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Amthor-Affäre Augustus Intelligence: Managerin bricht Schweigen und erklärt Beziehungen zur Politik

Seit der Lobbyaffäre um den CDU-Abgeordneten Philipp Amthor steht das Start-up im Rampenlicht. Erstmals gibt nun eine Managerin von Augustus Intelligence Einblicke.
17.07.2020 - 19:34 Uhr Kommentieren
70 Mitarbeiter von Augustus Intelligence arbeiten hier an der prestigeträchtigen Adresse. Quelle: Reuters
One World Trade Center in New York

70 Mitarbeiter von Augustus Intelligence arbeiten hier an der prestigeträchtigen Adresse.

(Foto: Reuters)

Paris Bis Anfang dieses Jahres war der Name Augustus Intelligence allenfalls Insidern bekannt. Das hat sich im März schlagartig geändert. Seitdem ist das US-Start-up mit dem Deutschen Wolfgang Haupt an der Spitze vielen in Verbindung mit dem Skandal um die mutmaßliche Lobbyistentätigkeit des CDU-Abgeordneten Philipp Amthor bekannt. Fast jeden Tag kommen neue Einzelheiten über Verbindungen von Augustus zu deutschen Politikern ans Licht.

Das Unternehmen selbst schwieg lange. Im Juni teilte es lediglich mit, dass Gründer Haupt sein Mandat als CEO vorübergehend aussetze und übergangsweise von Chefjustiziar Ramsey Taylor vertreten werde, bis der Vorgang um Amthor durch eine unabhängige Untersuchung aufgeklärt sei.

Nun meldet sich mit der Pariser Augustus-Chefin Anne Bioulac, Mitglied des Management-Teams und zuständig für die Produkt- und Geschäftsentwicklung, erstmals eine Verantwortliche zu Wort. Die Französin arbeitete von 2006 an bei Roland Berger, der internationalen Beratungsgesellschaft mit deutschen Wurzeln, ab 2017 als Co-Managing Partner des Pariser Büros. 2019 schließlich wechselte sie zu Augustus.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt in Frankreichs Hauptstadt, wo Augustus in den Räumen des übernommenen Start-ups Xbrain ein Büro mit rund 15 Mitarbeitern unterhält, erzählt Bioulac von dem Unternehmen, über das nur wenig bekannt ist.

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    Demnach existiert ein kleines Augustus-Büro mit fünf Personen in München, der Hauptsitz ist in New York, wo Bioulac zufolge 70 Mitarbeiter tätig sind, mit einer prestigeträchtigen Adresse im One World Trade Center. Augustus sei im Juni 2018 gegründet worden, im März 2019 habe man angefangen, operativ zu arbeiten.

    Gründer Haupt habe mittelgroßen und kleineren Unternehmen den Zugang zu Künstlicher Intelligenz (KI) erleichtern wollen, erläutert die Managerin. Aus diesen Überlegungen sei die Idee entstanden, eine Art Plattform zu bilden mit bestimmten Algorithmen für typische Anwendungsfälle, mit deren Hilfe Kunden bestimmte Probleme lösen können.

    Die Pariser Augustus-Chefin ist Mitglied des Management-Teams. Quelle: WIA Initiative
    Anne Bioulac

    Die Pariser Augustus-Chefin ist Mitglied des Management-Teams.

    (Foto: WIA Initiative)

    Der Frankfurter Pascal Weinberger, der laut Forbes als „Wunderkind“ auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz gilt und Experte für die Bildanalyse und -verarbeitung mithilfe von KI ist, war Gründungspartner von Haupt, blieb aber nur ein Jahr an Bord. Die Kompetenz für NLP, darunter versteht man die Verarbeitung gesprochener Sprache durch Künstliche Intelligenz, damit Maschinen damit umgehen können, erwarb Augustus schließlich mit der Übernahme von Xbrain.

    Noch hat Augustus allerdings wenig Kunden, Bioulac spricht von rund 15, ohne Namen zu nennen. Für ein Unternehmen arbeite Augustus zum Beispiel an einer Gesichtserkennung, die es ermögliche, im Supermarkt den Parcours der Kunden durch das Geschäft zu verfolgen; für eine Kommune an einem Gerät zur Mülltrennung, das zuverlässig wiederverwertbaren von anderem Abfall unterscheide.

    Zumindest in Paris ist Augustus bekannt als Mitglied von France Digitale, dem Verband der französischen Start-ups. Nicolas Brien, CEO von France Digitale, bestätigt, dass Augustus für Unternehmen arbeite, „die sich mittels Künstlicher Intelligenz verändern wollen“.

