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Aktien im Höhenflug Drei Gründe für den unheimlichen Börsenboom der Chiphersteller

Die Kurse vieler Halbleiterproduzenten erreichen neue Rekorde. Das Plus übersteigt das Umsatzwachstum allerdings um ein Vielfaches. Was dahinter steckt.
17.12.2020 - 11:15 Uhr Kommentieren
Der Aktienkurs des Münchener Chipherstellers notiert auf dem höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Quelle: Bloomberg via Getty Images
Produktion bei Infineon in Regensburg

Der Aktienkurs des Münchener Chipherstellers notiert auf dem höchsten Stand seit fast 20 Jahren.

(Foto: Bloomberg via Getty Images)

München Die Welt leidet unter der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg, doch die Aktien des Münchener Dax-Konzerns Infineon notieren auf dem höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten.

Als hätte es die Corona-Pandemie nie gegeben, befinden sich die Aktien vieler Halbleiterproduzenten auf einem Höhenflug. Der niederländische Infineon-Rivale NXP erreichte Anfang des Monats ein Allzeithoch, der amerikanische Chiphersteller AMD kletterte vor ein paar Tagen auf Rekordniveau. Die Kurse der Chiphersteller kennen seit dem Tiefpunkt im März meist nur eine Richtung: nach oben.

Lesen Sie hier: Wie funktioniert die Börse?

Damals, als das Coronavirus die westliche Welt erreichte, waren die Börsen eingebrochen. Der Schock in der Halbleiterbranche war allerdings schnell vorüber. Die Kursentwicklung seitdem ist beeindruckend.

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    Der Philadelphia-Semiconductor-Index gewann seit Jahresbeginn knapp die Hälfte an Wert. Das Börsenbarometer umfasst die Papiere der 30 größten in den USA notierten Chiphersteller, darunter Schwergewichte wie Intel, Qualcomm oder Texas Instruments. Zum Vergleich: Der Dax bewegt sich in etwa auf demselben Stand wie Anfang Januar.

    Grafik

    Für den Boom der Chiphersteller gibt es drei Gründe:

    1. Abkoppelung von der Konjunktur

    Der Aufschwung der Branche liegt vor allem darin begründet, dass die Chipindustrie gut durch die konjunkturelle Flaute kommt und die Aussichten glänzend sind. „Wir liegen momentan über Vorjahr und gehen mit einem robusten Wachstum ins nächste Jahr“, sagte Kurt Sievers, Chef von NXP, dem Handelsblatt. Das Geschäft sei wesentlich schneller zurückgekommen als geglaubt. „Der globale Halbleitermarkt hat sich von der weltweiten Konjunktur abgekoppelt“, erklärt Stephan zur Verth, Halbleiter-Experte beim Industrieverband ZVEI.

    Die Kursrally ist eine Wette auf die Zukunft. Sie spiegele die hohen Erwartungen an Umsatz und Gewinn je Aktie im kommenden Jahr wider, urteilen die Experten des Finanzinformationsdienstes Bloomberg Intelligence. Die Chiphersteller könnten diese Hoffnungen tatsächlich erfüllen oder sogar übertreffen. Aber nur, falls das Coronavirus keinen schweren Einfluss aufs Geschäft habe.

    In der Tat übersteigt der kräftige Kursanstieg das Plus in den Auftragsbüchern der Unternehmen bei Weitem. So rechnet der ZVEI für dieses Jahr mit einem weltweiten Umsatzanstieg der Branche von lediglich gut vier Prozent. Kommendes Jahr sollen die Erlöse um acht bis zehn Prozent zulegen.

    Die Analysten von Morgan Stanley warnen jedoch, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bewege sich bei vielen Chipherstellern auf einem „extremen Niveau“. Statt auf das Umsatzwachstum zu achten, sollten sich die Anleger jetzt genau anschauen, wie sich die Gewinne entwickeln.

    2. Digitalisierungsschub durch Corona

    Die Chipindustrie habe mit der Pandemie noch an Bedeutung gewonnen, findet Bernstein-Analyst Stacy Rasgon. Die langfristigen Aussichten hätten sich verbessert. Denn die Halbleiter sind für die Digitalisierung, die mit Corona einen gewaltigen Schub bekommt, unerlässlich.

    Allerdings müssten Anleger eins im Auge behalten, meint Rasgon: Die zusätzlichen Umsätze wegen Heimarbeit und Homeschooling seien womöglich bald ausgereizt, vor allem dann, wenn die Arbeitnehmer in die Büros und die Kinder in die Schulen zurückkehren. Zudem hätten zuletzt außergewöhnlich viele Anleger in Chipaktien investiert. Wenn sie die Lust an Hightech verlieren, könnte das zu einem Ausverkauf führen.

