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Anwenderkonferenz 5Germany Nach dem Massenstart in Südkorea – fünf Lehren vom 5G-Pionier

Schnelles Wachstum, hohe Zahlungsbereitschaft und ein Angriff auf Google: Das sind die Erkenntnisse von Südkoreas Marktführer SK Telecom über die neue Mobilfunk-Ära.
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Die ersten Lehren über 5G und die Zukunft der Mobiltelefonie kommen aus Südkorea. Quelle: Bloomberg/Getty Images
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Die ersten Lehren über 5G und die Zukunft der Mobiltelefonie kommen aus Südkorea.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Seoul Park Jung-ho ist ein Pionier in der Welt der neuen schnellen mobilen 5G-Datennetze. Im April trickste der Chef von Südkoreas führendem Mobilnetzanbieter SK Telecom gemeinsam mit den zwei Lokalrivalen KT und LG Uplus sein Land in die Geschichtsbücher der Telekommunikationsindustrie. Das Trio zog den geplanten Start für das 5G-Endkundennetz kurzerhand zwei Tage vor, um den US-Anbieter Verizon um ein paar Stunden zu schlagen.

Aber der Marketinggag hatte einen hohen Preis, erinnert sich Park in einer exklusiven Videobeitrag für die Handelsblatt-Konferenz „5Germany“: „Auch wenn wir den Start des ersten 5G-Netzes sehr gefeiert haben, war die Realität schrecklich.“ Die Daten flossen im Mobilnetz der sogenannten fünften Generation langsamer durch den Äther als mit dem bisherigen LTE-Standard. Dabei verheißen 5G-Netze theoretisch bis zu hundertmal schnelleren Transfer von Bits und Bytes. Und die Abdeckung sei jämmerlich gewesen, gibt Park zu.

„Selbst ich konnte lange kein 5G-Signal empfangen.“ Zu allem Überfluss war dies kein kurzlebiges Phänomen. Noch im Juli schrieb die Financial Times über den Pannenstart: „Die Südkoreaner beschweren sich über die schlechte Qualität der 5G-Netze.“ Doch inzwischen wird Südkorea dem Anspruch von Regierung und Wirtschaft gerecht, das Freilandlabor für 5G-Netze zu sein.

Die SK Telecom habe offen mit den Kunden gesprochen, hier und da kompensiert und das Netz verbessert, erklärt Park für die Teilnehmer des Handelsblatt-Kongresses. „Und der Markt beruhigte sich, die Kunden wurden geduldiger.“ Und umstiegswillig: Die Zahl der Kunden wachse inzwischen doppelt so schnell wie beim letzten Sprung zu LTE, so Park.

Landesweit gibt es daher schon drei Millionen 5G-Kunden, von denen rund die Hälfte auf SK Telecom entfällt. Bis Jahresende rechnet der Konzern für alle drei Anbieter sogar mit fünf Millionen und bis Ende 2020 mit 14 Millionen Abonnenten des neuen Diensts. Und nach diesem schnellen Start liefert Südkorea erste Lehren über die Zukunft der Mobiltelefonie.

Lehre 1: Die Koreaner sind zahlungswillig

Die Wirtschaft und die Kunden scheinen gleichermaßen nach 5G zu fiebern. In der Lobby seines 33-stöckigen Hauptquartiers stellt SK Telecom Laufkundschaft die Zukunft vor: vom autonomen Fahren über Kaffee vom Roboter-Barrista bis hin zu virtuellen Spielewelten. Samsungs neue 5G-Smartphones, darunter das faltbare Fold, flattern zudem immer wieder über die TV-Bildschirme, um den Appetit der Südkoreaner zu wecken. Mit Erfolg. Nicht nur der Datenhunger der Nutzer steigt, sondern auch ihre Zahlungsbereitschaft.

Die 5G-Nutzer konsumieren im Schnitt 40 Gigabyte an Daten, vier Mal so viel wie bisher, verrät Park. Und dafür sind sie bereit, 50 Prozent mehr zu bezahlen. Die durchschnittlichen Einnahmen pro Nutzer (ARPU) seien von 35 bis 40 auf 55 bis 60 Dollar pro Monat gestiegen, zählt Park zusammen.

