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Analyse der Quartalszahlen Warum Apple-Anleger trotz schwacher Umsatzzahlen jubeln

Weniger verkaufte iPhones, weniger Umsatz, weniger Gewinn – doch die Apple-Aktie steigt. CEO Tim Cook trägt einen unerwarteten Erfolg davon.
01.05.2019 - 04:36 Uhr Kommentieren
Der iPhone-Konzern hat die Erwartungen der Anleger übertroffen. Quelle: dapd
Tim Cook

Der iPhone-Konzern hat die Erwartungen der Anleger übertroffen.

(Foto: dapd)

San Francisco Tim Cook hat Glück im Unglück: Die am Dienstag veröffentlichten Ergebnisse zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres (Januar bis März) lagen bei Umsatz und Ertrag unter den Werten, die Apple vor einem Jahr veröffentlicht hat. Das ist nicht gut. Doch Analysten der großen Wertpapierhäuser hatten im Vorfeld ihre Erwartungen an den iPhone-Konzern so weit nach unten geschraubt, dass Cook diese Erwartungen mit Leichtigkeit schlagen konnte.

Die Zahlen kamen dann auch besser an als erwartet. Die Apple-Aktie, die noch im Börsenhandel knapp zwei Prozent verloren hatte, legte nachbörslich bis zu sechs Prozent zu.

Verwunderlich ist die Euphorie an der Börse dennoch. Denn nicht nur der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahresquartal von 58 auf 57,5 Milliarden Dollar, auch das Nettoergebnis lag mit 11,5 Milliarden Dollar deutlich unter den 13,8 Milliarden des Vorjahresquartals. Der Gewinn pro Aktie hingegen lag mit 2,46 Dollar über den Erwartungen der Analysten von im Schnitt 2,36 Dollar.

Das liegt auch daran, dass Apple aktuell das größte Aktienrückkaufprogramm fährt, dass es jemals an der Börse gegeben hat. So ist die Zahl der zugrundeliegenden Aktien seit Anfang 2018 von 5 Milliarden Aktien um rund 300 Millionen gefallen. Der Gewinn verteilt sich somit auf weniger Aktien. Und weitere 75 Milliarden Dollar werden zudem jetzt bereit gestellt, um den Aktienmarkt über Rückkäufe künstlich zu verknappen.

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    Die Frage, die sich Anleger und Analysten besonders intensiv stellen, beantwortete Apple am Dienstag jedoch nicht: Die Veröffentlichung der verkauften Stückzahlen wurden für alle Kategorien – iPhones, Desktop-Rechner, Laptops, iPads – eingestellt. Nur noch die Umsätze werden ausgewiesen und die brachen beim iPhone, verglichen mit den 37,56 Milliarden Dollar aus dem Vorjahr, mit 31,05 Milliarden Dollar drastisch ein.

    Wie viel davon auf weniger verkaufte Geräte und wie viel auf Preisnachlässe, Verkaufspromotionen und andere Rabatte zurückzuführen ist, lässt sich nicht einzuschätzen. Nur die Schwierigkeiten in China sind hinlänglich bekannt und Apple räumt auch Preisaktionen unumwunden ein.

    Die Marktbeobachter von Canalys berichten von 6,5 Millionen verkauften Apple-Smartphones („der stärkste Rückgang seit zwei Jahren“) und kommentieren: „Die Schwäche ist beunruhigend, wenn man überlegt, dass üblicherweise die Quartale zwei oder drei die schwächeren sind, dann, wenn die Modelle schon älter sind.“

    Canalys-Analyst Mo Jia fasst das Problem zusammen: „Apple kann seine Dienstleistungen und Software nicht so schnell verbreiten wie in westlichen Ländern.“ Deshalb sei die Gefahr größer, dass Kunden zu Googles Android „desertieren“. Der typische chinesische Kunde habe sein „WeChat“ oder das Chatprogramm „QQ“ auf dem Smartphone und benutze Alipay – da sei es egal, ob sein Smartphone von Apple sei oder nicht. Der chinesische Konzern Huawei ist mit 34 Prozent mittlerweile Marktführer und Apple nur noch auf Platz vier in der Volksrepublik.

