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Analyse Warum der Exodus der Gründer eine Chance fürs Silicon Valley ist

Wegen der Coronakrise verlassen tausende Gründer das Silicon Valley, Palantir-Chef Karp als einer der prominentesten. Für andere Start-ups entstehen so Chancen.
04.09.2020 - 10:24 Uhr Kommentieren
Viele Menschen im Silicon Valley leben in Wohnwagen, weil die Mieten vor Corona zu teuer waren. Quelle: AP
Silicon Valley

Viele Menschen im Silicon Valley leben in Wohnwagen, weil die Mieten vor Corona zu teuer waren.

(Foto: AP)

Den Brief an Investoren nutzen die Chefs vor einem Börsengang meistens, um die Vision für ihr Unternehmen in höchsten Tönen auszumalen. Als Alex Karp kürzlich den Börsengang von Palantir ankündigte, bediente er sich einer anderen Tonart.

Der Chef des Datenanalyse-Unternehmens Palantir nutzte die Gelegenheit für einen Abschiedsbrief ans Silicon Valley, einen Blick zurück im Zorn: Palantir sei dort zwar gegründet worden, teile aber immer weniger die Werte anderer Technologieunternehmen.

Deswegen verlasse Palantir, das Bürgerrechtler für seine Arbeit für den US-Grenzschutz und Geheimdienste kritisieren, Palo Alto und ziehe nach Denver in Colorado. Mit den „Palantiri“, den „sehenden Steinen“, nach denen das Unternehmen benannt ist, lassen sich im „Herrn der Ringe“ weit entfernte Szenen betrachten – eine Fähigkeit, die Unternehmen seit der Coronakrise meist mit Zoom oder Webex erledigen.

Telearbeit und über die ganze Welt verteilte Teams werden im Silicon Valley zur Normalität: Um Covid-19-geplagten Eltern Planungssicherheit zu geben, erlauben große Unternehmen wie Google und Facebook den meisten Mitarbeitern bis Juli 2021 nicht mehr, ins Büro zurückzukehren.

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    Pinterest bezahlte sogar 90 Millionen Dollar Vertragsstrafe, um den Vertrag für ein geplantes 45.000 Quadratmeter großes Büro in San Franciscos SoMa-Nachbarschaft kündigen zu können. Man habe in der Coronakrise festgestellt, wie gut Teams auch ohne ein gemeinsames Büro funktionieren.

    Der Exodus aus dem Silicon Valley ist spürbar. Der Corona-Lockdown legt die ganze Region bald seit einem halben Jahr durchgehend lahm. San Francisco hatte schon vor Corona eine Obdachlosigkeitskrise – inzwischen böte die Innenstadt bei Dunkelheit die Kulisse eines David-Fincher-Films. 

    Vergleiche mit Detroit kursieren, der tief gestürzten „Motor City“ im Mittleren Westen. Konjunktur haben nur Garagenverkäufe und die „U-Haul“-Umzugswagen, mit denen Amerikaner in ein neues Leben aufbrechen.

    Erinnerungen an Apple und Alphabet

    Das Silicon Valley hat eine rund 80-jährige Erfolgsgeschichte hinter sich, die in der Entstehung einer ganzen Generation von Billionen-Dollar-Konzernen wie Apple und Alphabet gipfelte. Endet diese Geschichte nun abrupt, kurz nach ihrem Höhepunkt?

    Das Silicon Valley hat sich schon mehr als einmal neu erfunden. Die Tonfrequenzgeneratoren, die Bill Hewlett und David Packard für Walt Disneys Trickfilmproduktion „Fantasia“ in ihrer Garage in Palo Alto bauten, machen hier schon lange keinen mehr reich.

    Die Silizium-Halbleiter, die dem Tal seinen Namen gaben, sind nur noch eine Industrie unter vielen, längst nicht die wichtigste. Computer und Software bekamen ihre heutige Bedeutung für das Tal erst ab den Siebzigerjahren, mit dem Homebrew Computer Club, in dem sich „die beiden Steves“, Jobs und Wozniak, kennenlernten.