Noch ist allerdings offen, ob dies ein globaler Trend wird oder ein ostasiatischer bleibt. Denn die Koreaner wie auch die Japaner lieben generell neue Technik und lassen sich diese Vorliebe auch etwas kosten. Rund 50 Prozent der Kunden greifen zu den Spitzenmodellen der Hersteller, sagen Industrieinsider. Andere Nationen sind oft preisbewusster.

Lehre 2: Kreative Lösungen für den Start nötig

Um diese anspruchsvolle Kundschaft schon in der Startphase zu fesseln, sind allerdings kreative Lösungen gefragt, wie SK Telecom herausfand. Denn es wird nach Aussagen des Unternehmens drei bis vier Jahre dauern, bis das 5G-Netz das Land genauso breit abdeckt wie LTE heute. SK Telecom habe daher nach den ersten Problemen auf ein Cluster-Konzept gesetzt, sagt Park.

Darunter versteht er innerstädtische Zonen, die „perfekte Performance“ liefern. Und SK-Vizepräsident Ryu Young-Sang erklärt als Chef des Netzwerkgeschäfts, was das genau bedeutet. Krawattenfrei und gut vorbereitet mit einem kleinen Stapel an Stichworten erscheint er zum Interview in Seoul. Schließlich ist es das erste Mal, dass die Unternehmensführung einen ausländischen Journalisten empfängt.

70 dieser Hochgeschwindigkeitsinseln hat das Unternehmen eingerichtet, 2020 sollen es 200 werden. Auch die Geschwindigkeit des Datenstroms wird inzwischen von derzeit 1,1 auf 1,6 Gigabit pro Sekunde erhöht. „Dabei geht es nicht nur darum, die Abdeckung zu erhöhen, sondern auch neue Dienste wie aufgewertete und virtuelle Realität in diesen Clustern zu fokussieren,“ erklärt Ryu. Und um noch mehr Menschen in die Zonen zu locken und dem 5G-Fieber zu infizieren, bietet der Telekomriese auch ein Mitgliedsprogramm mit Rabatten für Geschäfte und Restaurants in den 5G-Inseln an.

Wie die Dienste aussehen führen die Programmierer im Forschungszentrum von SK Telecom vor. In einem Schauraum dürfen Kunden beispielsweise mit aufgewerteter Realität (AR für augmented reality) spielen, digitale Tiere in Echtzeit auf dem Display einblenden. Ein Höhepunkt virtueller Realität (VR) ist ein virtuelles Wohnzimmer, in der Kunden sich mit ihren realen Freunden virtuell treffen und beispielsweise ein reales Fußballspiel schauen können.

Und wenn die eigene Mannschaft eine Torchance vergibt, können die Zuschauer digitale Stofftiere oder Getränke an die Leinwand werfen, ohne das Real etwas zu Bruch geht. Außerdem entwickelt das Unternehmen mit dem World Wildlife Fund (WWF), einer bekannten globalen Tierschutzorganisation, einen tierfreien Zoo. Das Produkt sei zwar technisch nicht sehr anspruchsvoll, sagt Chef Park. „Aber die Kunden mögen es.“

Lehre 3: Das Zusammenspiel zwischen Staat und Wirtschaft ist entscheidend

Südkoreas Frühstart ist kein Zufall. „Die Regierung hat eine enorme Rolle gespielt“, erzählt Ryu. Denn wie schon in der Vergangenheit sieht sie Infrastruktur als Grundlage für die globale Wettbewerbsfähigkeit des Landes und besonders der globalen Elektronikkonzerne LG und Samsung. So drängte die Regierung die drei Unternehmen dazu, zeitgleich ihre 5G-Netze zu starten, um hohe Werbekosten zu vermeiden und mehr Geld für den Netzausbau zu haben.

