Volkswagen in Hannover Wie VW nach vorne blickt

3D-Druck, Datenbrillen und eine E-Auto-Weltexklusivität: VW will den Abgasskandal abschütteln und inszeniert sich auf der Hannover Messe als digitaler Vorreiter. Doch der Autobauer fremdelt sichtlich mit der Zukunft.
VW zeigt auf der Hannover Messe, wie man sich die digitale Zukunft vorstellt. Quelle: dpa
Augen auf und durch

VW zeigt auf der Hannover Messe, wie man sich die digitale Zukunft vorstellt.

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Hannover„Aaaah, faszinierend“, brummt Werner Schreiber freudig während er von einem Auto zum nächsten schreitet. Vor einem blauen SUV-Kompaktwagen macht er Halt. „Mein Liebling, der Tiguan GTE“, erklärt der Konzernforschungsleiter von Volkswagen für den Bereich virtuelle Technik. Das Besondere an dem Fahrzeug? Es ist die erste Geländelimousine, die VW auch als Plug-In-Hybrid, einer Mischform aus Verbrenner und Elektroauto, anbieten möchte.

„Weltexklusiv“, erklärt Schreiber hätte man im Rahmen einer Studie den Wagen zudem mit einem Solarmodul ausgestattet, das sauberen Sonnenstrom in die Batterie des Pkw schleust. Damit könnten jährlich bis zu 1000 Kilometer zusätzlich emissionsfrei zurückgelegt werden.

Acht Monate nach Bekanntwerden des Dieselskandals präsentiert sich Volkswagen auf der weltgrößten Industrie-Messe in Hannover, die am Montag offiziell startet, mit einem Stand, der in puncto Größe und Ausstattung dem Auftritt vergangener Jahre um nichts nachsteht. An der Zukunft, so die Botschaft, wird nicht gespart.

Dabei meldete der Konzern gerade den größten Verlust in der Unternehmensgeschichte. Für 2015 weisen die Wolfsburger ein Minus von rund 4,1 Milliarden Euro aus. Hauptverantwortlich dafür sind Rückstellungen in der Höhe von 16,2 Milliarden Euro, die VW bildete, um die Folgen der systematischen Manipulation von Abgaswerten bei elf Millionen Fahrzeugen zu schultern.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

„Volkswagen ist trotz der schweren Zeit gerne hier“, wischt VW-Manager Schreiber die  existenzbedrohende Krise seines Arbeitsgebers galant beiseite. Der Mann mit der schmalen Brille, dem schütteren Haar und der rot-weiß-gestreiften Krawatte hat seine Ansprache vor einem Tross an Journalisten feinsäuberlich vorbereitet. Auf gut einem Dutzend Kärtchen ist Satz für Satz seines Vortrags  notiert. Er möchte in Hannover zeigen, wie Volkswagen den technologischen Wandel des Autos vorantreibt.

„Wir fokussieren uns dieses Jahr auf die Digitalisierung und die Elektromobilität“, erklärt Schreiber vor einem Exponat, das einen typischen Produktionsablauf zeigt, bei dem Mensch und Roboter in einem Raum ganz ohne Abgrenzung zusammenarbeiten. „Das steht kurz vor dem Serieneinsatz“, sagt Schreiber und bittet in den „Digitalisierungsraum“ am Volkswagen-Messestand in Halle 15.

„Wir kommen nun zum Herz der Marke“
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