    Weg zum 5G-Smartphone offen

    Ein weiteres Problem für Apple war 5G. China ist ein modernes Land, wenn es um die Einführung von des neuen Mobilfunkstandards geht. Der Vorsprung vor dem Westen ist enorm und 5G-Geräte werden schon bald die Verkaufsrenner sein. Allerdings nicht die von Apple. Doch die völlig überraschende und für Apple dennoch schmerzliche Einigung im jahrelangen Krieg mit dem Chiplieferanten Qualcomm könnte dem iPhone-Konzern einen Schub geben.

    Tim Cook hat kompromisslos gehandelt und mit dem Abschluss von Lizenzverträgen mit Qualcomm die Tür für 5G-iPhones schon im kommenden Jahr wieder aufgestoßen. Ohne Zweifel ein nicht zu unterschätzender Vorteil, um nicht noch weiter in China zurückzufallen, wo der 5G-Zug ohne Apple abgefahren wäre. Preissenkungen, Rabatte, die Rücknahme von Altgeräten und der beschleunigte Einstieg in 5G, haben das Zeug, die iPhone-Verkäufe vor allem in Schwellenländern wieder anzukurbeln.

    Bleibt noch das Servicegeschäft, das von Apple immer lauter als die Zukunft des Unternehmens beschworen wird. Hier ist alles drin, von Apple-Music bis zum iCloud-Speicherdienst oder den beträchtlichen Zahlungen von Google, damit dessen Suchmaschine auf dem iPhone als Standard vorinstalliert wird.

    Zuletzt hat Cook noch einen neuen Medien-Abonnementdienst vorgestellt, über den man Nachrichten, Spiele oder Videos beziehen kann. Die gemeldeten Umsätze des Servicegeschäfts übertrafen – mal wieder – die Schätzungen der Analysten. Aber insgesamt war das Wachstum der Sparte von 9,8 auf 11,4 Milliarden Dollar mit 16 Prozent verhalten. Das ist weniger als im ersten Geschäftsjahresquartal. Das Plus von 1,6 Milliarden Dollar deckt daneben gerade mal ein Viertel der iPhone-Verluste.

    Entweder wird der Abwärtstrend bei iPhones schnell und gründlich gestoppt, oder die Servicesparte muss erheblich schneller wachsen. Cook nannte die neuen Abo-Dienste im Analystengespräch einen „Gamechanger“, also eine ganz neue Dimension. Das wird sich schnell erweisen müssen.

    Positiv ist dagegen die Anhebung der Dividende um fünf Prozent auf 0,77 Dollar pro Aktie und Quartal. Anders als Aktienrückkäufe kommt dieses Geld direkt in den Depots der Anleger an.

    Apple setzt für das laufende Quartal eine Umsatzprognose von 52,5 bis 54,5 Milliarden Dollar an, nach erzielten 53,3 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Die angesetzte Spanne ist bemerkenswert eng und zeugt von großem Optimismus des Managements, das Ruder wieder herumzureißen. Für die zweite Hälfte des Kalenderjahres werden dann die neuen iPhones erwartet, die das Jahr retten sollen.

    Anleger reagieren erleichtert

    Die Ergebnisse aus Cupertino brachten am Dienstag Erleichterung in einen angespannten Aktienmarkt, dessen Zuversicht nach Ergebnissen von Samsung und Google tiefe Risse bekommen hatte. Beide hatten von Schwierigkeiten im Premium-Smartphonebereich berichtet. Google hatte sogar indirekt zugegeben, dass der Vorstoß in das Premium-Preissegment ein Fehlschlag war. Neue Mittelklassemodelle sind in Arbeit.

    Der Suchmaschinengigant musste sogar am Dienstag mit mehr als acht Prozent den schwersten Tagesverlust seit sieben Jahren hinnehmen. 70 Milliarden Dollar Börsenwert wurden vernichtet, weil auch das Kerngeschäft mit Anzeigen Ermüdungserscheinungen zeigt.

    Zuvor hatte in der US-Quartalssaison Amazon von einem nur durchwachsenen Quartal gesprochen. Lediglich Microsoft schaffte es, mit einem starken Cloud-Wachstum und einem robusten Hardware-Geschäft zu überzeugen. Aus dem Smartphone-Segment hat sich Microsoft allerdings nach schmerzlichen Verlusten und Fehlschlägen schon lange verabschieden müssen. Doch die Konzentration auf neue Felder scheint sich auszuzahlen.

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