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Analyse SAP muss bei der Cloud Defizite aufholen – das wird teuer

Nach einem schwierigen Quartal richtet Deutschlands wertvollster Konzern die Strategie neu aus. Vorstandschef Christian Klein setzt alles auf die Cloud.
26.10.2020 - 17:16 Uhr Kommentieren
Der Konzern hat beim Cloud-Computing immer noch Defizite. Quelle: Frieder Blickle/laif
SAP-Zentrale in Walldorf

Der Konzern hat beim Cloud-Computing immer noch Defizite.

(Foto: Frieder Blickle/laif)

Düsseldorf Es waren gleich zwei schlechte Nachrichten, die SAP am Sonntagabend in einer Ad-hoc-Mitteilung verkündete. Zum einen senkte der Softwarehersteller nach einem schwierigen dritten Quartal die Prognose für 2020 – Corona macht auch dem erfolgsverwöhnten Konzern zu schaffen, mindestens bis in das nächste Jahr hinein.

Zum anderen kündigte der Vorstand um CEO Christian Klein eine Neuausrichtung an: SAP will die Umstellung aufs Cloud-Computing beschleunigen und plant dafür einen dreistelligen Millionenbetrag an zusätzlichen Umbaukosten ein. Die operative Marge, die für Aktionäre und Analysten eine wichtige Kennzahl ist, soll deswegen bis 2023 um vier bis fünf Prozentpunkte niedriger ausfallen.

Beides zusammen war ein Schock für die Anleger – an diesem Montag kam es zum größten Ausverkauf von SAP-Aktien seit 1999: Der Kurs fiel in der Spitze um mehr als 20 Prozent, der Börsenwert des noch immer wertvollsten Dax-Konzerns sank um bis zu 38 Milliarden Euro.

Für SAP-Chef Klein, der das Unternehmen seit April allein führt, ist dieser Schritt dennoch ohne Alternative: „Viele Unternehmen leiden unter der Krise, weil sie Lieferengpässe haben oder die Produktion stockt. All diese Prozesse werden mit SAP-Software betrieben – die Kunden wünschen nun, schneller in die Cloud zu kommen“, sagt der 40-jährige Klein im Interview mit dem Handelsblatt.

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    Die Umstellung sei zunächst kostspielig, biete aber enormes Potenzial für die kommenden Jahre: „Ich will nicht das Wachstumspotenzial in der Zukunft für die kurzfristige Margenoptimierung opfern.“

    Und wachsen will Klein vor allem mit der Cloud: Ob ein System zur Messung von CO2-Emissionen über die gesamte Lieferkette oder neue Plattformen für Autohersteller und Energielieferanten: Seit Klein Chef von SAP ist, hat der Softwarekonzern diverse Produkte angekündigt, die allesamt in der Cloud laufen.

    Es ist der neue Standard bei der Produktentwicklung – und die Grundlage des Geschäfts: 22 von 36 Milliarden Euro Umsatz will der Dax-Konzern bis 2025 damit erwirtschaften, wie es in den neuen mittelfristigen Zielen heißt.

    Grafik

    Diese Umstellung kommt nicht von ungefähr. In der IT-Welt hat sich das Cloud-Computing als Standardmodell durchgesetzt. Wenn Nutzer und Unternehmen IT-Komponenten wie Software, Speicherplatz und Rechenleistung über das Netzwerk abrufen, verspricht das einen geringen Administrationsaufwand, mehr organisatorische Flexibilität und obendrein eine ortsunabhängige Nutzung.

    Gerade in der Corona-Zeit hat sich das als großer Vorteil erwiesen, etwa, als Konzerne von einem Tag auf den anderen Hunderte oder gar Tausende Mitarbeiter ins Homeoffice schicken mussten. Die Pandemie habe die Einführung von Cloud-Technologien beschleunigt, berichtete jüngst das Analysehaus IDC – und angesichts der guten Erfahrungen werde sich die Umstellung in den meisten Firmen beschleunigen. Das führe bis 2024 zu einem Wachstum von durchschnittlich 16 Prozent.

    Cloud-Geschäft wächst weiter

    Von diesem Trend profitiert SAP bereits, wie das dritte Quartal zeigt. Der Softwarehersteller verfehlte zwar die Erwartungen der Analysten – so sank der Umsatz um vier Prozent auf 6,54 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um zwölf Prozent auf 1,47 Milliarden Euro, wobei der Rückgang vor allem auf anteilsbasierte Vergütungen zurückgeht.