Und dieser gemeinsame Frühstart zahlt sich mal wieder aus, meint der Experte. Samsung und LG hätten bereits 5G-Smartphone auf dem Markt, Apple noch nicht. Außerdem macht er sich große Hoffnungen, dass Samsungs Netzwerkgeschäft künftig globale Riesen wie Nokia und Huawei Konkurrenz machen kann. „Bisher hatte Samsung beim Netzwerkgeschäft global nicht mehr als fünf Prozent Marktanteil“, so Ryu. „Nun ist der Konzern einer der ersten Anbieter von 5G-Netzwerktechnik.“

Lehre 4: Cloudspiele und das industrielle Internet werden zum Hit

Doch Technik ist nur die Grundlage, die Nutzung entscheidet. Und noch rätseln die Telekomkonzerne, was nach Videos die nächste Killerapplikation im mobilen Internet werden könnte. In Korea meint die Industrie, eine Antwort gefunden zu haben. Neben AR- und VR-Diensten wettet Ryu inzwischen auf elektronische Spiele in der Cloud, die Google, Microsoft und Sony pushen. „Ich denke, sie werden ein Höhepunkt der 5G-Ära werden.“

Der Grund: Das 5G-Netz senkt die Zeitverzögerungen, die bisher das Spielerlebnis von komplexen cloudbasierten Spielen trübten, auf wenige Millisekunden. Und plötzlich können auch große Gruppen in Echtzeit miteinander spielen, kämpfen oder gemeinsam über das Internet musizieren. Ganz neue Dienste erwartet Ryu, wenn es auch neue Produkte wie Datenbrillen gibt.

Ein neues Geschäftsfeld wird die Vollvernetzung von Unternehmen, ihren Maschinen und Fabriken. Südkoreas Regierung hat anders als die deutsche keine eigenen Frequenzen für Unternehmensnetze reserviert. Aber die Telekomfirmen bauen sie nun auf. „Sie werden der Schlüssel“, sagt Netzwerkexperte Ryu. Dienste für Unternehmen würden ein sehr wichtiger Teil des Geschäfts in der 5G-Ära werden. Im nächsten Schritt sollen dann autonome Autos folgen.

Lehre 5: Telekom-Konzerne greifen Google & Co. an

Mit den neuen Diensten entsteht eine neue Chance. „Mit 5G können wir von einem Mobilnetzbetreiber zu einem Dienstleister werden“, sagt Ryu. Und mehr noch: „Wir können vielleicht die Initiative von Plattform-Anbieter wie Google oder Facebook zurückgewinnen.“. Teilweise hat dies schon stattgefunden wie beispielsweise mit Musikdownloads in Korea. Aber nun entwickelt SK Telecom auch mit Hochdruck Spiele, AR- und VR-Dienste und virtuelle Räume für Unternehmenskunden, weil Drittanbieter noch nicht viel zu bieten haben.

Doch vor allem bei Unternehmenskunden wittert Ryu daheim und global Potenzial. Zum einen kooperieren die Koreaner bereits mit der Deutschen Telekom und SingTel, dem singapurischen Marktführer. Zum anderen seien die klassischen Plattformanbieter im Unternehmensgeschäft nicht sehr stark und würden daher mit den Netzwerkanbietern zusammenarbeiten wollen. „Diese Kooperationen würden unsere Dienste auf eine globale Ebene heben“, hofft Ryu.

Das Unternehmen hat schon einige Dienste für die globale Expansion ausgewählt. Und die ist längst nicht mehr nur Theorie. Bereits 2018 hat SK Telecom eine Allianz mit dem größten südostasiatischen Mitfahrdienst Grab abgeschlossen. Seither navigieren die Grab-Fahrer nicht mehr mit Google Maps durch die asiatischen Großstadtdschungel, sondern mit dem Navigationssystem von SK Telecom, T Map. Und CEO Park hat schon weitere Kundschaft im Blick. „Wir importieren viele deutsche Autos“, sagt er. „Ich hoffe, dass sie unseren T-Map-Dienst nutzen werden.“

Mehr: Wie lässt sich der neue Mobilfunkstandard 5G schneller ausbauen? Die Deutsche Telekom will für den Ausbau eine Allianz mit der Industrie schließen.

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