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Analyse Infineon schlägt sich besser als Samsung und Intel

Die Chipindustrie wird dieses Jahr kräftig schrumpfen. Auch der Dax-Konzern Infineon spürt die Krise – investiert aber unverdrossen weiter.
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Der Chiphersteller Infineon schlägt sich besser als seine Konkurrenten. Quelle: Reuters
CEO Reinhard Ploss

Der Chiphersteller Infineon schlägt sich besser als seine Konkurrenten.

(Foto: Reuters)

MünchenInfineon stellt sich auf magere Zeiten ein. „Der Boom ist erst einmal vorbei, die Nachfragedynamik hat sich abgeschwächt“, sagte Vorstandschef Reinhard Ploss am Dienstag. Deutschlands größter Chiphersteller behauptet sich in dem schwierigen Umfeld aber deutlich besser als der Rest der Branche.

Ploss bestätigte seine Ende März gesenkte Prognose für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September endet. Demnach werde der Umsatz um fünf Prozent auf acht Milliarden Euro steigen. Die Marktforscher von IHS rechnen demgegenüber damit, dass der Umsatz der Industrie dieses Jahr weltweit um gut sieben Prozent auf 446 Milliarden Dollar einbrechen wird. Im Dezember hatten die Analysten noch ein Plus von rund drei Prozent vorhergesagt.

Dies sei der größte Rückgang seit dem Jahr 2009, als es um elf Prozent bergab ging. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs (zum 31. März) ist Infineon sogar noch kräftig gewachsen. Der Umsatz sei gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro gewachsen, teilte Deutschlands größter Halbleiterproduzent mit.

Der Gewinn ist im zweiten Quartal verglichen mit dem Vorjahresquartal allerdings um 49 Prozent auf 231 Millionen Euro gefallen. Im Vorjahr hatte Infineon jedoch 268 Millionen Euro aus dem Verkauf einer Sparte verbucht. Die operative Marge ist gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,4 Prozentpunkte auf 16,7 Prozent gesunken.

Insgesamt steht der Dax-Konzern damit aber gut da. „Dank seines robusten Geschäftsmodells hat sich Infineon im zweiten Quartal in einem deutlich abkühlenden Markt gut behauptet“, sagte Vorstandschef Reinhard Ploss. Das stimmt: Die Münchner sind gegenüber dem Vorjahr in allen drei großen Bereichen gewachsen. Das gilt insbesondere für die Autosparte, das Kerngeschäft der Münchener. Nur der Umsatz der kleinsten Division, Digital Security Solutions, stagnierte.

Handelsstreit zwischen den USA und China belastend

Im Jahresvergleich schneiden alle Sparten gut ab, im Vergleich zum Vorquartal ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Hier zeigt sich, dass die Kunden nicht mehr so eifrig bestellen. Gegenüber dem ersten Quartal des Geschäftsjahrs ist der Umsatz in den Divisionen Power Management & Multimarket und Industrial Power Control leicht gesunken.

Vorstandschef Ploss warnt schon seit einiger Zeit vor einem schwächeren Geschäft. Zum bisher letzten Mal musste er deshalb im Frühjahr seinen Ausblick reduzieren. Die auf fünf Prozent Plus gesenkte Prognose scheint er nun aber halten zu können. Das hatten die Analysten im Vorfeld der Quartalszahlen auch so erwartet.

Im vergangenen Herbst hatte der Ingenieur noch einen Zuwachs von elf Prozent in Aussicht gestellt. Im Februar korrigierte er den Wert dann auf neun Prozent. Zudem ist Infineon nicht so profitabel wie ursprünglich versprochen. Im Herbst war von einer operativen Marge von 18 Prozent die Rede, nun sind es noch 16 Prozent.

Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor ist für den Konzern der Handelsstreit zwischen den USA und China. Die am Wochenende von Präsident Donald Trump angekündigten höheren Zölle würden Infineon zwar nicht direkt treffen, da der Konzern kaum Ware von der Volksrepublik nach Amerika exportiert. Viel schlimmer wäre für die Bayern, wenn die chinesische Wirtschaft unter der Auseinandersetzung leidet. Infineon erwirtschaftet jeden vierten Euro in China. Am Montag ist der Kurs daher bereits schwer unter Druck geraden. Mit einem Minus von knapp drei Prozent gehörte Infineon zu den größten Verlierern im Dax.

Selbst Samsung und Intel unter Druck

Im Rest der Branche sieht es aber zum Teil noch wesentlich schlechter aus. Den Marktforschern von IHS zufolge ist die Nachfolge schwach, zudem stiegen die Lagerbestände der Hersteller. Besonders betroffen seien Speicherchips: ein Bereich, der in den vergangenen drei Jahren jeweils zweistellige Wachstumsraten verzeichnete.

Selbst die Branchenführer Intel und Samsung tun sich schwer. Intel kassierte jüngst die Jahresprognose eines leichten Zuwachses und rechnet nun mit einem etwas geringeren Umsatz als 2018. Auch der Gewinn werde sinken, warnte der Konzern aus dem Silicon Valley. Beim Elektronikkonzern Samsung ist der Überschuss im ersten Quartal bereits um knapp 60 Prozent eingebrochen, nicht zuletzt wegen drastisch gesunkener Preise für Speicherchips. Das Konglomerat aus Korea ist der größte Halbleiteranbieter der Welt und zugleich bei Speicherchips weit vorne.

Die Analysten von IHS gehen davon aus, dass das Geschäft im zweiten Halbjahr wieder etwas anzieht. Allerdings: Die gesamte Branche muss sich wohl auf eine magere Zukunft einstellen. „Das Geschäft wird sich in den nächsten Jahren abschwächen“, warnte jüngst Ulrich Schäfer vom Branchenverband ZVEI. In den vergangenen fünf Jahren seien die Umsätze weltweit jedes Jahr im Schnitt um knapp neun Prozent gewachsen. Für die Zeit bis 2023 rechnet der Marktexperte lediglich mit einem jährlichen Plus von nicht einmal drei Prozent.

Das liegt vor allem daran, dass die Chinesen weniger Halbleiter verbrauchen. Dort sind die Erlöse der Chipkonzerne zwischen 2013 und 2018 durchschnittlich um mehr als zwölf Prozent gewachsen. Künftig sei in dem Land nur noch ein Zuwachs etwa zwei Prozent pro Jahr zu erwarten, sagte Schäfer.

Infineon begründet das eher flaue Geschäft dieses Jahr aber auch nicht zuletzt damit, dass die Chinesen weniger Fahrzeuge als erwartet kaufen. Andererseits profitiert Deutschlands größter Chiphersteller davon, dass in den Autos generell immer mehr Halbleiter eingesetzt werden. So erwartet ZVEI-Spezialist Schäfer bis 2023 ein durchschnittliches jährliches Umsatzplus mit Kfz-Halbleitern von fast sechs Prozent. Von 54 Milliarden Dollar vergangenes Jahr würden die Erlöse global auf 71 Milliarden steigen.

Daher plant Infineon keine weiteren Abstriche an sein ambitionierten Expansionsprogramm. 1,5 Milliarden will der Konzern im laufenden Geschäftsjahr investieren, unter anderem in eine neue Fabrik im österreichischen Villach. „An strategischen Investitionen in die Zukunftsfähigkeit von Infineon halten wir fest“, betonte Ploss am Dienstag. Die langfristigen Aussichten seien hervorragend in den wichtigsten Wachstumsfeldern, also bei der Elektromobilität, dem automatisierten Fahren, den erneuerbaren Energien, in Rechenzentren und der mobilen Kommunikation.

Die Investoren hat Ploss damit offenbar beruhigt. Zum Handelsstart lag der Aktienkurs am Dienstag leicht im Plus.

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