    Aber die langfristigen Chancen überwiegen: „Corona hat einen gewaltigen Boom beim kontaktlosen Bezahlen ausgelöst. Das ist für uns strategisch ungeheuer hilfreich“, erläuterte NXP-Chef Sievers. Der Manager rechnet damit, dass der Trend über Jahre anhält und für steigende Umsätze sorgt. NXP liefert unter anderem die Chips, mit denen eine sichere Verbindung zwischen mobilen Geräten und Terminals hergestellt wird.


    Chips für das kontaktlose Bezahlen versprechen für die Hersteller über Jahre hinaus zum guten Geschäft zu werden. Quelle: via REUTERS
    Kontaktloses Bezahlen

    Chips für das kontaktlose Bezahlen versprechen für die Hersteller über Jahre hinaus zum guten Geschäft zu werden.

    (Foto: via REUTERS)

    Es ist ein Feld, auf dem auch Infineon stark ist. Analysten sehen bei dem Dax-Konzern weiteres Kurspotenzial. Infineon profitiere von der Elektrifizierung in der Autoindustrie ebenso wie von der zunehmenden Bedeutung von Fahrassistenzsystemen und dem Internet der Dinge, meint Analyst Sandeep Deshpande von JP Morgan.

    Schon heute werden Chips in unzählige Geräte eingebaut - in smarte Lautsprecher zum Beispiel, moderne Thermostate, in Roboter und natürlich auch in Autos. So finden Echtzeitanalysen vor Ort statt. Experten zufolge ist das eine der wichtigsten Entwicklungen der nächsten Jahre, denn das verringere den Datenverkehr, verbrauche weniger Energie und sei sicherer.

    3. Vielversprechende globale Trends

    „Für einen Chipkonzern ist es entscheidend, auf die richtigen globalen Trends zu setzen“, sagte Infineon-Finanzchef Sven Schneider dem Handelsblatt. Das ist Infineon aus Sicht von Analysten gelungen. Im Geschäftsjahr 2021 dürften die vergleichbaren Umsätze dank einer starken Aufwärtsbewegung in der Auto- und der Sparte Power & Sensor Systems (PSS) um 15 Prozent zulegen, schätzt Analyst Sebastien Sztabowicz von Kepler Cheuvreux. Die Einheit PSS bietet Technologien für Ladegeräte, Adapter, Elektrowerkzeuge und Beleuchtungssysteme, um sie intelligenter, kleiner, leichter und energieeffizienter zu machen.

    Infineon-Chef Reinhard Ploss verspricht für das im Oktober begonnene Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 10,5 Milliarden Euro, das wären zwei Milliarden mehr als zuletzt. Darin enthalten sind erstmals die Erlöse des Wettbewerbers Cypress für ein gesamtes Jahr. Infineon hat die Amerikaner im Frühjahr für rund zehn Milliarden Euro übernommen. Die operative Marge soll 16,5 Prozent erreichen, nach 13,7 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr.

    Am beeindruckendsten ist die Kursentwicklung von Nvidia: Für eine Aktie des inzwischen wertvollsten Chipkonzerns der Erde zahlen die Investoren derzeit rund 530 Dollar. Das ist fast zweieinhalb Mal so viel wie Mitte März. Den Höchststand in seiner 21-jährigen Geschichte an der Börse hatte Nvidia Anfang November mit 589 Dollar erreicht.

    Der Ansturm der Anleger ist nicht überraschend. Die Erlöse stiegen zuletzt im Jahresvergleich um 57 Prozent auf 4,73 Milliarden Dollar. Der Gewinn in dem Ende Oktober abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal legte um fast die Hälfte auf 1,34 Milliarden Dollar zu. Nvidia ist der Star der Industrie, weil seine Prozessoren immer häufiger in Rechenzentren eingesetzt werden und die Grafikkarten von Computerspielern enorm nachgefragt werden - in der Pandemie wird mangels Freizeitalternativen gezockt wie nie.

    Außerdem ist Nvidia einer der wichtigsten Partner von Autokonzernen wie Daimler, wenn es um das autonome Fahren geht, ein weiterer globaler Trend. Im Juni schlossen Daimler und Nvidia eine weitreichende Kooperation zur Entwicklung voll Update-fähiger Bordnetze. Ab 2024 soll die neue Technologie über alle Mercedes-Benz-Baureihen eingeführt werden, jedes Auto soll dann die Fähigkeit zum automatisierten Fahren bekommen.

    Mehr: Doris Hsu: Diese Frau gibt vier Milliarden Euro in München aus.

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