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Analyse US-Geschäft zu erfolgreich: Telekom muss um Mega-Übernahme fürchten

Die Telekom wird immer abhängiger vom US-Geschäft. Doch die Widerstände gegen die Übernahme von Sprint wachsen – in Bonn wird über eine Alternative nachgedacht..
Update: 09.05.2019 - 17:25 Uhr 1 Kommentar
Telekom muss um Mega-Übernahme in den USA fürchten Quelle: Bloomberg
Geschäft vom T-Mobile in New York

In den USA könnte die Telekom zum Opfer des eigenen Erfolgs werden.

(Foto: Bloomberg)

New York, BonnDie Deutsche Telekom trägt zwar das Heimatland im Namen. Aber eigentlich ist der Konzern zu einem US-Unternehmen mutiert. Die Vereinigten Staaten sind der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt. Im ersten Quartal 2019 entfielen 50,3 Prozent des Umsatzes des gesamten Konzerns allein auf das US-Geschäft – so viel wie nie zuvor. Doch an der geplanten Fusion der Tochter T-Mobile US mit dem Konkurrenten Sprint wachsen die Zweifel.

„Ich bin schwer beeindruckt, was das Team leistet“, sagte der Vorstandsvorsitzende Timotheus Höttges am Donnerstag bei der Vorstellung der Quartalszahlen über seine Kollegen in den USA. „Über die vergangenen sechs Jahre hat T-Mobile US eine Million Neukunden gewonnen – und das nicht pro Jahr, sondern pro Quartal.“

Alleine in den ersten drei Monaten dieses Jahres verbuchte T-Mobile US 1,7 Millionen neue Kunden. Zudem wechselten nur 0,88 Prozent der Kunden zur Konkurrenz – so wenig wie noch nie.

Insgesamt setzte die Telekom von Januar bis März 19,5 Milliarden Euro um. Das sind 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das um Leasingeffekte bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) stieg um knapp vier Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Beide Kennzahlen wurden durch das US-Geschäft getrieben. Die US-Tochter konnte auf Dollar-Basis den Umsatz um sieben Prozent und das bereinigte Betriebsergebnis um 6,2 Prozent steigern.

Plan B, falls die Fusion scheitert

Die angestrebte Übernahme des Konkurrenten Sprint soll das Geschäft in den USA auf eine völlig neue Stufe heben. Nach Integrationskosten erwartet die Telekom Synergien für das Gemeinschaftsunternehmen von 43 Milliarden US-Dollar.

Doch die Zweifel wachsen, ob die US-Behörden den Zusammenschluss überhaupt genehmigen. Nach Handelsblatt-Informationen wird in Bonn bereits ein Alternativplan vorbereitet, sollte der Deal nicht genehmigt werden.

Offiziell möchte das niemand bestätigen. „Es gibt keinen Plan B, weil wir den Deal haben wollen“, sagte Höttges auf Nachfrage. Alles sei darauf ausgerichtet, dass die Fusion gelinge. Werde die Übernahme genehmigt, könne die Telekom den Kunden in den USA bald ein flächendeckendes Netz des künftigen Mobilfunkstandards 5G anbieten.

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In Konzernkreisen wird jedoch darüber diskutiert, wie das US-Geschäft langfristig weitergeführt wird, sollte die Fusion von den Wettbewerbsbehörden gestoppt werden. Der Rivale Sprint ist angeschlagen. Käme die Fusion nicht zustande, würde die Telekom Schritt für Schritt ihre Strategie vorantreiben, Sprint Kunden abzujagen und langfristig die beiden dominanten Marktspieler AT&T und Verizon herauszufordern. Dazu will die Telekom zunächst ihre Netzabdeckung in der Fläche verbessern, um neue Kundengruppen zu erschließen.

Noch ist T-Mobile US besonders im Geschäft mit Geschäftskunden schwach aufgestellt. Mit einem besseren Angebot in der Fläche würde das Unternehmen gezielt Angebote an Firmenkunden unterbreiten, wie ein Aspekt des Alternativplans vorsieht. Finanzvorstand Christian Illek gab bereits einen Ausblick, wie sich die Telekom positionieren könnte, sollte der Deal scheitern: „Aktienrückkaufprogramm gibt es nur beim Nichtzustandekommen des Mergers“, sagte Illek.

Erst vor wenigen Wochen ist Höttges von einer US-Reise zurückgekehrt, in der er unter anderem zu Gesprächen bei den US-Wettbewerbsbehörden war. Die Telekom-Manager hoffen zwar weiter, dass sie die US-Beamten von den Vorzügen des Zusammenschlusses überzeugen können. Sie setzen sich aber auch immer klarer mit einer alternativen Strategie auseinander.

In der Branche wird ganz konkret über eine Absage der Fusion spekuliert. „Je länger es dauert, umso schlechter sieht es aus für die Fusion“, ist Roger Entner, Gründer der Branchenberatung Recon Analytics, überzeugt. Positive Entscheidungen fälle man schnell. Negative dauerten länger, gibt er zu bedenken.

„Die Deutsche Telekom hat das Problem, dass T-Mobile zu erfolgreich ist“, sagt Entner und weist darauf hin, dass T-Mobile seit 18 Quartalen schneller als der Rest der Branche wächst. „Damit wird es immer schwerer, die Wettbewerbshüter zu überzeugen, dass T-Mobile wirklich die Hilfe von Sprint braucht“, erläutert Entner. In Washington sei man überzeugt, dass T-Mobile seine Vorhaben auch ohne Sprint realisieren kann.

