Alphabet: Umsatzzahlen von Google und Youtube enttäuschen die Anleger
Mutter-Konzern Alphabet veröffentlicht erstmals Zahlen für die Videoplattform.
Foto: ReutersMountain View. Sundar Pichai bringt mehr Transparenz in die verschlungenen Pfade des Alphabet-Konzerns. „Um weiteren Einblick in unser Geschäft zu geben und die Chancen, die vor uns liegen, veröffentlichen wir unseren Umsatz mit mehr Details“, wird Finanzchefin Ruth Porat beim Auftakt zur Analystenkonferenz zitiert. Der Umsatz aus Suchmaschinenwerbung, Youtube-Werbung und das Cloud-Geschäft würden künftig einzeln ausgewiesen.
Von den 162 Milliarden Dollar Umsatz, die Alphabet 2019 machte, stammen 98 Milliarden Dollar von Anzeigen rund um die Google-Suche, 15 Milliarden von Youtube-Werbespots und neun Milliarden von Google Cloud. Analysten und Investoren warten seit Jahren darauf, dass Alphabet die Zahlen preisgibt.
Der Konzern aus dem kalifornischen Mountain View war lange eine Black Box. Was sein immer noch gewaltiges Wachstum trieb und wo seine Schwachstellen lagen, konnte man bislang nur schätzen. Noch vor der ersten Frage im Analysten-Call bedankte sich Goldman-Sachs-Analystin Heather Bellini bei Pichai und Porat für den Zahlenschatz.
Doch Alphabets neue Offenheit ist von außen erzwungen – und damit ein Symbol, wie fragil der Wandel in dem Technologie-Konzern nach dem Abtritt seiner Gründer Larry Page und Sergej Brin als CEO und Präsident noch ist. 2018 lieferte sich Alphabet über Monate einen herrlich passiv-aggressiven Briefwechsel mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC darüber, ob seine Investoren Einblicke in die Multimilliarden-Umsätze seiner Töchter verdient haben.
Alphabets Argument: Weil Youtube-Chefin Susan Wojcicki oder Cloud-Chef Thomas Kurian an Google-Chef Pichai berichteten und nicht an Alphabet-Chef Larry Page, kenne der die Zahlen gar nicht und könne sie auch nicht an Investoren weitergeben. Eine Sophisterei, die die SEC letztlich grummelnd akzeptierte. Nun aber ist Pichai Google- und Alphabet-Chef in Personalunion und das Argument fiel weg.
Die erstmals so detaillierten Zahlen fielen jedoch schwächer aus als erwartet: Der Umsatz im vierten Quartal lag nur knapp über 46 Milliarden Dollar, Analysten hatten mit knapp 47 Milliarden gerechnet. Der operative Gewinn lag im Abschlussquartal mit 9,3 Milliarden Dollar ebenfalls unter den Erwartungen von 9,9 Milliarden. Die Aktie stürzte im nachbörslichen Handel um knapp fünf Prozent ab.
Über das Jahr gerechnet sank Alphabets währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 22 auf 20 Prozent. Der Umsatz von Youtube und Google Cloud wuchs mit 36 beziehungsweise 52 Prozent überdurchschnittlich, während das deutlich reifere Suchmaschinengeschäft um 15 Prozent wuchs.
YouTube wurde seinem Ruf als zweitstärkster Umsatzgarant nach der Suchmaschine gerecht. Auch sei noch lange nicht alles Potenzial ausgeschöpft, betonte Pichai. Unternehmen könnten künftig direkt in Youtubes Startseite oder den Suchergebnissen werben.
Als Beispiel nannte Pichai eine Puma-Werbung über Testvideos für Puma-Schuhe, die aus der App direkt auf Pumas Onlineshop verlinkt. Zudem wachse das Geschäft mit Abonnements für Youtubes TV-Angebot und seinen Musikstreamingdienst. Dieses Geschäft habe im vierten Quartal 750 Millionen Dollar umgesetzt.
Pichai lobte auch die Cloud-Tochter, in die weiter „aggressiv investiert“ werde, obwohl sie auf dem Wachstumsmarkt abgeschlagen hinter Amazons AWS und Microsofts Azure liegt und zudem schwächer als Azure wächst. Man sehe aber ein zunehmend starkes Geschäft bei Großkunden, unter anderem habe man kürzlich die Lufthansa gewonnen, um mit Künstlicher Intelligenz aus der Cloud das Flugerlebnis zu verbessern, betonte Pichai.
Der Umsatz aus dem Verkauf von Geräten wie den Pixel-Telefonen oder dem smarten Lautsprecher Assistent sank dagegen. Für Googles Umsatz dürfte das einen Unterschied hinter dem Komma machen. Doch Pichais Vision vom „Ambient Computing“, der allgegenwärtigen smarten Geräte, ist es ein Rückschlag.
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