50 Jahre BASIC Programmieren für die Massen

In den Anfangszeiten der Informatik konnte nur eine kleine Elite die Computer programmieren. Zwei Wissenschaftler am Dartmouth-College wollten dies vor 50 Jahren ändern – mit der Programmiersprache BASIC.
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John Kemeny (2. v. l.), Mitentwickler von BASIC, vor Studenten des Dartmouth College. Quelle: dpa

John Kemeny (2. v. l.), Mitentwickler von BASIC, vor Studenten des Dartmouth College.

(Foto: dpa)

BerlinComputer sind heute winzig klein und allgegenwärtig. Jedes Handy verfügt inzwischen über mehr Rechenleistung als die Supercomputer vor 50 Jahren. Personal Computer gab es damals noch nicht. Die Maschinen füllten große Räume aus. „Die Menschen hatten damals gar keine Vorstellung, was ein Computer ist“, sagt Tom Cormen von Dartmouth College. „Man konnte sich damals nicht vorstellen, dass eine Person einfach loslegen und einen Computer programmieren kann.“

Zwei Professoren an dem kleinen College im US-Bundesstaat New Hampshire wollten sich mit diesem Status Quo aber nicht abfinden. Die beiden Informatiker John G. Kemeny und Thomas E. Kurtz beschäftigten sich bereits seit 1956 mit Programmiersprachen. Kemeny hatte sich sogar schon 1943 im Rahmen der Entwicklung der ersten Atombombe mit der Arbeitsweise von Computern auseinandergesetzt und wurde später Assistent von Albert Einstein.

Vom Z1 zum PC
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Mit ihm fing alles an: Das Foto zeigt Konrad Zuse mit dem Nachbau seines Z1. Das mechanische Rechenwerk sollte Zuse lästige Rechenarbeiten abnehmen, die er für sein Bauingenieurstudium bewältigen musste. Der Z1 gilt als Vorläufer für den späteren Z3, den ersten frei programmierbaren Computer der Welt. Mit gerade einmal 26 Jahren baute Zuse 1936 in einer Berliner Wohnung den Rechner zusammen.

Foto: dpa

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Der Z1, hier im Berliner Technikmuseum zu sehen, füllte noch den Platz eines Doppelbetts und war wegen mechanischer Probleme unzuverlässig. Zusammen mit dem Rechner erfand Zuse die Nutzung des Binärsystems als Grundlage der modernen Informatik. Alternative Ansätze konnten sich nie durchsetzen.

Foto: Wikipedia, Lizenz: GNU FDL

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1941 baute Zuse gemeinsam mit dem Erfinder Helmut Schreyer den Z3, den weltweit ersten funktionsfähigen Digitalrechner, der frei programmierbar war.

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In den USA galt lange der 1944 gebaute ENIAC als weltweit erster Computer. Anders als der Z3 wurde der ENIAC auf komplett elektronischer Basis konstruiert. Statt wie Zuses Rechner und alle modernen Computer arbeitete der ENIAC nicht auf Grundlage des Binärsystems, sondern mit dem Dezimalsystem.

Foto: US Army

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Ab den 1950er Jahren wurden Rechnersysteme auch für erste Unternehmen interessant. 1956 kündigte IBM den 305 RAMAC an, der von 1956 bis 1961 gebaut wurde. Es war der erste kommerziell erfolgreiche Computer mit eigener Festplatte, auf der fünf MegaByte Daten gespeichert werden konnten - deutlich weniger als ein Hundertstel dessen, was heute selbst auf kleinen USB-Sticks gespeichert werden kann. Die Maschine hatte ein Gewicht von einer Tonne.

Foto: US Army

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Waren Computer bis in die 1960er Jahre noch absolute Exoten, so eroberten sie ab den 1970er Jahren zunehmend Betriebe. Eines der populärsten Computermodelle dieser Zeit war die hier abgebildete 16-Bit-Maschine PDP11 von DEC. Sie wurde unter anderem bei der Steuerung von Kraftwerken, Verkehrswegen und Telefonnetzen eingesetzt. Ein offen spezifiziertes einfaches Bus-System ermöglichte Konkurrenzherstellern eigene Peripheriegeräte für den Computer zu bauen, was zur Popularität des Rechners beitrug.

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Die Ära der Supercomputer wurde ebenfalls in den 1970er Jahren eingeläutet. Besondere Bekanntheit erlangte in diesem Zusammenhang die Firma Cray. 1976 entwickelte ein Team unter Seymour Cray den hier abgebildeten Cray-1, den das Los Alamos National Laboratory, ein Forschungsinstitut der US-Regierung, für 8,8 Millionen Dollar kaufte. Insgesamt wurden weltweit etwa 80 Cray-1 verkauft - bei Stückpreisen zwischen fünf und acht Millionen Dollar ein Geschäft, das sich lohnte.

Foto: Wikipedia, Lizenz: CC

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich die Computer-Technologie rasant. Der Zugang zu den Großrechnern blieb aber auch an den Universitäten sehr begrenzt. Anfang der 60er Jahre sollte sich das langsam ändern: Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Computer in der Regel mit Stapeln von Lochkarten oder langen Lochstreifen gefüttert, auf denen die Befehle in Programmiersprachen wie Algol oder Fortran standen. Da immer nur ein Stapel zur gleichen Zeit verarbeitet werden konnte, gab es für die Wissenschaftler kaum Gelegenheit, einen Slot der wertvollen Computer-Zeit zu ergattern.

Über seine Kontakte zum benachbarten Massachusetts Institute of Technology (MIT) konnte Kemenys Kollege Kurtz die neusten Entwicklungen in der Computertechnologie quasi live mitverfolgen. Etwa die, dass Computer eben nicht mehr nur Befehle aus einer Quelle in einem Stapel abarbeiten konnten. Jetzt war es möglich, dass mehrere Benutzer gleichzeitig an einem Rechner arbeiten konnten („Time-Sharing“).

Kemeny und Kurtz erkannten schnell das Potenzial, das Time-Sharing eröffnete. Sie wollten nun mit BASIC eine Programmiersprache schaffen, mit der man möglichst einfach mit dem Computer kommunizieren konnte. Der Name BASIC („Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code“) erklärt die Absicht der beiden Wissenschaftler. Sie wollten eine „symbolische Allzweck-Programmiersprache für Anfänger“ zur Verfügung stellen, die „basic“, also grundlegend ist.

Am 1. Mai 1964 um vier Uhr morgens war es dann soweit. Mit einem Knopfdruck starteten Kemeny und Kurtz auf einem GE-225-Computer von General Electric das erste BASIC-Programm, das nur aus drei Zeilen bestand. In der ersten Zeile Stand „10 Let X = (7+8)/3“. Die zweite Zeile „20 PRINT X“ wies den Computer an, das Ergebnis auszugeben. Die dritte Zeile „30 END“ signalisierte dem Rechner, dass das Programm abgearbeitet ist.

Für Bill Gates war BASIC der Wegweiser in die Computerwelt
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