    Doch während der Verkauf von Softwarelizenzen und Dienstleistungen einbrach, entwickelte sich das Geschäft mit dem Cloud-Computing robust: Der Umsatz stieg um elf Prozent. Dabei zogen die Geschäftsnetzwerke von SAP, über die Firmen Arbeitskräfte und Material beschaffen sowie Geschäftsreisen organisieren können, das Ergebnis noch herunter. So litt Concur darunter, dass die Mitarbeiter nur wenig unterwegs sind.

    Ohne diese (Beschaffungs-)Plattformen wuchs das Geschäft um 26 Prozent, also im Branchenvergleich durchaus beachtlich. Der Auftragsbestand für die kommenden zwölf Monate, den die Kennzahl Current Cloud Backlog abbildet, stieg gegenüber dem Vorjahr immerhin um zehn Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

    „Abgesehen von Concur hat sich das Cloud-Portfolio sehr stark entwickelt, weil geschäftskritische Lösungen darunter sind, um die Digitalisierung der Kunden in der Krise voranzutreiben“, sagte Klein. Vor allem die Kernprodukte von SAP, mit denen Unternehmen Aufgaben wie Finanzen, Lieferkette und Personalwesen erledigen, seien „stark nachgefragt“. Der Manager sieht darin ein „enormes Wachstumspotenzial“ für die nächsten Jahre.

    Was die Zahlen nicht zeigen: SAP hat beim Cloud-Computing immer noch Defizite. So laufen nach den vielen Zukäufen der vergangenen Jahre noch immer nicht alle Systeme auf einer einheitlichen Technologie. Und bei der Cloud-Version des Kernprodukts S/4 Hana, mit dem Unternehmen ihre Geschäftsprozesse steuern können, sehen Analysten immer noch Nachholbedarf. Wie viel es zum Geschäft beiträgt, schlüsselt der Konzern nicht auf.

    Ein großes Problem ist zudem die Integration. SAP wirbt damit, dass die verschiedenen Lösungen reibungslos zusammenarbeiten – ein Onlineshop hat im Idealfall direkt Zugriff auf sein Lager, um nur Produkte anzubieten, die auch vorrätig sind, und informiert die Kunden nach einem Kauf automatisch, wann der Paketbote vor der Haustür steht. Gerade arbeitet das Unternehmen daran, dieses Versprechen in die Tat umzusetzen, bis Jahresende sollen 90 Prozent der Arbeit erledigt sein.

    Diese Probleme will das SAP-Management nun angehen, mit der Harmonisierung der Systeme in den nächsten zwei Jahren wie auch mit Investitionen in neue Produkte. „Wir haben 2000 Entwickler zusätzlich eingestellt – das zeigt, dass wir einen hohen Fokus auf Innovationen legen“, betonte Klein. Ein neues Restrukturierungsprogramm mit Stellenstreichungen schließt er aus.

    Zumutung für Aktionäre

    SAP mutet den Aktionären mit der niedrigeren Prognose für das laufende Jahr und dem neuen mittelfristigen Ausblick, der alte stammte noch aus der Ära Bill McDermott, allerdings mehrere Dämpfer auf einmal zu. Die Ziele für 2023 waren angesichts der Coronakrise allerdings ohnehin kaum zu erreichen – es wirkt so, als ob Vorstandschef Klein und Finanzchef Luka Mucic die Gelegenheit nutzen, um sich finanzielle Flexibilität zu verschaffen.

    Der Druck der Investoren dürfte geringer sein als noch im vergangenen Jahr, als der Hedgefonds Elliott Management einstieg und öffentlich mehr Ehrgeiz bei der Profitabilität forderte. Inzwischen hat der unbequeme Investor laut Dokumenten der Börsenaufsicht SEC seinen Anteil nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit wieder verkauft.

    Zwar empfehlen die meisten Analysten die SAP-Aktie weiter zum Kauf, aber auch sie haben Fragen, wie zukunftsfähig der Kurs des Managements ist. In einer Schalte wollten Vertreter von Banken und Analysehäusern zum Beispiel wissen, ob sich Großkunden wirklich von den neueren Abomodellen von SAP überzeugen ließen. CFO Mucic betonte, der Wandel sei im Gange, aber noch lange nicht abgeschlossen. SAP habe aber nichts zu verbergen. „Wir werden transparent über den Fortgang berichten“, kündigte er an.

    Mehr: Thomas Saueressig – der Mann, der das wichtigste Versprechen von SAP einlösen muss

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