    Doch wie finanziert sich Augustus? „Es gab einen Business Angel, der uns anfangs geholfen hat. Ende 2018 haben wir angefangen, Geld von Investoren einzuwerben“, sagt Bioulac. Dabei sei Augustus so erfolgreich gewesen, dass das Unternehmen aktuell keine Investoren suche.

    1,1 Millionen Dollar von zwei Investoren gezeichnet

    Bei der US-Aufsichtsbehörde SEC ist Augustus nur einmal registriert. Im Dezember 2019 verzeichnete die SEC, das 2018 im US-Steuerparadies Delaware registrierte Start-up habe Aktien im Wert von 80 Millionen Dollar (umgerechnet rund 69,6 Millionen Euro) angeboten, 1,1 Millionen Dollar (rund 957.000 Euro) seien von zwei Investoren gezeichnet worden.

    Beim Thema Investoren wird die Französin zurückhaltend. Sie nennt nur zwei: Charles-Édouard Bouée, bis Juni 2019 CEO von Roland Berger und damit ihr ehemaliger Chef. Er sei aber kein Manager von Augustus, sondern lediglich Berater. Und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

    Der frühere Chef der Unternehmensberatung Roland Berger ist bei Augustus als Investor und Berater an Bord. Quelle:  Thomas Dashuber für Handelsblatt
    Charles-Édouard Bouée

    Der frühere Chef der Unternehmensberatung Roland Berger ist bei Augustus als Investor und Berater an Bord.

    (Foto:  Thomas Dashuber für Handelsblatt)

    Bouée gründete nach seinem Ausstieg bei Roland Berger einen eigenen Fonds für KI-Beteiligungen, investierte persönlich in Augustus und machte Bioulac mit Haupt bekannt. Er wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

    Angesichts diverser Spekulationen ist es Bioulac wichtig, „festzuhalten, dass wir nicht für die Geheimdienste arbeiten“. Auf die Frage nach White & Case, der amerikanischen Anwaltskanzlei, von der gemutmaßt wird, sie habe Einfluss auf Augustus, bestätigt sie nur, „dass sie unsere Anwälte sind“. Und Guttenberg, der 2019 für Augustus im Kanzleramt antichambrierte, sei „Investor und Mitglied unseres Boards“.

    Beziehungen zur Politik verteidigt die Managerin. Künstliche Intelligenz werfe so viele soziale und ethische Fragen auf, dass man zwangsläufig nahe an der Politik sein müsse, um zu verstehen, was sie beabsichtige und um KI zu erklären. An einem Punkt wird sie kategorisch: „Aber kein Politiker war je Angestellter von Augustus.“

    Amthor habe sie nur einmal wahrgenommen, weil er Mitglied des Boards war, er habe nie eine operative Rolle gehabt und sei nicht bezahlt worden. Der Wert der Optionen, die Augustus ihm übereignete, sei rein theoretisch gewesen: „Optionen auf Aktien sind nichts wert, wenn es niemanden gibt, der bereit ist, Geld dafür auf den Tisch zu legen.“ Amthor habe seine Optionen zurückgegeben, „daher wurde er nicht und wird auch nie von Augustus Intelligence bezahlt“.

    Der CDU-Politiker war Mitglied des Boards. Quelle: dpa
    Philipp Amthor

    Der CDU-Politiker war Mitglied des Boards.

    (Foto: dpa)

    Gute Beziehungen hat Augustus nicht nur zur deutschen Politik, sondern auch zur französischen. In diesem Frühjahr war Gründer Haupt Gast einer hochkarätigen Veranstaltung des Elysée: Bei „Choose France“ stellten einige der größten internationalen Unternehmen Staatspräsident Emmanuel Macron ihre Pläne in Frankreich vor. Ein erstaunlicher Rahmen für ein kleines Start-up. Bioulac begründet das damit, dass sie und Bouée in Paris gut vernetzt seien und der Elysée auch Start-ups einladen wollte. 

    Haupt versprach damals einen „Fifty-fifty-Deal“: Er werde 50 Personen in Paris einstellen und 50 Millionen Euro investieren. „Das ist bislang nicht geschehen“, stellt der Elysée nüchtern fest. Bioulac sagt, sie wolle stets expandieren, mag die Zahl von 50 Millionen Euro aber nicht wiederholen.

    Ob Haupt nach der laufenden internen Untersuchung wegen des Amthor-Skandals zurückkommt, ist nicht sicher. Neben Interims-CEO Taylor gebe es eine gute Mannschaft, betont Bioulac. Greg Renard, früher CEO von Xbrain, kümmere sich um Forschung und Entwicklung, Chief Data Scientist sei Louis Monnier, und der neue Chief Technology Officer sei Laurent Vernhes, Mitgründer von Tablet Hotels.

    Mehr: Amthors Aktienoptionen wären bis zu 250.000 Dollar wert gewesen

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