    Die Region, von der die Disruption so vieler Industrien ausgeht, ist geübt darin, mit ihrer eigenen Disruption umzugehen. Natürlich könnte diesmal alles anders sein. Noch nie gab es einen externen Schock wie die Pandemie, die so viele Tech-Arbeiter gleichzeitig in die Diaspora treibt. Die hier erfundenen Werkzeuge des Telearbeiters – Zoom, Slack oder die Organisations-App Notion – gab es in vergangenen Krisen noch nicht.

    Und die seit dem Ende der Dotcom-Krise ständig gewachsene Dominanz der Megakonzerne saugte nicht nur den Sauerstoff aus der Luft für Start-ups, die mit den hohen Gehältern, warmen Lunchtheken und Zumbakursen bei Google oder Apple konkurrieren mussten.

    Sie nahm vielen in der Region auch das Gefühl, neben dem Reichwerden auch an einem gegenkulturellen Experiment teilzunehmen, das einen fröhlicheren, menschenfreundlicheren Kapitalismus schaffen sollte und gegen das Palantir-Chef Karp nun stänkert. Die „Walkouts“ genannten Protestaktionen von Google-Mitarbeitern gegen einen der Vergewaltigung beschuldigten Manager waren schon vor Corona ein Zeichen, dass der Nimbus der netten Nerds gelitten hatte.

    Die Coronakrise hat die Metropole an der Westküste der USA zum Stillstand gebracht. Quelle: AFP
    Leere Straßen in San Francisco

    Die Coronakrise hat die Metropole an der Westküste der USA zum Stillstand gebracht.

    (Foto: AFP)

    Ein neuer Anfang mit mehr Garage und weniger Megacampus ist vielleicht das Beste, was dem Silicon Valley passieren kann. Die gigantischen Sequoia-Bäume im gleichnamigen Nationalpark brauchen mindestens zehn Meter Abstand voneinander. Wenn die Giganten künftig weniger Raum einnehmen, ist wieder mehr Raum für eine vielfältigere Vegetation.

    Die Büro- und Wohnungsmieten in der Region sinken bereits, was gerade Start-ups helfen dürfte. Langjährige Kollegen und eingespielte Teams mit klar definierten Aufgaben können einfacher auf Telearbeit umstellen als ein paar Gründer, die erst ihr Produkt, ihre Kunden und ihren Zweck in der Welt finden müssen.

    Diese Gründerteams können sich im Prinzip überall finden. Andere Start-up-Hubs in den USA und weltweit gewinnen schon seit einigen Jahren an Bedeutung. Das muss aber nicht auf Kosten des Silicon Valley gehen.

    „Software frisst die Welt“, aphorisierte der Investor Marc Andreessen schon vor knapp zehn Jahren. Corona hat die Größe von Softwaremärkten wie Videotelefonie oder Computerspielen völlig neu definiert. An diesem Festmahl können sich viele satt essen.

    Die Stanford-Universität und die Sand Hill Road, die Straße der großen Risikokapitalgeber, werden weiterhin talentierte Entwickler und Unternehmer nach Nordkalifornien ziehen. Für Start-ups sind die Vorteile eines Clusters wie Spill-over-Effekte und zufällige Begegnungen wichtiger als für Konzerne. Und sie lassen sich nicht so einfach digital replizieren wie Meetings.

    Dass Palantir nun Palo Alto verlässt, ist deswegen nur folgerichtig. Die Kleinstadt beheimatet zwar Stanford und die Garage von Hewlett und Packard, aber kaum einen Konzern. Wenn aus Studenten-Start-ups ernsthafte Unternehmen werden, ziehen sie meist nach San Francisco, San José oder irgendwo dazwischen.

    Vielleicht war es ja an der Zeit für Palantir. Nächstes Jahr im Mai wird das Unternehmen 18 Jahre alt.

    Mehr: Wie Kalifornien seinen Corona-Erfolg verspielte

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