Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Industrie 4.0 – Schritt halten mit der Zukunft

Sparprogramm Trotz Stellenabbau – Kuka-Chef Mohnen winkt dauerhafter Vertrag

Maschinenbauer Kuka legt ein hartes Sparprogramm auf. Der verantwortliche Interimschef Mohnen wird allerdings nicht verjagt – im Gegenteil.
Kommentieren
Die Weichen für eine dauerhafte Anstellung des Managers als Kuka-Chef sind gestellt. Quelle: dpa
Peter Mohnen auf der Bilanz-Pressekonferenz

Die Weichen für eine dauerhafte Anstellung des Managers als Kuka-Chef sind gestellt.

(Foto: dpa)

MünchenEs war kein leichter Gang für Peter Mohnen. Am Donnerstagnachmittag trat der Kuka-Interimschef bei einer Betriebsversammlung vor die Beschäftigten in Augsburg und verkündete den Abbau von 350 Vollzeit-Arbeitsplätzen. Es falle ihm nicht leicht und er könne sich vorstellen, dass manche Beschäftigte ein mulmiges Gefühl hätten, sagte Mohnen laut Teilnehmern. Es werde kein einfacher Weg, doch nur so könne man Kuka auf die Erfolgsspur zurückbringen.

Es sagt einiges über Mohnens Rückhalt bei der Belegschaft, dass es keine wütenden Proteste gab, sondern am Ende seiner Rede vereinzelt auch freundlichen Applaus. Der Augsburger Betriebsratschef Armin Kolb forderte anschließend zwar den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen.

Doch wollten die Beschäftigten auch ein Signal an den chinesischen Großaktionär Midea senden. „Peter Mohnen macht einen guten Job“, sagt der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Michael Leppek von der IG Metall dem Handelsblatt. Die Arbeitnehmer seien dafür, dass Mohnen möglichst schnell einen ordentlichen Vertrag bekomme.

Bislang hatte der Eigentümer Midea gezögert. Nach einer schwachen operativen Entwicklung und Gewinnwarnungen hatte der langjährige Kuka-Vorstandschef Till Reuter Ende vergangenen Jahres seinen Hut nehmen müssen. Finanzvorstand Mohnen rückte interimistisch auf und verkündete ein 300-Millionen-Euro-Sparprogramm.

Grafik

Doch ob er selbst das wird umsetzen dürfen, ist offiziell noch offen. Midea sah sich auch extern nach einem Nachfolger für Reuter um. Bis zur Bilanzvorlage am Donnerstag blieb die wichtige Führungsfrage, die auch die Beschäftigten weiter verunsicherte, offen.

„Mein Vertrag, der ist jetzt nicht wichtig“

Doch nach Informationen des Handelsblatts aus dem Umfeld des Aufsichtsrats sind die Weichen gestellt. Wenn nichts Unvorhergesehenes mehr passiere, werde der Vertrag Mohnens noch vor der Hauptversammlung im Mai in eine ordentliche CEO-Anstellung umgewandelt, hieß es. Midea habe im Aufsichtsrat entsprechende Signale gegeben. Mohnen selbst wies das Thema bei der Bilanzvorlage galant von sich. „Mein Vertrag, der ist jetzt nicht wichtig“, sagte er. Er arbeite mit aller Kraft und Energie daran, Kuka wieder auf profitablen Wachstumskurs zu bringen.

Der Fall Kuka steht unter besonderer Beobachtung. Midea hatte das Augsburger Unternehmen für mehr als vier Milliarden Euro übernommen und damit Ängste vor einem Ausverkauf deutscher Hochtechnologie ausgelöst. Reuters Abgang und der nun angekündigte Stellenabbau bestätigen die Befürchtungen der Skeptiker. Allerdings ist der Großteil der Probleme von Kuka zum einen auf die Konjunkturabkühlung insbesondere in der Autoindustrie zurückzuführen, die der wichtigste Abnehmer von Industrierobotern weltweit ist.

Hinzu kamen hausgemachte Probleme, die größtenteils nichts mit Midea zu tun haben. So liefen einzelne Projekte in der Anlagenbausparte nicht gut. Zudem war die Produktpalette von Kuka lückenhaft. Auf dem wichtigen Abnahmemarkt China boomt derzeit die Nachfrage nach einfachen Robotern. Da hatten die Augsburger aber überhaupt kein Angebot. Erst in diesem und im nächsten Jahr kommen neue Modelle auf den Markt.

All diese Probleme führten zu einer schwachen Bilanz 2018. Der Umsatz im Konzern sank um knapp sieben Prozent auf 3,2 Milliarden Euro – Reuter hatte ursprünglich 3,5 Milliarden Euro versprochen. Dabei musste auch die Robotiksparte, die über Jahre zweistellig zugelegt hatte, erstmals seit 2009 Einbußen hinnehmen. Auch im Anlagenbau und bei Swisslog lief es nicht gut.

