Supercomputer Bei Problemen Watson fragen

Der neue Supercomputer von IBM heißt wie der berühmte Gehilfe von Sherlock Holmes: Watson. Nun soll er für den Landmaschinenhersteller John Deere die ganz schwierigen Fälle lösen.
Auf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigt IBM den Watson-Roboter. Im Herzen steckt ein Supercomputer. Quelle: dpa
Ein guter Zuhörer

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona zeigt IBM den Watson-Roboter. Im Herzen steckt ein Supercomputer.

(Foto: dpa)

HannoverDer Werk in Mannheim gehört ohnehin schon zu den produktivsten Fertigungsstätten des weltgrößten Landtechnikherstellers John Deere. Jeden Monat verlassen gut 2000 Traktoren die Bänder, weitaus mehr Getriebe werden für andere Agrarmaschinen des Konzerns hergestellt. Die Produktion des größten Werks von John Deere in Europa ist weitgehend automatisiert und in Teilen digital vernetzt, wie vielfach in deutschen Fabrikhallen. Und doch wird das Mannheimer Werk für den nächsten großen Produktivitätssprung vorbereitet - und soll damit Vorbild auch für die anderen Werke des weltweit agierenden US-Konzerns werden. Dabei helfen soll IBM und sein Supercomputer Watson.

„Die Analyse von großen Datenmengen ist komplex und nur schwer beherrschbar“, sagte Plamen Kiradjiev, der Chefarchitekt 4.0 bei IBM in Deutschland am Dienstag auf der Hannover Messe. „Watson ist dagegen ein selbstlernendes System  und gibt einfache Antworten auf durchaus schwierige Fragen.“ Das intelligente System wird bereits in anderen Bereichen wie der Krebsforschung eingesetzt und punktet dort mit der präzisen Analyse unfassbar großer Datenmengen. Nun soll Watson für IBM auch die Welt der Industrie erobern. Zunächst als Vision, was alles schon möglich ist, aber durchaus konkret, wenn derzeit sein Einsatz in der Getriebefertigung bei John Deere in Mannheim getestet wird. Ab kommendem Jahr soll das intelligente System in der Produktion und Endmontage einsatzbereit sein.

Was Roboter schon heute alles können
Pepper
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Im Geschäft persönlich vom Roboter begrüßt zu werden - auch das kann bald für mehr Menschen Realität sein. „Pepper“ hat Knopfaugen, und er ist in astreinem Deutsch recht schonungslos: „Meiner bescheidenen Meinung nach ist dieses Modell nicht besonders schmeichelhaft für Ihre Figur. Dürfte ich Ihnen ein paar neu eingetroffene Modelle zeigen, die mir für Sie besonders gut gefallen?“ Eigene Infos werden per QR-Code auf dem Smartphone gespeichert, den der Roboter im Geschäft dann scannt. In Japan ist Pepper (von SoftBank) bereits aktiv.

Relay
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Wer auf Reisen die Zahnbürste vergessen hat, kann sie bald von einer freundlichen Maschine aufs Zimmer gebracht bekommen. „Relay“, der Service-Roboter, wird in einigen US-Hotels im Silicon Valley getestet. Die Rezeptionistin legt Zahnbürste, Cola oder Sandwich in eine Box im Roboter, dann gibt sie die Zimmernummer des Gastes ein. „Relay“ kann sich selbst den Fahrstuhl rufen – auch wenn er noch ziemlich lange braucht, um wirklich einzusteigen. Er scannt vorher sehr ausgiebig seine gesamte Umgebung, um ja niemanden umzufahren. Vor der Zimmertür angekommen, ruft der Roboter auf dem Zimmertelefon an.

Wenn der Hotelgast öffnet, signalisiert ihm „Relay“ per Touchscreen: Klappe öffnen, Zahnbürste rausnehmen, Klappe wieder schließen. „Das Hotel ist für uns erst der Anfang“, sagt Adrian Canoso vom Hersteller Savioke. „Wir wollen „Relay“ auch in Krankenhäuser, Altenheime und Restaurants bringen, einfach überall dahin, wo Menschen essen oder schlafen.“

Budgee
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„Budgee“ trägt die Einkäufe und rollt hinterher. Per Funksender in der Hand oder am Gürtel gesteuert, kann er bis zu 22 Kilogramm schleppen, so der US-Hersteller. Er folgt Herrchen oder Frauchen mit mehr als 6 Kilometern pro Stunde. Die Batterie hält angeblich zehn Stunden. „Budgee“ lässt sich zusammenklappen und im Kofferraum verstauen. Die ersten Vorbestellungen werden ausgeliefert, Stückpreis rund 1400 US-Dollar.

