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Industrie 4.0 – Schritt halten mit der Zukunft

VW-Tochter MAN Energy Solutions setzt auf Wasserstoff als Energieträger

Den Begriff Diesel hat der Augsburger Motorenbauer bereits gestrichen. Jetzt steigt das Unternehmen mit einer Übernahme in die Wasserstoffwirtschaft ein.
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Bei Power-to-X-Anlagen wird Strom mithilfe von Elektrolyse zum Beispiel in grünen Wasserstoff umgewandelt. Quelle: imago/Florian Schuh
Ein Auto steht an einer Wasserstofftankstelle

Bei Power-to-X-Anlagen wird Strom mithilfe von Elektrolyse zum Beispiel in grünen Wasserstoff umgewandelt.

(Foto: imago/Florian Schuh)

MünchenDen Begriff Diesel hat die VW-Tochter MAN Energy Solutions schon aus dem Firmennamen getilgt. Der Motoren- und Anlagenbauer will das Geschäft mit nachhaltigen Technologien bis zum Jahr 2030 auf mehr als 50 Prozent Anteil am Gesamtgeschäft ausbauen. Auf diesem Weg steigt die frühere MAN Diesel & Turbo nach Informationen des Handelsblatts jetzt mit einer Beteiligung am Elektrolyse-Spezialisten H-Tec Systems in die Wasserstoffwirtschaft ein.

In einem ersten Schritt übernimmt MAN Energy Solutions 40 Prozent der Anteile. Gleichzeitig sicherte sich der Konzern die Option auf eine spätere Komplettübernahme. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. „Das ist ein Signal, dass wir es mit dem Einstieg in das Thema Wasserstoff ernst meinen“, sagte Vorstandschef Uwe Lauber dem Handelsblatt.

MAN Energy Solutions bietet schon heute sogenannte Power-to-X-Anlagen an. In diesen wird Strom mithilfe von Elektrolyse zum Beispiel in grünen Wasserstoff umgewandelt. Dieser kann dann später in Kraftwerken verbrannt, mit einem Anteil von bis zu zehn Prozent in das Erdgasnetz eingespeist werden oder als Kraftstoff Autos und Schiffe antreiben.

In Zeiten der Energiewende könnte Power to X ein Ausweg aus einem Dilemma sein: An sonnen- oder windreichen Tagen wird durch Photovoltaik und Windräder viel Strom gewonnen. Es ist aber schwierig, diesen für Spitzenzeiten zu speichern. Zwar räumt auch Lauber ein, dass bei der Elektrolyse erhebliche Wirkungsgradverluste entstehen. „Bei Umwandlungsprozessen habe ich immer Verluste.“ Doch müssten heute Windräder oft abgeschaltet werden, wenn das Netz den Strom nicht mehr aufnehmen könne.

Auch Siemens betreibt unter anderem eine Testanlage in Mainz, in der der Strom aus einem benachbarten Windrad in Wasserstoff umgewandelt wird. „Ich bin sehr sicher, dass sich Wasserstoff als ein zentraler Energieträger im Zeitalter der Energie- und Verkehrswende durchsetzen wird“, sagt auch Daniel Teichmann, der mit seinem Start-up Hydrogenious ein Verfahren entwickelt hat, mit dem Wasserstoff sicher und einfach transportiert und gelagert werden kann. Er kann sich den Einsatz von Wasserstoff beim Antrieb von Nutzfahrzeugen und Schiffen gut vorstellen.

Auch Lauber sieht insbesondere Schiffe als geeignet. MAN Energy Solutions verkauft heute unter anderem große Schiffsmotoren. Auch auf See sei Dekarbonisierung ein großes Thema. „Wir können aber nicht nur in Richtung Batterien gehen. Das geht vielleicht bei kleinen Fähren, aber nicht bei großen Containerschiffen.“ Bislang setzte MAN Energy Solutions in seinen ersten Anlagen Elektrolyseure anderer Anbieter an. Künftig will der Konzern über die Beteiligung an H-Tec auch eigene entwickeln.

„Wenn ich Komplettanlagen bauen will, ist das ein logischer Schritt“, sagt Lauber. In Pilotprojekten sei die Technologie ausreichend getestet. „Nun müssen wir auch größere Anlagen bauen.“ Der Markt könne schon 2020 laut Experten bei 200 Megawatt liegen, was etwa vier größeren Anlagen entspricht. „In den nächsten drei bis fünf Jahren wird sich ein kommerzieller Markt entwickeln.“

H-Tec Systems forscht und entwickelt seit gut 20 Jahren im Bereich der Wasserstofftechnologie. Seit 2010 gehört die Firma zum auf erneuerbare Energien spezialisierten Projektentwickler GP Joule, der vorerst weiterhin 60 Prozent halten wird. „Um unsere Innovationskraft zu bewahren und in Serienfertigung und internationalen Vertrieb einzusteigen, können wir nun auf die langjährige Kompetenz eines international tätigen Unternehmens bauen“, sagte GP-Joule-Chef Ove Petersen.

Für MAN Energy Solutions handelt es sich um eine Investition; die relevanten Umsätze werden erst in der Zukunft kommen. Denn noch ist die Technologie vergleichsweise teuer und nicht massentauglich. Das Problem hierzulande: Wer heute Strom in Power-to-X-Anlagen einsetzt, wird so behandelt wie jeder Letztverbraucher. Mit anderen Worten: Er zahlt alle Steuern, Umlagen und Abgaben auf den Strompreis – obwohl der Strom mittels Power to X nur in einen anderen Energieträger umgewandelt und erst später verbraucht wird.

„In Deutschland müssen endlich die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden“, forderte Lauber deswegen. Erst kürzlich hatte er mit anderen Unternehmen im Rahmen des Maschinenbau-Verbands VDMA eine Arbeitsgruppe gegründet. Laut der Beratungsgesellschaft E-Bridge sind derzeit bundesweit erst 20 Megawatt Elektrolyseleistung installiert. Um zusätzliche Ökostrommengen transportieren zu können, würden in den nächsten 15 Jahren aber mehr als 2000 Megawatt benötigt.

Hier sieht Lauber große Chancen für MAN Energy Solutions. Das Traditionsunternehmen – Rudolf Diesel hatte 1897 den ersten Dieselmotor bei MAN in Augsburg fertiggestellt – hieß ursprünglich MAN Diesel & Turbo. Die Umbenennung im vergangenen Jahr soll die eigene Energiewende manifestieren.

Noch sind traditionelle Dieselmotoren und Turbolader das Hauptgeschäft. Der Konzern dürfte insgesamt auf etwa drei Milliarden Euro Umsatz kommen. Die nachhaltigen Energien steuern heute fünf bis zehn Prozent zum Umsatz bei. So liefert das Unternehmen schon jetzt Turbinen für Biomassekraftwerke und Schiffsmotoren, die mit dem schadstoffärmeren LNG-Flüssiggas betrieben werden können.

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1 Kommentar zu "VW-Tochter : MAN Energy Solutions setzt auf Wasserstoff als Energieträger"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wasserstoff aus Windstrom ist eine sehr alte Idee.
    Suchen Sie doch mal in den Archiven (z.B. Bild der Wissenschaft) nach einem Windkraft Projekt in den 80ger Jahren mit dem Namen Adam und Eva.

    Adam war das Windrad und Eva die Dialysestation für Wasserstoff. Wasserstoff sollte in Rohrleitungen den Verbrauchern zugeführt werden. Beide Technologien waren schnell zu realisieren, aber es gab keine bezahlbares Material für Rohrleitungen und Tanks, aus denen Wasserstoff nicht entweichen konnte.

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