Dass diese Entwicklung nicht nur am Markt liegt, zeigt sich daran, dass der Konkurrent ABB 2018 die Umsätze in seiner Robotik- und Antriebssparte um neun Prozent steigerte. „Die Faktoren für einen langfristigen Aufwärtstrend in der Automatisierung und Robotik sind intakt“, sagte ABB-Vorstand Sami Atiya dem Handelsblatt. Auch in China und in der Autoindustrie sei man zuletzt gewachsen.

Auch beim Gewinn blieb Kuka meilenweit hinter den ursprünglichen Erwartungen – und hinter manchem Konkurrenten – zurück. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen sank von 148 auf gut 96 Millionen Euro, was nur noch einer Marge von 3,0 Prozent entspricht. Hier waren anfangs 5,5 Prozent in Aussicht gestellt worden. Unter dem Strich stand gerade einmal ein Nettogewinn von 16,6 Millionen Euro.

Es sei kein Wunder, dass die chinesischen Eigentümer verärgert seien, meint ein Insider. Ex-Chef Reuter hatte in seinen Mittelfristprognosen einst für 2020 einen Umsatz von bis zu 4,5 Milliarden Euro und eine operative Umsatzrendite von 7,5 Prozent vorgesehen. „Die Chinesen haben die Story gekauft.“ Doch sei der Roboterbauer von diesen Zielen nun meilenweit entfernt. Es sei verständlich, dass der Eigentümer, der knapp 95 Prozent hält, auf rasche Verbesserungen dränge. „Die Chinesen sind sehr zahlengetrieben. Aber dieselbe Situation hätten wir mit jedem anderen Anteilseigner auch.“

Dem Unternehmen fehlen Aufträge aus der Autoindustrie. Quelle: dpa
Kuka-Roboter im Werk Augsburg

Dem Unternehmen fehlen Aufträge aus der Autoindustrie.

(Foto: dpa)

Dass die Chinesen mit einem dauerhaften Vertrag für Mohnen bislang gezögert haben, dürfte auch daran liegen, dass er als Finanzvorstand mit in der Verantwortung für die vergangenen Jahre stand. Er selbst sagte dazu am Donnerstag: „Auch ich habe eine Verantwortung und sicher auch nicht alles richtig entschieden.“ Allerdings habe man eben auch viel richtig gemacht. Die Wachstumsraten der vergangenen Jahre seien ein Beleg dafür. „Dass sich das konjunkturelle Umfeld geändert hat, das trifft nicht nur uns.“

Dass sich im vergangenen Jahr die Chinaträume von Kuka nicht erfüllt haben, liegt aber auch daran, dass die Zusammenarbeit von Kuka mit dem Eigentümer noch nicht so gut läuft wie geplant. Mohnen sagte zwar: „Wir arbeiten mit Midea vertrauensvoll und gut zusammen.“ Er sei froh, den Großaktionär an Bord zu haben. China sei in der Robotik der wichtigste Wachstumsmarkt, da könne die Partnerschaft nur helfen.

Kooperation mit Midea soll endlich besser werden

Doch setzt Midea in den eigenen Hausgerätefabriken noch nicht so viele Roboter ein wie von manchem in Augsburg erhofft. Laut Mohnen haben die Chinesen bislang in ihren Fertigungsstätten „mehrere Hundert Kuka-Roboter integriert“. Laut Industriekreisen waren auch manchem Midea-Werksleiter allerdings die Kuka-Roboter zu teuer, zeitweise soll es auch Lieferschwierigkeiten gegeben haben. Eine deutsch-chinesische Taskforce mit „interkulturell erfahrenen Fachkräften“ soll nun helfen, die Kooperation mit Midea zu verbessern.

Doch dürfte sich die Stimmung erst verbessern, wenn Kuka die Profitabilität steigert und auf den Wachstumskurs zurückkehrt. Hier verspricht Mohnen schon für das laufende Jahr Verbesserungen. Wenn das Umfeld stabil bleibt, rechnet er für 2019 mit einem leichten Umsatzanstieg auf 3,3 Milliarden Euro und einer bereinigten Ebit-Marge von rund 3,5 Prozent.

Insgesamt sollen mit dem Effizienzprogramm bis 2021 rund 300 Millionen Euro eingespart werden. Wie dies im Detail gelingen soll, ließ Mohnen offen. Der Abbau von 350 der etwa 4000 Stellen am Heimatstandort Augsburg, den er nun verkündete, wird dies alleine nicht einbringen. Mohnen betonte, dass die Maßnahmen möglichst sozialverträglich umgesetzt werden sollen. Betriebsbedingte Kündigungen als letzte Lösung schloss er aber nicht aus.