PR2
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Roboter können nicht nur Einkäufe schleppen, sondern auch für viele Menschen unliebsame Arbeiten im Haushalt abnehmen – und damit sind nicht nur die Staubsaug-Roboter gemeint. Der „PR2“ des Institute for Artificial Intelligence (IAI) der Universität Bremen kann auch in der Küche zur Hand gehen, zumindest in der Laborküche.

Handshake
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Ja, heutige Roboter können bereits feinmotorische Aufgaben übernehmen und etwa zuprosten, ohne dass das Sektglas zu Bruch geht. Das ist aber nicht die Besonderheit an diesem Bild. Der Arm rechts gehört Jordi Artigas, Wissenschaftler am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Der Roboterarm wird von Sergei Wolkow gesteuert – und der war nicht in Oberpfaffenhofen, sondern auf der Internationalen Raumstation ISS, wie im Hintergrund auf dem Monitor schemenhaft zu erkennen ist. Der „Tele-Handshake“ war nach Angaben des DLR ein weltweit einzigartiges Experiment.

iPal
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„iPal“ ist ein künstlicher Freund und Spielgefährte. Der Roboter ist so groß wie ein sechsjähriges Kind. Er kann singen und tanzen, Geschichten vorlesen und spielen. Durch Gesichtserkennung und automatisches Lernen wird „iPal“ mit der Zeit immer schlauer. Er erinnert sich an Vorlieben und Interessen des Kindes. „iPal“ ist keine gefühllose Maschine“, behauptet John Ostrem vom Hersteller AvatarMind. „Er kann Emotionen erspüren und fühlt, wenn das Kind traurig ist.“ Der Roboter, der in rosa oder hellblau angeboten wird, übernimmt auch gleich ein paar vielleicht leidige Erziehungspflichten: Der eingebaute Wecker holt das Kind aus dem Schlaf. Die Wetter-App sagt ihm, was es anziehen soll, und eine Gesundheits-App erinnert ans Händewaschen.

„iPal“ wurde vor allem für den chinesischen Markt entwickelt. Ostrem erläutert: „Dort gibt es in den Ein-Kind-Familien viele einsame Kinder, deren Eltern wenig Zeit haben und die einfach niemanden zum Spielen haben.“ Anfang 2016 soll es „iPal“ dort für etwa 1000 US-Dollar (knapp 900 Euro) geben.

Justin
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Solche Aufgaben, wie etwa dieses Zahnrad zu greifen und weiterzugeben, konnte der DLR-Roboter „Justin“ schon 2012. Dass er aus dem All gesteuert wird, ist jedoch neu und bislang einzigartig.

Auf der Hannover Messe zeigt IBM schon, was die John-Deere-Beschäftigten in Mannheim erwarten wird. An einem Montageplatz tritt plötzlich ein Problem auf, blinkende Lampen signalisieren, dass irgendwas nicht in Ordnung ist. Der Mitarbeiter hat spontan keine Idee, was es sein könnte und schickt Watson im 6000 Kilometer entfernt liegenden New York ein Foto seines Arbeitsplatzes.

Binnen Sekunden meldet sich der Supercomputer, hat die Maschinerie identifiziert, mit ihr Kontakt aufgenommen, die Daten ausgetauscht  und schlägt dem menschlichen Kollegen nach Analyse und Fehlerwahrscheinlichkeit vor, doch einfach mal eine bestimmte Schraube zu lösen, den Schwenkarm mit einer speziellen Flüssigkeit zu säubern und die Metallspäne zu entfernen. Das alles über ein angeschlossenes Tablet und in direkter Kommunikation über Sprache.

Denn Watson kann reden und erklären und nicht nur Mails mit Anordnungen verschicken. Auf die Frage des Mitarbeiters, wann er denn nun eingreifen soll, schlägt Watson ihm noch vor, dies doch um drei Uhr zu tun: Zu diesem Zeitpunkt gebe es etwas Luft in der Produktion. Außerdem könne er doch gleich die ohnehin anstehende Wartung des Schwenkarms gleich mit übernehmen, da es zeitlich gut passen würde.  

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