Schlechte Zahlen bei Sprint

Tatsächlich müssten die Behörden von Maßstäben abrücken, die sie selbst in Präzedenzfällen angelegt hatten: So durfte etwa AT&T T-Mobile nicht übernehmen, weil man der Überzeugung war, dass es grundsätzlich schlecht für den Markt sei, wenn die Zahl der Spieler von vier auf drei sinkt. Und damals stand T-Mobile noch nicht so gut da wie jetzt.

Mit seinen aggressiven Angeboten und einem guten Kundendienst hat T-Mobile den anderen Anbietern immer mehr Kunden abgeluchst. Die Gewinnmarge ist zwar nicht so hoch wie bei den Konkurrenten. Aber dafür konnte T-Mobile rasant wachsen.

Bei Sprint dagegen sieht es deutlich schlechter aus. Im ersten Quartal machte Sprint einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 8,4 Milliarden Dollar. Der Firma fällt es schwer, ihre Kunden zu halten. Alleine im ersten Quartal verlor Sprint 189 000 Vertragskunden. CEO Michel Combes appellierte an die Wettbewerbsbehörden, die Fusion zu genehmigen. Alleine könne Sprint nicht mehr lange überleben.

Telekommunikationsexperten wie Entner raten, den Kauf von Sprint zu überdenken: „Die Deutsche Telekom sollte sich ernsthaft fragen, ob es wirklich nötig ist, dass T-Mobile Sprint komplett übernimmt mit all den Problemen einer Integration, oder ob es nicht einfach nach und nach Sprint die Kunden abwirbt“, meinte Entner. Noch krasser ausgedrückt: „Für mich ist Sprint ein fallendes Messer. Und wenn man zu früh zugreift, liegt es in der blutigen Hand.“

Walter Piecyk, Telekomanalyst vom Investmenthaus BTIG sieht eine Fusion nicht ganz so negativ. „Für T-Mobile macht eine Fusion durchaus Sinn“, meint er. „In der Telekommunikation zählt Größe“, sagt er. Dennoch räumt Piecyk der Fusion gerade einmal 35 Prozent Chancen ein. „Die Aufseher haben Sorge, dass die Preise für die Verbraucher ansteigen, und verschiedene Studien weisen darauf hin, dass das auch geschehen wird“, erklärt der Analyst.

Die Argumentation, dass die beiden Partner ein 5G-Netz nicht alleine stemmen könnten, kauften die Wettbewerbshüter Sprint und T-Mobile nicht so leicht ab. „T-Mobile geht es derzeit bestens, und Sprint hat mit Softbank einen milliarden-schweren Investor im Rücken“, bemerkt Piecyk.

Um T-Mobile macht sich der Analyst aber auch im Falle eines Scheiterns der Fusion keine Sorgen: „Sie haben sich bisher nicht von den Fusionsplänen ablenken lassen und sind weiter alleine gewachsen“, sagt Piecyk. Einen Wettbewerbsvorteil hätte T-Mobile auch im Falle des Scheiterns: „Sie haben eine Menge über einen ihrer Konkurrenten gelernt.“

Stagnation in Europa

Die wachsende Bedeutung des US-Geschäfts offenbart auch, wie schwer es der Telekom fällt, in anderen Bereichen Wachstum zu generieren. Im Heimatmarkt Deutschland stagnierte der Umsatz im ersten Quartal nahezu. Mit einem Wachstum von 0,6 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro verharrte das Geschäft weitgehend auf Vorjahresniveau.

Die anderen Landesgesellschaften in Europa brachten es auf einen Zuwachs von 2,8 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Der Anstieg war jedoch vor allem auf Österreich zurückzuführen. Dort hatte die Telekom den Kabelnetzbetreiber UPC gekauft und die Übernahme zum 31. Juli 2018 vollzogen.

Entsprechend groß fiel der Umsatzsprung aus: Ein Plus von 40 Prozent auf 306 Millionen Euro im ersten Quartal 2019. Schlusslichter im Segment Europa waren hingegen Polen (minus 7,2 Prozent) und Rumänien (minus 4,0 Prozent).

Angesichts des schwachen Europageschäfts ist das Wachstum in den USA für den Konzern umso wichtiger: Entsprechend energisch kämpft T-Mobile-Chef John Legere für den Deal. Erst am Mittwochabend hat John Legere eine neue Initiative für kleine und mittlere US-Unternehmen jenseits der großen Städte angekündigt.

Für den „Farmer in Iowa“ und andere Unternehmen auf dem Land sei das Internet extrem wichtig. Für sie werde das fusionierte Unternehmen 600 extra Läden öffnen, teilte Legere im Blog und gegenüber der SEC mit.

Doch bei den Beobachtern schindet das kaum Eindruck: Der Analyst Craig Moffett von dem unabhängigen Researchhaus Moffett & Nathanson gibt der Fusion nur noch eine Chance von 33 Prozent und nicht mehr 50 Prozent wie zuvor. Er fürchtet auch, dass die Generalstaatsanwälte der einzelnen Bundesstaaten gegen den Deal klagen könnten.

Die neue Initiative in den ländlichen Gegenden sieht der Analyst eher als Beweis für die Schwierigkeiten. Das hätte kein Team gemacht, „das die Nase vorn hat“.

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1 Kommentar zu "Analyse: US-Geschäft zu erfolgreich: Telekom muss um Mega-Übernahme fürchten"

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  • Münchner Rück - American Re?
    Daimler - Chrysler?
    Bayer - Monsanto?
    Sind das alles Beispiele für glückliche Übernahmen?

    Wenn die Deutsche Telekom fähig ist, selbst guten Service zu leisten und damit gut wächst, ist es absolut unnötig und falsch einen schwächelnden Konkurrenten und dessen Risiken zu übernehmen!