Ob es weiteren Stellenabbau anderswo in der Welt geben könnte, wollte Mohnen nicht klar beantworten. In den USA sei wegen sinkender Nachfrage zwischenzeitlich die Zahl der Stellen bereits um 500 reduziert worden. Wegen neuer Aufträge habe es aber auch wieder Neueinstellungen gegeben. Ähnlich sei die Situation in China gewesen.

Unter dem Strich war die Zahl der Beschäftigten 2018 mit 14.256 stabil. Mohnen will nicht nur die Kosten senken, sondern auch die Investitionen gezielter einsetzen. Es sollen verstärkt Produkte entwickelt werden, die speziell auf regionale Märkte zugeschnitten sind.

In Aufsichtsratskreisen wird bemängelt, dass die Produktpalette nicht optimal gewesen sei. Klassische Roboter habe Kuka in den vergangenen Jahren gut weiterentwickelt. Bei den etwas ferneren Zukunftsthemen seien die Augsburger ebenfalls gut unterwegs. Es hätten aber teilweise die Innovationen für die Zeit dazwischen gefehlt. Mit den nun kommenden einfacheren Scara- und Deltarobotermodellen sei man aber schon wieder auf einem ganz guten Weg.

Mehr Expertise gefordert

Dennoch fordern die Arbeitnehmer mehr technische Expertise im Vorstand. „Wir brauchen einen dritten Vorstand. Wir brauchen jemanden, der die technischen Themen vorantreibt“, sagte Aufsichtsratsvize Leppek von der IG Metall dem Handelsblatt. Kuka sei bislang vor allem noch eine Hardware-Firma und müsse bei Software besser werden.

Mohnen steht der Forderung nach einer Erweiterung des Vorstands, zum Beispiel um einen Chief Technology Officer (CTO), offen gegenüber. „Wir brauchen bei Kuka als Maschinenbauer natürlich technologische Kompetenz, und das auch im Vorstand.“ Derzeit bildet er mit Finanzvorstand Andreas Pabst ein Zweier-Team. Daraus dürfte bald ein Trio werden.

Dieses muss dann das Geschäft wieder in Schwung bringen. Grundsätzlich sind die Perspektiven für alle Hersteller weiter gut. Der Branchenverband International Federation of Robotics rechnet für die nächsten Jahre im Schnitt beim Absatz von Industrierobotern mit jährlichen Wachstumsraten von 14 Prozent.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Auslieferungen Prognosen zufolge um zehn Prozent auf den Rekordwert von 421.000 verkauften Robotern gestiegen. China ist inzwischen mit zuletzt geschätzt 165.000 ausgelieferten Robotern der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt.

Derzeit bauen viele Konzerne entsprechend Entwicklungskapazitäten in China auf. Auch Kuka ist aktiv. Allerdings betonte Mohnen, dass dies nichts mit dem Eigentümer Midea zu tun habe. Man müsse den Märkten folgen. Insgesamt gelte aber weiterhin: „Das Herz und der Kopf unseres Know-hows sind in Augsburg und bleiben auch dort.“

Dass Mohnen dies immer wieder betonen muss, zeigt, wie groß die Skepsis gegenüber chinesischen Investoren inzwischen ist. Nach der spektakulären Kuka-Übernahme waren die Hürden für ausländische Investoren erhöht worden. Zusätzliche Unruhe hatte die Tatsache ausgelöst, dass neben Reuter auch weitere wichtige Führungskräfte den Konzern verließen. Gerade geht der Generalbevollmächtigte Siegfried Schwung, der die Investorenvereinbarung mit Midea ausgehandelt hatte. Darin gaben die Chinesen unter anderem Garantien für Standorte und Beschäftigung bis 2023.

Arbeitnehmervertreter und Management betonen immer wieder, dass die Vereinbarung natürlich weiterhin gültig sei. Der geplante Stellenabbau widerspreche den Zusicherungen nicht. Das Management sei natürlich frei, die Kapazitäten an die Marktentwicklung anzupassen. Doch so richtig frei wird Mohnen erst sein, wenn er nicht mehr nur Interims-Vorstandschef ist. Die Chancen stehen gut, dass sich dies bald ändert.

Startseite

Mehr zu: Sparprogramm - Trotz Stellenabbau – Kuka-Chef Mohnen winkt dauerhafter Vertrag

0 Kommentare zu "Sparprogramm: Trotz Stellenabbau – Kuka-Chef Mohnen winkt dauerhafter Vertrag"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote