wartung ist, dass Bauteile in Echtzeit überwacht werden. Damit beginnt für die Hersteller der Service schon bei der Produktentwicklung. 60 Sensoren hat beispielsweise DMG Mori in eine Fräsmaschine verbaut, um verlässliche Daten über den Maschinenstatus zu bekommen. Für die „Werkzeugmaschine 4.0“ kooperierte das Unternehmen, das bis 2013 in Deutschland unter dem Namen Gildemeister firmierte, mit dem Zulieferer Schaeffler.

Nicht alle erlauben den Rückfluss von Daten
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